?
 
Titelbild
 
 
  Suche   

 
   
 
Startseite / Artikel Aktuell Detailansicht
 

Begin wollte Adenauer ermorden

 

Am 11. Juni 2006 brachte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (S.8) einen ganzseitigen Artikel “Im Auftrag des Gewissens” von dem Berliner Journalisten Hennig Sietz, der im Jahre 2003 (im Siedlar-Verlag) das Buch Attentat auf Adenauer, die geheime Geschichte eines politischen Anschlags veröffentlicht hatte. Das Buch umfaßte die Ergebnisse jahrelanger Recherche nach den Tätern und Hintermännern des Attentats, das mit einer an den Bundeskanzler adressierten Paketbombe auf diesen sowie mit  Briefbomben auf  auf die an den damals laufenden Wiedergutmachungsverhandlungen beteiligten deutschen Vertreter verübt werden sollte. Das  Paket erregte Verdacht, gelangte zur Polizei, und die darin verstecke Bombe tötete am 27. März 1952 bei ihrer Entschärfung im Münchener Polizeipräsidium den betroffenen Bombenfachmann und verletzte andere Personen. Das Buch schildert  Spuren der Täter, die über Paris nach dem kurz vorher  gegründeten Staat Israel führten, konnte aber das Geheimnis nach den Auftraggebern noch nicht lüften.
   Diese Lücke ist offenbar nun durch das an die Öffentlichkeit gekommene Bekennerbuch, eines maßgeblichen an dem Mordversuch am Bundeskanzler Beteiligten, geschlossen worden. Mehr als 50 Jahre nach der Tat liegt der Vorgang nun endlich offen. Die Sensation dabei ist, daß Menachem Begin, der spätere israelische Außenminister, Regierungschef und Friedensnobelpreisträger von 1978, der führende Kopf und Organisator dieses auf mehrfachen Mord abzielenden Attentats war.
   Einer der Täter, Elieser Sudit, der Anfang April 1952 in Paris mit vier anderen Israelis wegen des Verdachts der Beteiligung an dem Attentat von der französischen Polizei gefaßt und dann wegen unerlaubten Waffenbesitzes verurteilt worden war, verfaßte 1994, sicher nicht zufällig erst zwei Jahre nach Begins Tod am 9. März 1992, in Hebräisch Aufzeichnungen unter dem Titel “Im  Auftrag des Gewissens” über das Geschehen, die - in keiner Bibliothek vorhanden - nun in die Hände von Sietz kamen. Sudit beschreibt darin die ganze Vorgeschichte und Planung der Attentate, die er mit seinen Freunden, Aktivisten der von Begin geleiteten “Nationalen Militärorganisation” (des “Irgun Zwai Leumi") oder Mietgliederb der Cheruth-Partei, vorbereitete und dann durchführte. Die Jüdischen Nationalisten wollten damit die angelaufenen Wiedergutmachungsverhandlungen zwischen Israel und der Bundesrepublik Deutschland verhindern, da sie das “Blutgeld” von Deutschen ablehnten. Israels Ministerpräsident Ben Gurion brauchte hingegen dringend die deutsche Hilfe, denn "zu dieser Zeit drohte dem jungen Staat Israel der Bankrott".
   So stellte der von Jugend an als Sprengstoffspezialist ausgebildete Sudit sich noch mit dem gesamten Attentseinem “Kommandanten” Menachem Begin des Irgun Zwai Leumi, der mit der von ihm geführten nationalen Cheruth-Partei heftig gegen die Verhandlungen mit den Deutschen auftrat, als Attentäter zur Verfügung. Begin führte weitere Helfer hinzu, organisierte Planungsrunden und sorgte für die Finanzierung des Vorhabens. Einige namentlich genannte Knesseth-Abgeordnete wurden eingeweiht und nahmen an den vorbereitenden Gesprächen in Israel teil. Bewußt wurde auch der Tod Unschuldiger dabei in Kauf genommen.
    In allen Einzelheiten werden dann in Sudit 164 Seiten umfassendem Privatdruck die Verteilung der Aufgaben, die von ihm geleistete Herstellung der Bomben und die Durchführung der jeweiligen Zustellung von Paris aus beschrieben. Dabei wurden mehrere dilettantische Fehler begangen, an denen letztlich die verschiedenen Attentate scheiterten und nicht die vorgesehen Politiker, sondern Unschuldige zu Schaden kamen. Die internationale Aufmerksamkeit wurde nicht erreicht, Bonn und Paris spielten die Sache herunter, Adenauer wollte die Verhandlungen nicht stören lassen und verzichtete auf Strafantrag.
   Die in  Paris verhafteten Täter wurden, da man ihnen damals die Beteiligung nicht zweifelsfrei nachweisen konnte oder wollte, lediglich aus Frankreich ausgewiesen, bis auf Sudit, der am 1. Juli 1952 in Paris wegen bei ihm gefundener Waffen zu vier Monaten Haft verurteilt wurde, die durch die Untersuchungshaft schon fast abgegolten waren. Am 5. April 1952 berichtete der Pariser "France Soir" über die Verhaftung, den Verdacht und die anstehende Ausweisung. In Tel Aviv hatte inzwischen schon der Cheruth-Vorsitzende Begin mit dem französischen  Geschäftsträger gesprochen, hatte gegen die Verhaftung der fünf Israelis, bis auf einen alles seine Parteifreunde, Protest eingelegt und  fälschlicherweise versichert, daß diese sich auf einer Geschäftsreise befunden hätten. Wahrheitswidrig erklärte er, daß er überzeugt davon sei, daß sie weder mit der an Adenauer gerichteten Paketbombe at etwas zu tun hätten.
 



Kommentare zu diesem Artikel - Komentarze do artykułu



Keine Einträge
Keine Einträge im Gästebuch gefunden.

Kommentar schreiben - napisać komentarz



Vorname
Nachname
E-Mail
Nachricht *
Antwort
Bitte geben Sie hier das Wort ein, das im Bild angezeigt wird. Dies dient der Spamvermeidung Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
CAPTCHA Bild zum Spamschutz
 

 
redakcja@silesia-schlesien.com | redaktion@silesia-schlesien.com | Impressum
© copyright 2004-2005 by silesia-schlesien.com

Besuchen Sie auch:
[Weinfässer als Regentonnen, Springbrunnen und Gartendekorationen]