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Dr. Ewald Stefan Pollok - Die Verifikation

 

Der Krieg war noch nicht beendet, da begann die polnische Seite schon mit der Aufteilung der Schlesier in die echten und die unnötigen, unwürdigen. Prof. Marek versucht in seinem Buch den Eindruck zu erwecken, die Herren Kroll und Urban würden die Schlesier in zwei einander fremde Gruppen einteilen. Das hat schon Aleksander Zawadzki mit seiner Anordnung vom 29. Januar 1945 getan: ”Beseitigung aller Spuren der deutschen Besetzungszeit, zwecks Unterstreichung des polnischen Charakters Schlesiens. ”Die verbliebenen deutschen Schlesier mussten sich bedeckt halten und gleichzeitig deklarieren.

Die in Schlesien einmarschierte Rote Armee behandelte die Bevölkerung des Oppelner Schlesien als Deutsche. Auf Grund dessen hatte sie das Recht zu plündern, zu vergewaltigen usw. Die Sowjets kasernierten alle Männer von 16-60 Jahren, die Nationalität nicht in Betracht ziehend, in mehreren Dutzend Lagern. Der Großteil wurde in die Sowjetunion deportiert, wo die Männer unter unmenschlichen Verhältnissen und halb verhungert in Gruben und Hüttenwerken Schwerstarbeit leisten mussten, und zwar im Rahmen des Wiederaufbaus des Landes.

Im Februar 1945 begannen die Vorbereitungen zur Übernahme des Oppelner Landes. Die Sowjets übergaben im März 1945 das Land rechts der Oder und im Mai die Gebiete auf der linken Oderseite an Polen.

Ein gebürtiger Oppelner, Anton Klaka, sagte am 18. März 1945 auf einer Kundgebung in Kattowitz: »Endlich werden unsere polnischen Mütter Soldaten für Polen gebären können«(!!??).

Der Wojewode A. Zawadzki überreichte bei einer speziellen Unterredung am 20. März 1945 den Landräten und Stadtpräsidenten die Festlegungen, die Verifikation betreffend. Dem älteren Leser will ich an dieser Stelle in Erinnerung bringen und dem jüngeren erklären, was die Verifikation bedeutete. Die polnische Regierung beschloß damals, alle Bewohner Schlesiens zu klassifizieren in solche, die eindeutig als ethnische Polen anerkannt wurden oder andere, die mittels verschiedener Beweise, Erklärungen, Sprachkenntnisse, Zeugenaussagen, Loyalitätserklärungen, Verdienste um den polnischen Staat und das Volk usw. ihr Polentum glaubhaft machen konnten oder wenigstens die gestellten Erfordernisse zum Teil erfüllten und in jene, deren Beweise und Erklärungen nicht ausreichten oder die keine Beweise besaßen und keine Erklärung abgeben wollten. Auf dieser Seite gab es auch jenen großen Teil der Bevölkerung, der als rein deutsch für eine Verifizierung gar nicht in Frage kam. Wer also die Erfordernisse erfüllte, wurde als polnischer Staatsbürger verifiziert. Diejenigen aber, die die Verifizierung nicht erlangten oder sie gar nicht wollten, blieben in den Augen der Polen Deutsche, wurden in Lagern konzentriert und letztendlich nach Deutschland vertrieben.

Am 21. März 1945 wurde General A. Zawadzki offiziell zum Bevollmächtigten der Provisorischen Regierung der Nationalen Einheit für das Oppelner Schlesien ernannt.

Jetzt aber wieder zurück zu den Anordnungen des Wojewoden A. Zawadzki! Am 22. März 1945 gab er die Verordnung betreffs der Ausstellung vorläufiger Identitätsbescheinigungen für Schlesier bekannt. DER KRIEG WÄHRTE NOCH! Die Frage der polnischen Nord- und Westgrenze war noch nicht geklärt. Auf der Konferenz von Jalta (Februar 1945) war gesagt worden: ”Zum entsprechenden Zeitpunkt wird man die Ansicht der neuen polnischen Provisorischen Regierung der Nationalen Einheit über die Größe des Gebietszuwachses im Westen und Norden einholen.” Die neuen polnischen Machthaber wandten aber, sicher im Einvernehmen mit Generalissimus J. W. Stalin, die Politik der vollendeten Tatsachen an.

Am 18. Juni 1945 erließ A. Zawadzki eine Verordnung, in welcher die Bildung von Ortsteilen empfohlen wurde, in denen die deutsche Bevölkerung provisorisch untergebracht werden sollte. Er verbot Deutschen die Benutzung der Bahn, es sei denn, daß sie in den Westen fuhren.

Nachdem diese Verfügung veröffentlicht war, befahlen die Verwaltungsbehörden den Deutschen das Tragen von sichtbaren Erkennungszeichen. In Breslau, Wohlau und im Grottkauer Gebiet mussten weiße Armbinden getragen werden. In Kreuzburg (Kluczbork) trugen Deutsche auf dem Rücken ein rotes “N” (Niemiec - Deutscher). Armbinden mussten u.a. auch in Oberglogau (Głogówek) und Hindenburg (Zabrze) angelegt werden.

Ab Juni 1945 wurden Deutsche ausgesiedelt, obwohl es diesbezüglich noch kein Recht gab, denn die Potsdamer Konferenz ging erst am 2. August 1945 mit einer offiziellen Erklärung zu Ende, und erst dann erfuhr man, dass die deutschen Gebiete bis zu einem Friedensvertrag unter polnische Verwaltung gestellt wurden. Die Aussiedlungsaktionen dauerten im einzelnen 2-3 Wochen und verliefen besonders brutal. Vor der Beendigung der Konferenz in Potsdam hat man auf diese Weise 400.000 Schlesier grausam vertrieben. In aller Regel wurden die Menschen von herumstreunenden Dieben bestohlen und von der Miliz geschlagen. Es sind Fälle bekannt, wo die Deutschen aus der Stadt getrieben und ihrem Schicksal überlassen wurden. Ihre Häuser und Wohnungen wie auch ihr Hab und Gut wurde von Polen sofort requiriert.

„Viele Menschen starben vor Hunger und Erschöpfung. Den Rest gaben ihnen Krankheiten und Epidemien, welche die Schlesier, die in primitiven Verhältnissen ihr Leben fristeten, dezimierten. Die Phase der wilden Aussiedlungenwurde erst gestoppt, als die Sowjetunion intervenierte. Freilich wurde sie keineswegs von einem humanitären Gedanken bewegt. Wahrscheinlich befürchtete Stalin eine negative Gegenwirkung seitens der Alliierten auf diese Vorgänge.”

Ein Bewohner von Czarnowanz (ab 1936 Klosterbrück, ab 1945 Czarnowąsy) spricht über die damalige Zeit: »Die Miliz wütete immer schlimmer. Wenn bisher nur die Sowjets plünderten, so taten das jetzt auch die Polen. Vor der neuen Miliz war nichts sicher. Bis auf das eine, dass sie, im Gegensatz zu dem Russen, keine Mädchen vergewaltigten. Die Miliz hatte die Rolle der Gestapo oder des NKWD übernommen und scheute sich nicht, zu rauben und zu plündern«.

Ein Bewohner von Schreiberhau (Szklarska Poręba) erinnert sich: »Die größte Angst hatten wir vor den Hitlermärschen zur Erinnerung an Hitler. Die Märsche wurden organisiert, damit wir uns darauf besinnen sollten, warum wir Hitler gewählt haben. Ganze Dörfer wurden zusammengetrieben, also überwiegend Frauen und Kinder, wobei letztere ihn garnicht gewählt haben konnten, auch Alte und Kranke. Diese Menschen wurden dann etwa drei Wochen lang in der Gegend herumgeführt. Der Zug wurde von berittenen Polen angeführt und am Ende von Polen zu Pferd gesichert, dass niemand weglaufen konnte. Diese Züge erinnerten an die Durchmärsche von Häftlingen aus den Konzentrationslagern im Winter 1945«.

Ein anderer Zeuge aus Oberschlesien sagte aus, was während der Verhöre grundlos inhaftierter Deutscher vorging: »Wenn die Tür zur Zelle geöffnet wurde, musste man in strammer Haltung melden: Zelle 117, belegt mit deutschen Schweinen. Und dann hagelte es Schläge, denn der kaum 20-jährige Gefängniswärter war der Meinung, die Meldung wäre nicht präzise genug gewesen«.

Eine andere neue Erfindung war das Verhörzimmer. Es wurde in einem ehemaligen Waschraum eingerichtet. Die Ausstattung bestand aus einem Tisch, mehreren Stühlen und einem Hackklotz. Viele der frisch Inhaftierten, egal ob Mann, Frau oder Mädchen, mussten sich gänzlich entkleiden und in diesem Zustand wurden sie verhört. Das düsterste Mittelalter war nicht so unmenschlich und erfinderisch im Quälen von Menschen wie diese Polen, denen wir preisgegeben waren.”

Ein Zeuge aus Kamenz (Kamieniec Ząbkowicki) sagte: »Viele leiden heute noch als Folge der erlittenen Torturen. Die unglücklichen Opfer wurden entkleidet und mit den Beinen an ein Brett gebunden. Dann schlug man sie mit schweren Peitschen so lange, bis sie bewusstlos in ihrem Blut lagen. Nachts drangen schreckliche Schreie auf die Straßen. Radios und Lautsprecher wurden auf höchste Lautstärke eingestellt, sie sollten diese Schreie übertönen oder dämpfen. Diese Ungeheuer schreckten sogar nicht davor zurück, die Opfer so lange zu schlagen, bis sie ihren Geist aufgaben«.

Das Vertreibungsverfahren war von Grund auf inhuman. Während die einen total beraubt und ausgewiesen wurden, bereicherten sich die anderen und sicherten sich so ihre Existenz, weil sie sich auf seiten der Aussiedlungsbehörden befanden. Der Aussiedlungsakt allein, die Beschlagnahme des Eigentums der Aussiedler, die Vertreibung aus der Heimat, an die sie sich mit familiären, emotionalen, historischen Banden gebunden fühlten, war ein brutaler Akt, der bei den Betroffenen das tiefe Gefühl schweren, bitteren Unrechts erzeugen musste. Wenn dieses Gefühl zusätzlich noch von Schikanen seitens der Vertreiber begleitet wird, ist es besonders schmerzlich.

Diese Schikanen führten auch dazu, dass so manche bei der Verifizierung um so schneller zum Federhalter griffen und ihre polnische Zugehörigkeit bekundeten, nur um nicht in die Hände verantwortungsloser Menschen zu fallen.

Um den Schein zu wahren, mussten die ausgesiedelten Deutschen eine Erklärung der freiwilligen Ausreise unterschreiben und auf jegliches Eigentum zu Gunsten des polnischen Staates verzichten. Trotzdem wurden ihnen auch die letzten Wertsachen bei der Kontrolle des Handgepäcks, welches 10-20 kg schwer sein durfte (abhängig davon, aus welcher Ortschaft sie kamen), abgenommen.

Am 2. Juli 1945 erließ der Wojewode A. Zawadzki eine weitere Verordnung, die den Deutschen verbot, auf dem Gebiet des vorkrieglichen Oberschlesien zu wohnen. Dasselbe galt für Niederschlesien. Das Oppelner Land war aber ausgenommen, weil hier die Verifizierung der Bevölkerung erst durchgeführt werden mußte. Zawadzki sagte damals: »Wir wollen in unserem Land keinen einzigen Deutschen, aber auch nicht eine einzige polnische Seele geben wir den Deutschen ab«.

Die Verifikation begann schon im März 1945. Es mußte ein relativ unkomplizierter Fragebogen mit Personalangaben ausgefüllt und folgender Satz unterschrieben werden: ”Ich bin polnischer Nationalität und bitte um die Ausstellung einer Bescheinigung der Angehörigkeit zu dieser Nation.” Im August 1945 wurde ein erweiterter Fragebogen eingeführt. In Punkt 14 wurde erläutert, dass man sich in der Begründung des Antrags ”auf die Anwendung der polnischen Sprache zu Hause und im Gebet, auf die Gewandtheit im Lesen und Schreiben, das Besuchen von Sprachkursen oder polnischen Schulen, die Teilnahme an Ausflügen oder Fahrten nach Polen, den Besitz entsprechender Dokumente, eines Gebetbuches oder eines polnischen Kalenders berufen kann”.

Auch die Sprache erwies sich als zur Wirklichkeit unpassendes Kriterium. Einerseits gab es Familien eindeutig polnischer Abstammung (die aus Großpolen und Galizien eingewandert waren), in welchen besonders die Jüngeren nicht oder nur wenig polnisch konnten, anderseits aber gerade deutsche Oberschlesier, ihrer Nationalität voll bewußt, die beide Sprachen gut beherrschten.

Wie verhielten sich nun die deutschen Oberschlesier? Sie lehrten ihre Kinder polnische Gebete. Eltern und Großeltern mussten sie nicht beherrschen, aber wenn das Kind dazu in der Lage war, dann bedeutete dies, es hat sie doch zu Hause gelernt und, wenn zu Hause, dann war es doch klar, dieses Haus war polnisch! Das war eine Lüge von Anfang an! So lange die Welt besteht, versuchten die Menschen immer, sich entsprechend einzustellen. In diesem Fall ging es um den Verbleib in der Heimat. Man sollte sich erinnern, die meisten wollten nicht in den Krieg ziehen, nicht die polnischen und nicht die deutschen Schlesier. Sie wurden als deutsche Staatsbürger dazu gezwungen. Sollte aber jemand behaupten, dass es solche gab, die den Krieg wollten, bekommt er bei mir Recht. In einer Bevölkerung wird man sie immer finden, aber das wollen wir doch nicht verallgemeinern. Gleich daraus generelle Schlußfolgerungen zu ziehen, ist ungerecht.

Die slawisch-polnischen Schlesier mussten, als deutsche Staatsbürger, auch in den Krieg ziehen, an dieselbe deutsche Front. Um ihre Meinung wurden sie nicht gefragt. Ein Schlesier deutscher oder polnischer Option schoss auf einen Polen oder Russen. Schizophrenie !? Aber das sind Fakten, welche man nicht rückgängig machen kann. Man sollte heute nur nicht behaupten, ”die polnischen Schlesier seien besser”. Genauso verhielt es sich übrigens mit den Deutschen in der DDR. In ihren Geschichtsbüchern waren sie immer die besseren Menschen. Nie waren sie an einem Krieg beteiligt, es gab dort auch keine Faschisten.

Die Wahrheit über Schlesien ist aber folgende: Beide Seiten mussten in den Krieg, sonst gab es die Kugel. Und jetzt, als der Krieg zu Ende war, wurden die deutschen Schlesier der Heimat beraubt. Für welche Sünden ?! Nur weil ein machtsüchtiger Bolschewik und einige polnische kommunistische Lakaien Wahnvorstellungen hatten?! Erst war Hitler gegen die polnischen Schlesier, jetzt wurden deutsche Schlesier vom ”freien” Polen als Feinde betrachtet.

Um im Land bleiben zu können, musste man sich verschiedener Schliche bedienen.

”Eben Polen haben im Oppelner Schlesien die Volksliste eingeführt. Während die nazideutsche Volksliste eine Wahl der Volkszugehörigkeit zuließ und zwischenstufliche Kategorien beinhaltete, so beruhte die polnische, nachkriegliche Liste auf dem Prinzip einer von oben verordneten, zwangsläufigen und alternativen Klassifikation, entscheide dich: bist du Pole oder Deutscher?

Ein schlesischer Bauer, von seinem Hof vertrieben, weil er der Verifizierungskommission zu trotzig oder stolz schien oder aus dem einfachsten Grund, dass sein Haus jemandem ins Auge stach, dachte in diesem Moment nicht an Auschwitz, die Krematorien oder den berüchtigten Warschauer Pawiak (Gefängnis der Sicherheitspolizei), der unter den Polen allgemein als Ausgangspunkt aller Racheakte angesehen wurde. Meistens hat er davon gar nichts gehört. Nein, er wusste im Augenblick nur, dass er enteignet und aus der Heimat vertrieben wurde und merkte sich, wer dies tat.”

Zum Thema Verifikation will ich hier einige Gedanken anführen, welche Z. Kowalski in seinem Buch Die Rückkehr des Oppelner Schlesien zu Polen verfasst hat.

Die Mängel in der Tätigkeit der Verifikationskommissionen resultierten u.a. aus der Tatsache, dass viele Kommissionsmitglieder die spezifischen nationalen Probleme im Oppelner Schlesien nicht kannten. Es gab auch Personen, welche das eigene Interesse ihrer Familien oder Bekannten über die gerechte Lösung des Problems stellten.

Das Oppelner Landratsamt (Urząd Starosty) räumte ein: ”Angesichts der riesigen Anzahl von Anträgen und dem nahen Zeitpunkt der Beendigung der Verifikation wurden die Anträge zum Großteil ohne Protokoll und ohne Angabe irgendwelcher Motive erledigt.”

Zawadzki wiederum schrieb: ”Auch die formale Seite im Verlauf der Verifikation ließ viel zu wünschen übrig. Die Verifizierungsakten und Register von ausgestellten Bescheinigungen wurden nachlässig geführt. Anträge auf Verifizierung wurden in beliebiger Reihenfolge bearbeitet. Es kam vor, dass dieselbe Person zweimal verifiziert wurde. In Oppeln selbst gab es bis Dezember 1945 gleich 156 solcher Fälle.”

Der Wojewode Zawadzki empörte sich: ”Es gab auch gemeine Missbräuche, etwa als eine Kanaille in polnischer Hülle Deutschen für Bestechungsgeld Nationalitätsbescheinigungen ausstellte.” Über Funktionäre des Sicherheitsapparats sagte er: ”Manchmal geschah es, dass einer, dem ein Karabiner in die Hand gedrückt wurde, den Kopf verlor und es sich erlaubte, von Staatsbehörden ausgestellte Dokumente zu zerreißen - Verifikationspapiere, die für das Leben von ganzen Familien entscheidend waren. Dokumente wurden zerrissen, die Leute kamen daraufhin ins Lager. Das ist ein Skandal und ein Verbrechen.” Zu einem späteren Zeitpunkt sagte er: “...In einer größeren Anzahl von Ortschaften gelangten in viele Ämter Unzuverlässige, welche diese Politik nicht verstanden und auch nicht imstande waren, sie zu verstehen, oder es waren auch Menschen eindeutig bösen Willens, auf persönliche Vorteile ausgerichtet.” Das Wojewodschaftliche Komitee der Polnischen Arbeiterpartei schrieb damals: ”Zur Geltung kommt sogar das Faustrecht.”

Die Zeitung GazetaRobotnicza (Arbeiter Zeitung) vom 12. Juni 1945 druckte: ”Die polnische Bevölkerung des Oppelner Schlesien (...), aus deren Reihen viele Aufständische hervorgegangen waren, beginnt jetzt, dem Polentum abzuschwören. Beim Ausfüllen von Fragebögen bitten sie, als Deutsche anerkannt zu werden. Sie wollen wahrscheinlich nichts mit diesen Polen gemein haben, welche die größte Schande für den heldenhaften Namen eines Polen mitbringen - Aneignung verlassenen Gutes, Diebstahl

Die Verifikation verlief keineswegs ”geradlinig”! Ein Antrag konnte mittels einer entsprechenden Menge Mehl, Schinken oder Branntwein ”bekräftigt” werden. Wer schmierte, der bekam auch die provisorische Staatsbürgerschaft. Und wie wurde späteres Suchen nach dem Klassenfeind geahndet?! Man durfte nicht an Verwandte in der Bundesrepublik Deutschland schreiben. Dann drohten empfindliche Konsequenzen. Die Korrespondenz wurde kontrolliert und beurteilt. Ein unbedachter Satz konnte das Gefängnis bedeuten. Bekannt ist ein Fall aus Oppeln, wo eine Frau an ihre Schwester schrieb. Sie erwähnte Schwierigkeiten in der Versorgung mit Lebensmitteln, weil alles nur auf Karten zu erhalten war. Bald darauf hatte sie diese Schwierigkeiten nicht mehr. Wegen ”Verleumdung Volkspolens” wurde sie ins Gefängnis gebracht.

Es fehlte an präzise formulierten Regeln und Kriterien der Verifizierung. Demzufolge gab es eine Unmenge von Fällen, in welchen die Kommissionen gar kein richtiges Urteil fällen konnten. Beispielsweise beklagte sich der Oppelner Landrat (Starosta): ”Ein besonderes Problem sind die ehemaligen Mitglieder der Nazipartei NSDAP, besonders aber ihre Familien und die weitere Verwandtschaft, die oft eindeutig polnischer Herkunft sind.” Der polnischer Landrat von Ratibor fügte hinzu: ”Ein Problem für sich stellt die Verifizierung ehemaliger Mitglieder der NSDAP dar, deren Anzahl auf dem Gebiet unseres Kreises ziemlich hoch ist. Im wesentlichen sind sie polnischer Abstammung.” Arka Bożek, der politische schlesische Aktivist auf polnischer Seite, war der Meinung, man solle gewöhnliche Parteigenossen verifizieren.

Bis zum III. Quartal 1946 gingen 2447 solcher Anträge ein. Die Verifikation war wirklich ein Problem! Das kann man einer Feststellung von K. Malczewski, einem Mitglied der Verifikationskommission der Stadt Oppeln, entnehmen: ”Nicht verifiziert wurden nur jene, die keine ursprünglichen polnischen Elemente vorweisen konnten und eine deutsche Psyche besaßen (!?). Wenn dagegen die Elemente erfassbar waren (!?), qualifizierte man die Antragsteller in die Gruppe der Polen.”

(Ausrufungszeichen vom Autor).

Und wie sah die Praxis aus? Es gab Fälle, in denen man Eltern die provisorische Bescheinigung ausstellte, den Kindern sie aber verweigerte. Das trug sich zum Beispiel in Falkenberg (Niemodlin) zu. In diesem Kreis wurde ein ganzes Dorf ausgesiedelt, ”in welchem nicht polnisch gesprochen wurde" und ins Lager Lamsdorf gebracht, um dadurch in anderen Gegenden psychischen Druck auszuüben und die Antragstellung zu beschleunigen.

Im Kreis Neustadt wurden 60-80% der Anträge abgewiesen. Darauf protestierte der Bund der Polen in Deutschland. Einer der Gemeindevorsteher vermerkte auf Anträgen von Polnischstämmigen mit guten Kenntnissen der polnischen Sprache z. B. ”gebürtiger Deutscher, verhält sich feindlich zu Polen.”

In Kupp (Kup) empörten sich drei alte ehemalige Aufständische, weil sie feststellten, dass Deutsche sich für Polen ausgaben und verifiziert wurden, obwohl sie ehemalige Nazi-Aktivisten waren. Es gibt folgende Aktennotiz: ”Es kam so weit, dass Deutsche laut unter sich sagten, man könne für 5.000 Zloty Pole werden.” In St. Annaberg verifizierte man an einem Tag, dem 19. Juni 1945, 266 Anträge! Die Kreiskommission bezweifelte die Möglichkeit der Bearbeitung einer so großen Anzahl von Anträgen an einem Tag, und dabei blieb es.

In Neudorf (Nowa Wieś) wurden zuerst 900 Personen als nazifreundlich beanstandet. Die Wojewodschaftliche Kommission, die eingreifen musste, verifizierte trotzdem 831 von ihnen.

Bis zum 21. Dezember 1945 wurden 358.961 Personen ”unter die Lupe genommen”. Davon erhielten nur 79.695 Personen positive Bescheinigungen. Der Großteil der Bevölkerung wollte die Verifizierung nicht, und auch nicht an ihr teilnehmen. Die obige Zahl stellte die für die Verifikation Verantwortlichen selbstverständlich nicht zufrieden. Angesichts dessen stellte der Wojewode A. Zawadzki im Januar 1946 fest: ”Wenn es um die Verifikation selbst geht, muss ich feststellen: Obwohl wir am Ende der formellen Seite dieser Aktion sind, bleibt sie noch über eine bestimmte Zeit als Problem der Überprüfung und der Korrektur einer wesentlichen Anzahl bereits erledigter Anträge.”

Um den Widerstand gegen die Verifikation zu brechen, griff man zu radikalen Handlungen. Im September 1945 wurde das Dorf Hammer (Kuźnia Ligocka) bei Friedland (Korfantów) ausgesiedelt. Die Bewohner wurden in das Lager Lamsdorf (Łambinowice) gebracht. Auch diese Maßnahme sollte andere Ortschaften zum schnellen Einreichen der Verifikationsanträge bewegen.

In der Ortschaft Schwinowitz (Świniowice) gab es 173 Personen, die in der Zeit des Plebiszits von 1921 für Polen gestimmt hatten. Sie weigerten sich jetzt, bei der Verifizierung mitzumachen. Frauen argumentierten: ”Wenn mein Mann nach Hause kommt, wird er schon wissen was zu tun ist.”

In der Tragödie Schlesiens wird von Kops über das Jahr 1949 folgendes geschrieben: ”Fünf Bürger, welche die Unterschrift der Deklaration der Treue gegenüber dem polnischen Volk und Staat verweigerten, wurden bis zu ihrer Aussiedlung in einem Arbeitslager untergebracht.”

Es wurden Gerüchte speziell über die Aussiedlung derer verbreitet, die sich nicht der Verifikation unterziehen wollten. In manchen Ortschaften führte man sogar eine Zwangsverifizierung durch. Hier möchte ich klarstellen: Es ging nicht um jene, die die Bedingungen der Kommission nicht erfüllen konnten, sondern um abertausende, die mit der Verifizierung keine Probleme gehabt hätten, sie aber nicht wollten.

Viele jedoch beugten sich dem auf diese Weise ausgeübten übermäßigen politischen Druck. Die Angst vor der Vertreibung aus der Heimat war groß. Man wusste nicht, was den Abtransportierten drohte. Nach den schweren Kriegsjahren wollte jeder leben, nicht nochmals womöglich tödlichen Gefahren ausgesetzt sein, jetzt da der Friede endlich im Land eingekehrt war.

In meinem Heimatdorf Zyrowa sickerte durch, dass die in den Lagern Internierten und auf die Aussiedlung Wartenden von der polnischen Lageraufsicht sehr schlecht behandelt werden. Unweit befand sich das Arbeitslager in Blechhammer (Blachownia Śl.). Es hatte einen sehr üblen Ruf unter den Schlesiern in den Gegenden um Cosel und Groß Strehlitz. Schlimme Gerüchte verbreiteten sich. Man hatte furchtbare Angst, in diesen Lagern zu landen. Viele deutsche Schlesier versuchten plötzlich, Polen zu werden, wenigstens zum Schein.

Einige Bauern aus Zyrowa wurden in die Lager für Auszusiedelnde nach Blottnitz und Groß Strehlitz abtransportiert. Von dort sollten sie in die deutschen Besatzungszonen gebracht werden. Was wunderte war, dass sie alle von den größten und schönsten Höfen kamen. Es ging hier selbstverständlich gar nicht um die Frage der Nationalität, sondern um die Gehöfte, welche polnische Repatriierte aus den Gebieten östlich des Bug erhalten sollten. Von solchen Vorgängen wusste man sehr wohl auch ”oben”, denn auf einer Sitzung des Wojewodschaftsrats im Januar 1946 in Kattowitz sagte A. Zawadzki: »wiederholen sich immer wieder Fälle, dass man die Deutschen nicht dort sucht, wo sie sich tatsächlich befinden, sondern dort, wo es die schöneren Gehöfte oder Wohnungen gibt.« Im Jahre 1946 gab es 12.000 Streitverfahren um Landwirtschaften zwischen der einheimischen Bevölkerung und den polnischen Repatriierten.

Herr Anton Kulosa aus Zyrowa, damals im Alter von 82 Jahren, wurde in das Lager Blottnitz gebracht. Er war einer von den wenigen, denen es zu fliehen gelang. Zu Fuß ging er in Richtung St. Annaberg. In Wyssoka (ab 1933 Hohenkirch, nach 1945 Wysoka) blieb er erschöpft in einem Feld liegen. Dort fand ihn ein ansässiger Müller, der polnischer Oberschlesier war. Herr Kulosa wusste, mit wem er es zu tun bekam, und sagte: »kannst du dich an mir rächen! Wenn du mich auf die Miliz bringst, bekommst du wahrscheinlich auch so eine Medaille, wie ich sie nach dem Aufstand von Gerhart Hauptmann erhalten habe.« Aber der Müller verriet den Mann nicht, sondern schickte im Gegenteil nachts seine Tochter nach Zyrowa, wo Hilfe organisiert wurde.

Wie man hier sehen kann, bildeten die in den Dörfern lebenden Schlesier doch eine Einheit, sie waren trotz der Propaganda keine Feinde. Diese Begebenheit kann als schönstes Beispiel dienen!

Am nächsten Tag wurde nach ihm gefahndet. Er aber war schon nach Deschowitz und später nach Cosel gebracht worden. Über ein Jahr lang hielt er sich versteckt.

Andere, denen es aus dem Groß Strehlitzer Lager zu fliehen gelang, kehrten auf unterschiedliche Weise ins Dorf zurück. Einige eilten sofort nach Hause, was risikoreich war. Andere versteckten sich bei Verwandten oder Bekannten in den umliegenden Dörfern. Einer der Zyrowaner verhielt sich ziemlich ungewöhnlich und wurde belohnt. Auf seinem Hof saß mittlerweile ein repatriierter Pole. Der rechtmäßige Eigentümer aber schlich täglich vor Mitternacht in seinen Stall. Über geheime Durchgänge, welche nur er kannte, gelangte er auf den Dachboden über dem Wohnbereich und fing dort ein Kettenkonzert an, in dem er laut rasselte. Nach Mitternacht verschwand er wieder unerkannt. Dieses geisterhafte Treiben dauerte etwa zwei Wochen. Dann gaben die Nerven der neuen Hausbewohner nach und sie zogen aus. Die rechtmäßigen Eigentümer dagegen hielten ihren Einzug!

Bei der Verifizierung mußten 25 Zloty Gebühren bezahlt werden. Deswegen sprach man von der Staatsbürgerschaft für fünfundzwanzig Zloty.

Der zweite Abschnitt der Verifikation begann. Die hohe Schwelle der Verifikationsbedingungen wurde herabgesetzt. Am 15. Januar und 6. April 1946 wurden die nächsten, leichteren Kriterien im Sinne der Regel ”kein einziger Tropfen polnischen Blutes für Deutschland” veröffentlicht. Das Ministerium für die Neugewonnenen Gebiete erließ am 15. Januar 1946 ein geheimes Rundschreiben, in welchem es sich entschieden gegen die Aussiedlung der deutschen Bevölkerung aus dem Oppelner Schlesien erklärte.

Es wurde eine Kommission für die Kontrolle der Listen von Verifizierten berufen, weil in manchen Fällen ”zu viele verifiziert worden waren”. In anderen aber ”waren viele Polen gar nicht verifiziert”. Bei dieser Kontrolle fand man heraus, dass in Kostenthal (Gościęcin) 60 deutsche Familien als Polen verifiziert worden waren. Solche Fälle stellte man auch im Gebiet um Neisse (300 Person) und im Oppelner Raum (220 Personen) fest. Insgesamt wurden 1062 Personen regelwidrig verifiziert. Es wurde bestätigt, dass bei der Verifizierung ”viele Deutsche durchschlüpften”. Es “bildeten sich aber derart komplizierte Situationen, dass es manchmal schwierig war zu unterscheiden, ob jemand Deutscher oder Pole war”.

Ein gewisser Harry Duda schrieb in der Tageszeitung Trybuna Opolska: ”Sicher konnte dieser oder jener echte Deutsche im Jahre 1945 sein Deutschtum verheimlichen, um in seiner Heimat, auch der seiner Vorfahren, bleiben zu können, weil es ihm einfach leid tat um seinen Hof, um Traditionen, um Erinnerungen und vielleicht auch um die Chance der Verbesserung seiner Lebenslage im (wenigstens formell) polnischen siegreichen Staat. Warteten doch im untergegangenen Deutschen Reich Hunger, Not, Entbehrungen, Demütigungen. Das war eine normale menschliche Reaktion. Verständlich ist auch, dass sich nicht jeder den Polen gegenüber schuldig fühlte. Nicht jeder war auch schuldig. Es gab viele anständige und vorbildliche Deutsche. Und was waren ihre neuesten Erfahrungen: Kollektive Schuld, Entscheidungen der Siegermächte. All das konnte einzelne Gegenwehr wecken, ja sogar tiefsten innerlichen Protest.”

Maksymilian Kośny, Mitglied der ehemaligen Verifikationskommission in Sczedrzik (Szczedrzyk) empörte sich in der Presse über Aussagen einiger Schlesier, die behaupteten, dass es bei der Verifizierung unterschiedlich zuging. Er dagegen war der Meinung, sie wäre gesetzmäßig durchgeführt worden, ohne Unklarheiten, Bestechungen usw. Obwohl er zugab, der Sicherheitsdienst (UB) hätte einige Landwirte aus Chrosczütz7 ausgesiedelt, obwohl sie als Polen verifiziert waren. Und er fügte hinzu: ”Auch in der Umgebung gab es solche Fälle.”

Ich denke, nach der Lektüre dieses Kapitels wird der Leser die Geschichte der Verifikation mit anderen Augen betrachten! Ich habe Tatsachen und nur Tatsachen angeführt und die sprechen Bände.

Auch die Zahlen der im Oppelner Gebiet Verifizierten sind erhellend. Wenn wir die geschätzten Angaben vom 17. Mai 1939 für die im Oppelner Land lebenden Polen in Betracht ziehen und davon mindestens 50.000 im Krieg gebliebener abziehen, hat die Verifikation erbracht, dass hier nach 1945 109% Polen lebten, das bedeutet 9% mehr als möglich. In einigen Kreisen werden die Zahlen als unwahrscheinlich angesehen. Zum Beispiel bekannten sich im Kreis Neisse 83,5%, im Kreis Leobschütz 15,4% und im Kreis Grottkau 47,3% mehr Personen zur polnischen Herkunft, als es tatsächlich sein konnten.

Da gab es auch die Kehrseite der Medaille. Viele Polen verifizierte man als Deutsche. Beispielsweise befanden sich im Bunzlauer (Bolesławiec) Lager 1700 Personen, die auf die Abschiebung warteten. Alle erfüllten aber die Bedingungen einer positiven Verifizierung ihrer Nationalität, denn sie waren polnischer Abstammung. ”Die Waggons Nr. 33 und 36 des Transports, welche sich am 28. August 1946 in Bewegung setzten, waren mit Menschen vollgestopfte Lieder auf polnisch sangen. Es war schönes, nicht verunreinigtes Polnisch. Man hatte den Eindruck, da machen polnische Jugendliche einen Ausflug um die Welt zu erleben und nicht, dass sich ein Häuflein Heimatvertriebener auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft befindet.”

Interessant ist folgender Fall. Sechs ehemalige Aufständische aus Lobkowitz9, früher wegen Teilnahme an den Aufständen und der Abstimmungsaktion von den Deutschen misshandelt, reichten keine Anträge auf Verifizierung ein. Das war die Reaktion auf erlebtes Unrecht und mehrmaliges Verdrehen der Wahrheit während der Verifikationszeit im Kreis Neustadt (Prudnik).10 3.000 Personen aus dem Kreis Kreuzburg (Kluczbork), die kein Polnisch sprechen konnten, nahmen an der Verifikation nicht teil. In Gläsen (Klisino) wurde Theodor Cichos positiv verifiziert, also als Pole anerkannt und trotzdem vertrieb man ihn von seinem Hof.

Funktionäre des Polnischen Westbundes schätzten, dass mindestens 77.000 Personen deutscher Herkunft als Polen verifiziert wurden. In ihrem Brief vom 28. Januar 1947 brachten sie es auf den Punkt: ”Die Sache der richtigen Trennung Deutscher von Polen muss weitergeführt werden. Es kann sein, dass sie noch lange dauern wird, vielleicht sogar eine Generation lang.”

Nach Angaben der Oppelner Kurie gab es im März 1946 im Oppelner Schlesien 192.200 Deutsche und 21.088 Personen, deren Anträge auf Verifizierung abgelehnt wurden.

Das Schreiben des Wojewoden Zawadzki vom 17. April 1946 gab die Anweisung, daß ein Deutscher in Schlesien verbleiben dürfe, wenn er eine offizielle Erklärung der Loyalität zum polnischen Staat ablege. Im Herbst 1946 gaben sehr viele ihre provisorischen Bescheinigungen zurück und äußerten den Wunsch zur Ausreise nach Deutschland.

Der Bund der Polen in Deutschland aber unterstrich: ”...In manchen Gebieten haben sich durch die Aktion der Verifizierung deutsche Elemente eingeschmuggelt.” Darauf schrieb das Tageblatt Trybuna Robotnicza vom 25. Januar 1946: ”Es sollen alle deutschen Elemente, die durch das Sieb der Verifikation durchgekommen sind, isoliert und ausgewiesen werden.”

Auf die Frage, ob es in Schlesien noch Deutsche gebe, antwortete man in den Spalten der Wochenzeitung des Bundes Polnischer Aufstandsveteranen Ogniwo in einer Ausgabe aus dem Jahre 1947: ”Leider gibt es sie!”

In seinem Bericht vom August 1946 wütete A. Zawadzki: ”Wenn wir das ganze deutsche Unkraut in Schlesien ausrotten wollen, müssen wir diejenigen Elemente aufmerksam beobachten, die sich hineingeschlichen haben und in unseren Fabriken, Gruben und anderen Betrieben arbeiten (...) Tatsache ist, dass durch das Sieb der Verifikation Feinde des polnischen Volkes, eifrige Soldaten der deutschen Wehrmacht, der SS oder Mitglieder nazistischer Jugendorganisationen durchschlüpften.”

Der Erste Sekretär des Wojewodschaftskomitees der Polnischen Arbeiterpartei in Kattowitz, Edward Ochab, wandte sich in einem geheimen Schreiben vom 2. August 1947 an die Parteikomitees der Städte und Kreise: ”Wir müssen diese Personen aufgreifen, welche sich privat oder öffentlich der deutschen Sprache bedienen. Wir müsse sie als Deutsche aus der polnischen Bevölkerung eliminieren, das heißt, aus dem polnischen Staatsgebiet ausweisen (...). Es müssen auch jene Personen entlarvt werden, die ihr Mitleid gegenüber deutschen Kriegsgefangenen bezeugen und ihnen Unterschlupf und materielle Hilfe gewähren. Man soll sich mit Anzeichen der Sympathie gegenüber Deutschen befassen. Diese Sympathie drückt sich im Gebrauch der deutschen Sprache, dem Lesen deutscher Bücher an öffentlichen Orten, in der Pflege deutscher Soldatengräber, in der Erhaltung deutscher Aufschriften in privaten Wohnungen aus.”

Auf einer Unterredung mit Landräten am 19. Juni 1947 wurde klargestellt: ”Es soll nicht zugelassen werden, dass Frauen ausreisen, um sich mit ihren Männern in Deutschland zu vereinigen. In Ausnahmefällen aber sollte man, wenn möglich, diese Frauen samt Kindern individuell herauslassen.”

„Deutsche erlangten oft die Bestätigung ihres Polentums oder der Verbundenheit mit dem polnischen Volk über Zeugenaussagen von Nachbarn, besonders auf dem Lande war es so. Es gab viele Fälle, da Deutsche die polnische Nationalität ohne Schwierigkeiten erwarben. Hier ging es z. B. um bekannt hochqualifizierte Fachleute oder höher Gebildete aus dem Bereich der Technik. Daher rührten auch Gerüchte, welche sich im Jahre 1946 unter den Deutschen verbreiteten, dass es genüge, die Loyalitätserklärung zu unterschreiben, um die polnische Staatsbürgerschaft zu erwerben (...). Um die polnische Nationalität zu erhalten, fälschte man Dokumente, änderte man Vor- und Zunamen. Wie schon oft gesagt, flüchteten viele nicht. Sie überwanden die Angst vor den Russen und riskierten ihr Leben. Die Liebe zur Heimat gewann die Oberhand. Und jetzt, nachdem das Schlimmste vorüber war, sollte man Schlesien doch verlassen, vertrieben werden! Das war zuviel und weil die einzige Möglichkeit, im Land zu bleiben, der Erwerb der polnischen Staatsbürgerschaft war, beantragte man sie halt. Man wollte unter Verwandten und Bekannten bleiben. Manchmal spielten hier auch materielle, wirtschaftliche Aspekte eine Rolle. Für die Deutschen war die Aussiedlung keine Repatriierung, sondern Vertreibung. Ihre Heimat und ihr Vaterland war eben dieses Land, das sie verlassen sollten.”11

Noch in der damaligen DDR gab Ursula Höntsch zu diesem Thema ein Buch heraus unter dem Titel: Wir, Kinder der Ausgesiedelten, in welchem sie u.a. schreibt: ”Damals habe ich es noch nicht verstanden, welch große Tragödie dies für meinen Vater war, der aufgezwungene Abschied von seiner kleinen Heimat. Dieses überstarke Heimweh brachte ihm auch den Tod (...). Er wusste, die Vertreibung war Resultat des Krieges, war der Preis, welchen Deutsche für den Nationalsozialismus zahlen mussten. Dieses Bewusstsein schützte aber meine Eltern vor langem Leiden nicht.”

Ein anderes Kapitel war die negative Reaktion polnischer Neusiedler aus anderen Teilen Polens auf die Verifikation. Der Coseler Landrat klagte im November 1946 über die feindliche Einstellung der zugezogenen Bevölkerung und besonders der Repatriierten, die in jedem Einheimischen einen Deutschen, ihren Feind sahen. Im Kreis Ratibor verhielt sich ein Teil der neuen polnischen Siedler zur Verifikation negativ. Sie wollten die Verifizierten nicht als vollberechtigte Staatsbürger und Polen anerkennen. Im Kreuzburger Land betrieben die angesiedelten Polen ”eine feindliche Propaganda. Sie verbreiteten Gerüchte, die einheimischen Verifizierten würden sowieso weiterhin als Deutsche angesehen und letztendlich doch ausgesiedelt”. Im Kreis Leobschütz verweigerten polnische Repatriierte den Einheimischen, trotz ihrer Verifizierung, den Zutritt zu ihren eigenen Häusern. Im Kreis Rosenberg (Olesno) stellte man fest, die repatriierten Polen hätten keine gute Einstellung zu den ansässigen Schlesiern ”weil ihnen ausschließlich am Vermögen der Einheimischen gelegen ist. Die Sache der Nationalität aber oder staatliche Angelegenheiten waren für sie unwichtig”.12 Im Bericht einer Verifikationskontrolle im Kreis Neustadt (Prudnik) für die Zeit vom 1.-15. Mai 1946 ist zu lesen: ”Nicht selten gibt es Fälle, dass ein repatriierter Pole einem Einheimischen mit Totschlag drohte, sollte sich dieser verifizieren lassen. Solche Fakten haben sich in Zülz (Biała Prudnicka) zugetragen.”

Die Warschauer Zeitung Poprostu schrieb: ”Gleichzeitig mit den rechtmäßigen Regierungsvertretern, welche die Verwaltung des vom Krieg heimgesuchten Landes übernahmen, kam eine Horde von Dieben, Opportunisten und Spekulanten. Den Schlesiern wurden Möbel geraubt, Ringe wurden von den Fingern gezogen, Häuser und Gärten besetzt.” Die Zeitschrift Nowa Kultura schrieb zu diesem Thema über die damalige Zeit: ”Ein Epos des Wahnsinns und der Vergehen.”

Wie schon gesagt, wurde die Aktion der Verifizierung im Jahre 1946 beendet. Diejenigen, welche bisher nicht verifiziert wurden, weil ihr Antrag abgelehnt worden war, konnten eine Revision beantragen und auf eine Änderung des ersten Entscheids hoffen. Die Staatsbürgerschaft konnte man auch erwerben, wenn man einen ständigen Wohnsitz hatte und die Loyalität gegenüber dem polnischen Staat garantierte.13 Wohlgemerkt: Diese Möglichkeit bestand in der zweiten, späteren Phase der Verifikation, als die Bedingungen durch neue Verordnungen erleichtert wurden.

Die nationale Verifikation wurde in allen neuen polnischen Westgebieten um die Mitte des Jahres 1949 mit der automatischen Verleihung der polnischen Staatsbürgerschaft an alle, die bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht nach Deutschland ausgereist waren, erteilt. Die Verweigerung der Ausreise wurde als Beweis des Polentums aufgenommen, ohne die Motive der Betroffenen zu ergründen. Auch hier wendete man die Methode der vollendeten Tatsachen an.

Einige deutsche Frauen erwarben die polnische Staatsbürgerschaft, indem sie Polen heirateten. Nach der neuen Gesetzgebung im Jahre 1951 gaben Frauen nach dem Tode ihrer polnischen Ehemänner freiwillig die erworbene Staatsbürgerschaft zurück.

Noch im Jahre 1950 verweigerte ein wesentlicher Teil von Schlesiern im Kreis Groß Strehlitz die Annahme der Bestätigung der Staatsbürgerschaft und die Erklärung der Treue zum polnischen Volk.

Auf der Grundlage der Verordnung vom 8. Januar 1951 über die gemeinschaftliche Verleihung der polnischen Staatsbürgerschaft wurden alle bisherigen Einschränkungen aufgehoben. Alle Personen, die früher die deutsche Staatsbürgerschaft besaßen, gleich ob sie deutscher oder polnischer Abstammung waren, polnisch oder deutsch sprachen, konnten polnische Identitätsausweise erhalten. Auf Grund dieser Verfügungen versuchte man diejenigen, die noch nicht ausgesiedelt worden waren, zum Verbleiben im Land zu bewegen. Oft wurde hier Gewalt angewendet. Mit Nötigung, Erpressung und letztendlich Prügeln zwang man die Betroffenen, die entsprechenden Dokumente zu unterschreiben.

Eine Zeugin der damaligen Geschehnisse schrieb an ihre Verwandten in Deutschland: ”Mehrere Male wurde ich einzeln verhört. Auf immer ein und dieselben Fragen erklärte ich: »Mein Gewissen erlaubt es mir nicht. Ich war Deutsche, als es mir gut ging und will es auch in schweren Zeiten bleiben, auch wenn es das Leben kosten sollte«. Dafür bekam ich Ohrfeigen. Herr Weber, ein polnischer Beamter, begann mir zu drohen: »Sie müssen das als Polin unterschreiben, das ist Befehl«. Darauf ich: »Sie stellen mir eine Frage, die ich mit ja oder nein beantworten soll. Ich kann sie aber nicht mit ja beantworten und will alles ertragen, was damit verbunden ist«. Wieder wurde ich geohrfeigt. Dann schoben sie mir ein Liederbuch zu: Ob ich das lesen könne? Ich verneinte, weil ich überhaupt nicht polnisch lesen konnte. Wieder Schläge ins Gesicht, mit den Worten: »Hier ist Polen! Hier ist Polen!« Als ich mich auch jetzt nicht erklärte, schrien sie, ich soll den Mantel und die Oberbekleidung ausziehen, während der ”Herr” die Tür schloß. Dann musste ich mich über einen Stuhl bücken und wurde mit Gummiknüppeln geschlagen. In den Pausen fragten sie höhnisch, ob es weh tue. Ich presste aber die Zähne zusammen und gab keinen Laut von mir. Im Zimmer waren noch zwei Beamte, alle in Zivil. Einer saß mir gegenüber und beobachtete den ganzen Vorgang mit spöttischem Lächeln.”

Ein anderer Zeuge sagte folgendes aus: ”Sie führten mich in den dritten Stock und forderten mich auf, den Pelz auszuziehen. Ich weigerte mich. Sie waren zu viert! Von allen Seiten bekam ich starke Schläge auf den Kopf. Sie zogen mir den Pelz aus und schlugen mich mit Gummiknüppeln. Danach entblößten sie meinen Oberkörper und schlugen jetzt auf meinen nackten Körper ein, besonders auf die linke Seite, die Herzseite, so dass ich heute noch in der Rippengegend Schmerzen habe. Darauf verlor ich das Bewusstsein. Als ich aus der Ohnmacht erwachte, fragten sie, ob ich jetzt unterschreibe. Dann bekam ich von zweien Schläge auf die Fußsohlen. Mit einem Taschentuch stopfte man mir den Mund zu. Ich sagte dann, sie sollen mich lieber totschlagen. Sie brachten einen Strick, legten ihn mir um den Hals. Ich sollte mich selbst erhängen. Ich wurde auf den Stuhl gestoßen und wurde so zum Unterschreiben gezwungen. Alles schmerzte fürchterlich.”

Für die Schlesier waren das schwerste Zeiten. Deswegen sagten viele, jetzt müssen wir halt Polen werden. Sie taten was befohlen wurde, denn sie wollten ja leben. Kinder mussten zur Schule geschickt werden, in die Lehre. Man konnte sich nicht gegen die polnische Übermachstellen, denn dann drohten schmerzliche Konsequenzen. Herr Marek schreibt: ”Warum haben sich die zum Deutschtum Bekennenden nicht schon 1956 organisiert?” Eine derartige Frage kann nur ein Dilettant stellen. Kann er sich nicht vorstellen, was dann passiert wäre, dass Verfolgungen, Misshandlungen und Liquidierungen die Folge gewesen wären? Oder sagt er das, weil man diese Torturen den deutschen Schlesiern eigentlich gönnt? Ich nehme an, ein solches Vergehen der deutschen Minderheit wäre als Hochverrat geahndet worden! Es genügte doch nur, deutsch zu sprechen, und schon erhielt man eine Geldstrafe, Prügel mit Gummiknüppeln oder ein Gerichtsverfahren, worüber ich an anderer Stelle schreibe.

Die Wojewodschaftskommitees der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei, PVAP (PZPR) in Oppeln und Kattowitz veröffentlichten am 9. Juni 1989 eine Erklärung, in welcher wir u.a. lesen: ”...die zeitweise falsche Einstellung der polnischen Behörden und der zugewanderten Polen zu den Schlesiern und die unvollständige Integrierung in der polnischen Gesellschaft (wohlgemerkt zu allen, auch den polnischstämmigen - Anm. des Verf.) ... Das in der polnischen Bevölkerung funktionierende negative Stereotyp des Schlesiers als nicht vollwertigem Polen, moralisch zweideutig ... In der Nachkriegszeit trug Schlesien wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung Polens bei. Nur ein kleiner Teil des erwirtschafteten Einkommens wurde für den Lebensbedarf der hiesigen Bevölkerung verwendet. Dies führte zu der Situation, dass die Absicherungsstufe des Lebensstandards der Schlesier im Vergleich zu den Bewohnern der übrigen Landesteile wesentlich niedriger war, und das auf allen entscheidenden Gebieten. Die Gewinne waren das Resultat des Arbeitseinsatzes und der Kompetenz der schlesischen Bevölkerung, anders gesagt das Resultat von Ausbeutung. Je höher die Produktivität, desto größer also die Ausbeutung, die Abgaben an den Staat. Zum Leben brauchte man ohnehin nicht viel, jedenfalls nicht mehr als davor.

Obwohl bereits über 50 Jahre seit Kriegsende vergangen sind, ist die Integration der Einheimischen der Wojewodschaften Oppeln und Kattowitz in den polnischen Staat immer noch ein sozialpolitisches Problem. Die einheimische Bevölkerung ist sich nicht in vollem Maße ihrer Identität bewußt. Anders als die übrigen Bevölkerungsgruppen spürt sie den Mangel an Möglichkeiten der effektiven Einflußnahme auf die Veränderung der bisherigen Lebensbedingungen. Dies erweckt die Notwendigkeit einer erneuten Analyse der Politik der polnischen Staatsgewalt nach 1945 den Schlesiern gegenüber. Man sollte sich Gedanken machen über den Inhalt ihrer regionalen Eigentümlichkeit und die Art und Weise ihrer Pflege ... Wenn wir über diese Erscheinungen sprechen, stellen wir fest, dass im ersten Jahrzehnt nach dem Krieg die Autochtonen aus moralischer Sicht als minderwertig eingestuft waren und als Polen zweiter Klasse verschiedenen Schikanen und Einschränkungen, so im Bereich der Verwaltung, ausgesetzt waren. Es soll das wirkliche Bild des Schlesiers in der Gesamtheit der polnischen Gesellschaft gezeigt werden.”

Soweit die PVAP (PZPR) kurz vor ihrer Auflösung. Zwar etwas spät für eine Selbstgeißelung, aber da steckt schon ein Stück Wahrheit in dieser Erklärung. Schade nur, dass man diese Wahrheit nicht 40 Jahre früher bekannt gab!

Nina Kracher, Journalistin des Oppelner Tageblatts Trybuna Opolska, die nur veröffentlichte, was sich die Partei wünschte, erhielt viele Briefe von sehr unzufriedenen Schlesiern. Oft nannte man sie einen Lakaien der Kommunisten. Nach dem Sturz des kommunistischen Regimes schrieb sie in einem Artikel: ”...der Leiter einer Institution aus der Umgebung von Oberglogau (Głogowek) lobte sich, er werde die »Schwaben« (Schimpfwort in Polen für Deutsche) los, indem er ihnen keine Bezugscheine für Traktoren zuteilt.” Der ”Schwabe” reiste aus, aber seine Villa blieb, auch das dazugehörige Grundstück und Ackerland. Es sprach sich herum, wie man die Deutschen los wird, wie man zu einer Villa umsonst kommt.

In der Trybuna Opolska berichtete man darüber, wie nach dem Krieg die Schuhfabrik in Ottmuth (Otmęt) und die Kokerei in Deschowitz (Zdzieszowice) gebaut wurden. Darauf antwortete ein Gogoliner, Herr Kipka, der Redaktion anonym, das sei unwahr, denn beide Betriebe hätten schon vor dem Krieg existiert. Der polnische Sicherheitsdienst gab sich die Mühe, dem ”geheimnisvollen Korrespondenten” mit Hilfe eines Graphologen auf die Spur zu kommen. Er wurde zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt.

Dr. Danuta Berlinska, Soziologin am Soziologischen Institut, sagte in einem Interview für die Trybuna Opolska 18: ”Also, im Jahre 1945 hatten wir folgende Situation: Das Polentum der Schlesier war ein gewohnheitliches. Nicht alle Schlesier waren davon überzeugt, zum polnischen Volk zu gehören. Das war der Ausgangspunkt.

Als aus verschiedenen Gebieten Zuwanderer ins Oppelner Land kamen, erwies es sich, dass das sittliche Polentum der Schlesier nicht polnisch genug war. Die Verhaltensweisen der ”Neuen” unterschieden sich wesentlich von den Sitten der Schlesier. Trotz allem begegneten sich beide Gruppen mit Verständnis. Trotz wirtschaftlicher Konkurrenz z. B. gab es in Schlesien keine gravierenden Konflikte zwischen Einheimischen und polnischen Repatriierten. Bei den Kontakten mit Ostoberschlesiern, die als Vertreter der Staatsgewalt ins Land kamen, blieb ein Gefühl der Benachteiligung. Die Entscheidungen der Behörden wurden in der Anfangszeit negativ aufgenommen. Es gab viele Fälle von Schikane und Unterdrückung, die den Schlesiern in Erinnerung blieben. Diese Erfahrungen werden an die nächsten Generationen weitergegeben. Dagegen ist die Bildung eines nationalen Bewusstseins, besonders hier im Grenzland, ein komplizierter Prozess ...Einer der Befragten antwortete, im Jargon, in folgender Weise: »Da bin ich deutscher Schlesier, dann Pole. Als Pole möchte ich nicht sein«. Also, wenn er schon irgendwo dazu gehören soll, dann erklärt er sich als einen deutschen Schlesier. Wichtig ist jedoch der zweite Teil dieser Aussage: Er wolle nicht Pole sein, und das aus dem Grund, weil sich für den Schlesier das Polentum nach 50 Jahren mit einer ganzen Reihe von negativen Erfahrungen verknüpft. Eine der hauptsächlichen Erfahrungen ist, dass sie viele eigene traditionelle, kulturelle Muster nicht realisieren durften und auch weiterhin nicht können ...Außerdem spüren sie das stete Absinken der Lebensqualität, im Vergleich zu deutschen Zeiten, sehr. Die Einwohner erinnern sich sehr wohl, wie ihr Dorf vor dem Krieg ausgesehen hat. Daß es hier 10 Handwerksbetriebe, 5 Läden, 2 Gasthäuser gab und dann noch die Post und das Telegraphenamt, die Schule, den Bürgermeister, der vor Ort die meisten Angelegenheiten erledigte. Und jetzt haben sie einen schwach versorgten Laden und eine verkommene Tischlerei. Wie man einst auf solch einem Dorf lebte, haben mittlerweile auch schon die polnischen Zuwanderer mitbekommen.

Die Schlesier ...überzeugten sich, dass die Polen nicht wirtschaften können und wollen. Dieses negative Stereotyp, lanciert durch die deutsche Propaganda, wurde nach dem Krieg aufs neue bestätigt. Meiner Ansicht nach war dies der eigentliche Faktor, der die Schlesier von der Identifizierung mit dem Polentum abgehalten hat. Der zweite Faktor war die Schwäche der Dorfschulen mit wenig qualifizierten Lehrern, die oft über die komplizierten historischen Schicksale der Schlesier schlecht informiert waren. Sie unterdrückten den oberschlesischen Dialekt und schikanierten die Schüler, welche ihn sprachen. Das sind Faktoren, welche entschieden, dass die Schlesier keine Chancen hatten, sich mit der polnischen nationalen Kultur vertraut zu machen.”

Wenn mit dem Vorschlag, die deutsche Minderheit solle sich organisieren, jemand von außerhalb Schlesiens gekommen wäre, der die hiesige Realität nicht kennen kann, hätte ich versucht, ihn aufzuklären. Aber wenn sich dafür jemand ausspricht, der sich Schlesier nennt, und dazu noch ein Wissenschaftler ist, der alles Unrecht gesehen und miterlebt hat, frage ich mich, wozu dieser Unsinn? Aber vielleicht hat derjenige die ganze Zeit verschlafen und ist jetzt in der Demokratie erwacht, und hat sich gefragt, warum es nicht so wie früher ist.

Die einfachste und beste Antwort auf diese Frage gaben Wissenschaftler, die (ohne Herrn Marek zu fragen, obwohl er nach eigener Meinung das Recht hat ”im Namen der Oberschlesier zu sprechen”) feststellten, daß es in Oberschlesien Deutsche gibt. Herr Marek gehört zur Redaktion der Vierteljahresschrift Kwartalnik Opolski, welche bereits mehrere Artikel gedruckt hat, die viel Wahres über die Nachkriegszeit beinhalten. Das ist mir schwer verständlich. Sollte er nicht lesen, was in Druck gegeben wird? Oder geht es nur um das Honorar für die Redaktionssitzungen?

Jetzt, in der Demokratie, wissen die Staatsbürger, dass in Polen 300-500.000 Deutsche, 250-300.000 Ukrainer, 400.000 Weißrussen, 30.000 Litauer und 25-30.000 Tschechen und Slowaken leben. Es gibt noch das kleine Volk der Lemken (Łemkowie). In Nordostpolen leben etwa 200 Karaimen, die im Jahre 1397 durch den litauischen Großherzog von der Krim ins Land geholt wurden. Endlich ist bekannt, dass es ethnische Minderheiten in Polen gibt, die auch anerkannt sind. All das war anfangs neu und weckte Emotionen, aber mit der Zeit wurde es Normalität, Alltag.

Wäre gleich nach dem Krieg in Polen die Demokratie eingekehrt, alle deutsch-polnischen nationalen Probleme wären längst geklärt. Über Jahrzehnte redete man uns, den Schülern der ”polnischen demokratischen Schule”, ein: Unser Feind ist der Deutsche. Diesen Hass versuchen auch Herr Marek und der Oppelner Kalender heute noch weiter zu schüren, im Sinne des Sprichworts: So lange die Welt besteht war der Deutsche dem Polen nie Bruder. Das ist meines Erachtens Unsinn. Polen und Deutschland sind seit eh und je Nachbarländer. In tausend Jahren kann immer etwas passieren, obwohl es das nicht sollte. Ließe man den II. Weltkrieg, den schlimmsten aller Kriege, außer Betracht, die deutsch-polnischen Missverständnisse hätten ein viel geringeres Ausmaß.

Vor allem sollte man die Ursachen auf beiden Seiten sehen. Als Staat wandelte Polen nicht immer in einer Aureole. Auch seitens Polens gab es Drohungen, Überfälle, Kriege gegen Deutschland, die von polnischer Erde ausgegangen sind. Nicht nur Deutsche haben angefangen, sondern auch Polen (siehe Boleslaw Chrobry oder J. Pilsudski, der nach dem 1. Weltkrieg das geschwächte Deutschland angreifen wollte, nur für diesen mutwilligen Plan keine Verbündeten fand. Der polnische Aufstand in Schlesien wurde durch die polnische Armee vorbereitet. Bekannt ist, dass zur Zeit des kommunistischen Systems Deutschland der einzige Feind Polens war. Das ist verständlich, denn nach all den schlimmen, unmenschlichen Geschehnissen des 2. Weltkrieges kann man grollen, Forderungen stellen, zutiefst hassen, aber ich denke, man sollte dies nicht auf alle Deutschen beziehen. Nicht alle ließen sich von Hitlers Propaganda verhexen. Es gab auch bessere, gute Deutsche, solche, die nicht davor zurückschreckten, ihr Leben für Gerechtigkeit und Menschlichkeit zu riskieren. Es gab solche, die versuchten, Polen und Juden zu schützen und vor dem Verderb zu bewahren.

Ja, auch solche gab es! Trotz Todesgefahr halfen sie Polen. Dafür gibt es Beweise. Es gab Deutsche, die Hitler umbringen wollten. Da war zum Beispiel die bekannte niederschlesische Verschwörung in Kreisau bei Schweidnitz, der sogenannte ”Kreisauer Kreis”. Deutsche und Polen kennen diesen Ort aus einer Fernsehübertragung vom 12. November 1989, als sich nach einer Gedenkfeier zu Ehren mutiger Deutscher der damalige deutsche Bundeskanzler H. Kohl und der polnische Ministerpräsident T. Mazowiecki (ein Untergrundskämpfer gegen das kommunistische Regime in Polen) umarmten. Es war die Stunde der Wahrheit. Die Zeit der Aufklärung war für Polen angebrochen. Plötzlich erfuhren die Polen, dass man aussiedelte, Vertreibung praktizierte. Aus dem bisher deutschen Osten wurden bekanntlich etwa 14 Millionen Deutsche aus ihrer Heimat vertrieben. Wo gab es Vergleichbares? Während der Flucht, der Vertreibung und später kamen extra die 2 Millionen auf klägliche Weise um. Ein Teil erfror unterwegs, andere verhungerten, erlagen Krankheiten, wurden vergewaltigt, erschossen.

Der Ort der Aussöhnung wurde nicht zufällig gewählt. Helmuth James Graf von Moltke, der Eigentümer des Rittergutes Kreisau, war der geistige Anführer des Widerstands im Dritten Reich. Aus dem Zirkel der Kreisauer Verschwörer stammten die meisten Teilnehmer des Attentats auf A. Hitler vom 20. Juli 1944. Nach dem misslungenen Anschlag wurde Graf Moltke am 23. Januar 1945 in Berlin hingerichtet.

Prof. Krzysztof Skubiszewski schrieb in seinem Buch Die Übersiedlung der Deutschen nach dem 2. Weltkrieg: “Bereits vor dem Abschluß der Potsdamer Konferenz wurden 400.000 Deutsche aus Polen ausgesiedelt.” Zu diesem Zeitpunkt war er der Meinung, Polen hätte richtig gehandelt. Erst im Herbst 1990, schon als Außenminister der neuen polnischen Regierung von T. Mazowiecki, gab er zu, dass die Vertreibung ein Unrecht war.

Die stets gleichbleibende Entschuldigung, die Verbündeten hätten die Aussiedlung angeordnet, entzieht sich aller Kritik, denn die Polen haben darüber selbst in Juni 1945 entschieden (siehe Skubiszewski). Darüber hinaus waren sie die Vollstrecker dessen, was andere im August 1945 teilweise beschlossen hatten. Die Verwirklichung dieser Beschlüsse selbst war aber oft unmenschlich.

”Denn polnisches Verschulden nach dem II. Weltkrieg Deutschen gegenüber ist auch eindeutig. Man sollte sich nicht damit rechtfertigen, man hätte doch den Krieg nicht angefangen”, schreibt erst nach 1989 J. G. Görlich im Kattowitzer Tageblatt Dziennik Zachodni .

Eben ist ein zweisprachiges Buch, Powiedzieć sobie wszystko (Sich alles sagen), von J.J. Lipski erschienen, in welchem u.a. über das Thema der Vertreibung folgendes steht: ”Das Prinzip der kollektiven, geschichtlichen Verantwortung muss als moralisch-strafrechtliche Regel zurückgewiesen werden. Ich denke, jene, die die Erfahrung des Verlustes des Elternhauses gemacht haben, verdienen wenigstens eine gewisse moralische Satisfaktion und auch Verständnis, dass sie von der Rückkehr nach Breslau oder Stettin träumen, so wie viele Polen von der Rückkehr nach Wilna oder Lemberg auch träumen. Eine solche Einstellung ist aber dem Großteil der Polen fremd. Dies erklärt sich mit dem Bewußtsein doch ungleicher Schuldigkeit und im Resultat auch damit, wie leicht man vergisst, dass eine wesentlich kleinere Schuld auch eine Schuld ist. Daher denken Polen auch nicht darüber nach, weshalb die Polnische Bischofskonferenz vor etwa dreißig Jahren jene Worte an die Deutschen richtete: »vergeben und bitten um Vergebung«. Und vor einigen Jahren schrieb derselbe J.J. Lipski: ”Uns angetanes Böses, auch das schlimmste, ist keine und kann keine Entschuldigung dieses Bösen sein, das wir selbst zugefügt haben. Die Aussiedlung vieler Menschen von Haus und Hof kann im besten Falle ein kleineres Übel, aber nie eine gute Tat sein.”

Stanislaw Bieniasz schrieb (Monatszeitschrift ŚLĄSK 1996, Nr.6) zum Thema der Vertreibung der Deutschen aus Schlesien: ”Oft war ein gut erhaltener Hof, auf den ein Milizionär oder jemand vom Sicherheitsdienst ein Auge geworfen hatte, Grund zur Aussiedlung der Eigentümer unter dem Vorwand der »Zugehörigkeit zum deutschen Volk«. Diese Methode wurde sogar noch in den siebziger Jahren praktiziert, besonders im Oppelner Land (...). Ein Teil von ihnen wurde, vor der Abschiebung in den Westen, in Lager wie zum Beispiel Lamsdorf (Łambinowice) gesperrt. An solchen Orten herrschten unmenschliche Bedingungen. Eine hohe Sterberate war Resultat sehr schlechter sanitärer Verhältnisse, unzureichender Verpflegungssätze und das gänzliche Fehlen von medizinischer Betreuung. Auf die Schikanen, Handgreiflichkeiten seitens der Lageraufsicht, die bis zu Todesfällen führten, will ich im einzelnen erst gar nicht eingehen.

Bedingungen und Klima, in welchem die Aktion der Westverschiebung Polens erfolgte, waren weit von der Normalität entfernt. Oft kam es vor, dass »alle deutschen« (originale Schreibweise mit kleinem “d”, in den damaligen Bekanntmachungen. So wollte man die Deutschen demütigen) eine oder zwei Stunden Zeit hatten, um ihr Handgepäck von bis zu 20 kg pro Kopf zusammenzupacken. Danach wurden sie stundenlang, und in manchen Fällen tagelang, auf Sammelplätzen zurückgehalten. Bei jedem Versuch sich zu entfernen drohte das Standgericht. Der Abtransport erfolgte selbstverständlich unter Bedingungen, die der Menschlichkeit spotteten (...). Aus den Westgebieten vertrieben wir die »Hitlerischen Schwaben« (Schwabe, abwertend, Deutscher). Sie hatten aber mit Hitler nichts Gemeinsames und manchmal auch wenig mit Deutschen.

Die Vertreibung Deutscher aus Pommern, Ostpreußen, Schlesien usw. war für die Betroffenen dieselbe Tragödie, wie es die Repatriierung aus Lemberg und Wilna für die Polen war. In beiden Fällen war dies eine Tragödie für Menschen, die plötzlich, ohne persönliches Verschulden, zu Opfern der großen Politik wurden. Das waren verzweifelte, moralisch und materiell niedergeschmetterte Lebewesen, denen jegliches Sicherheitsgefühl genommen wurde, wie auch die über Generationen aufgebauten Grundlagen ihrer Existenz. Sie wurden als fremdes und feindliches Element aus ihren Häusern und von ihren Höfen vertrieben. Ihre Tragödien waren also nicht nur materiellen sondern auch seelischen Ausmaßes. Man hat sie entwurzelt. All das tat man mit ihnen angeblich im Namen des Patriotismus und der Staatsräson.

Ich schreibe darüber, weil man in der Publizistik und sogar der Geschichtsschreibung der frühen Nachkriegszeit sehr oft Erörterungen findet, welche mit einem Maßstab das messen, was die Polen den Deutschen antaten und mit einem anderen das, was die Deutschen den Polen zuzufügten. Man kann selbstverständlich die verschiedenen Beweggründe der Rache verstehen, besonders kurz nach dem Krieg. Man sollte sich jedoch entsinnen: Kein Volk ist klein oder groß dadurch, was seine Vorfahren in seinem Namen geschaffen haben, sondern dadurch, welche Lehre die heute Lebenden daraus gezogen haben und auch, wie sie das Erbe für die Zukunft anwenden können.”

So viel aus dem ziemlich langen Artikel von Herrn Bieniasz. Gottlob hat Polen schon Publizisten, die mit wachem Auge und fortschrittlichen, unparteiischen Anschauungen entsprechende Schlüsse ziehen können.

Bewerfen wir einen anderen nicht mit Steinen!

Schauen wir auf das polnische Volk. In Polen gab es solche, die wie Judas Verrat übten und auch solche, die Juden Obdach gewährten und sie versteckt hielten. Leider aber gab es auch jene, die Juden auslieferten und auch solche wie im Pogrom von Kielce (4. Juli 1946), die 40 Juden ermordeten und weitere 40 verletzten. Und das ein Jahr nach Kriegsende! Und die jetzige antisemitische Hysterie in Polen? Überall will man Juden sehen, wobei nach offiziellen Quellen heute in Polen lediglich zwischen 5000-10.000 Juden leben20. Die Polen sind nicht schlechter und nicht besser als die Bürger anderer Staaten. Auf beiden Seiten gibt es gute und schlechte Menschen. Die Schlesier, ob deutsche oder polnische, haben den Krieg nicht hervorgerufen. Sie waren nur Werkzeug in den Händen anderer. Es geht darum, dem ganzen Volk endlich die Wahrheit zu sagen. Man sollte keine Demagogie betreiben, nicht über etwas schreiben, was es nicht gab. Man darf keine Tatsachen ändern. Wer das tut, gehört zu den Schlimmsten. Durch Aufstacheln der Bevölkerung versuchen sie die Stabilität zu erschüttern.

Bei der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Vertrags vom 18. November 1970 gab die polnische Seite zu, dass ”bis heute in Polen aus vielerelei Gründen (z. B. Bindung an den Geburtsort) eine gewisse Anzahl eindeutig Deutscher und Personen aus gemischten Familien verblieben sind”.

Die Deutschen sind Nachbarn Polens, und zwischen Nachbarn kommt es irgendwann zu Streitigkeiten. Schwerlich wird Polen Streit mit Portugal oder Malta haben können. Den hat man immer mit den Nachbarn. Die Portugiesen konnten sich über Jahrhunderte nicht mit den Spaniern einigen, Engländer mit Schotten, Griechen mit Türken. Die Welt könnte besser sein, aber sie ist halt so. Hoffen wir, dass die Völker klüger werden und auf unserem blauen Planeten einmal Ruhe einkehrt!

Der Leser wird sich längst ein Bild über die Lage Schlesiens und seiner Bevölkerung nach dem II. Weltkrieg gemacht haben. Es gab also viel Unordnung, Unrichtigkeiten, fehlerhafte Anschauungen und Entscheidungen. Um so mehr wundert mich die Tatsache, dass Prof. Marek konstatierte: "Aus verschiedenen Gründen kann die nachkriegliche Verifikation keine maßgebende Datenquelle sein. Eins ist sicher: Die Verifizierten waren keine Deutschen. Wie denn? Die Verifizierung war schlecht, aber in einer Hinsicht war sie doch gut - die Deutschen wurden nicht verifiziert sondern ausgesiedelt?!

Weiter lese ich: ”Ich kann mit der Behauptung übereinstimmen, dass manche Schlesier sich zum Polentum bekannten, um der Deportation nach Deutschland zu entgehen... Wie denn das? Sie waren keine Deutschen und mussten sich zum Polentum bekennen? Wer waren sie dann? Italiener?

Prof. Marek schreibt weiter: ”Die Durchführung der Verifikation der polnischen Bevölkerung nach der für viele mit tragischen Folgen verbundenen Nazizeit war eine Schandtat, als von den drei der damaligen schlesischen Generationen die älteste nur polnisch sprach und die jüngste nur deutsch.” Es fällt schwer dem Herrn Professor verständlich zu machen, dass in Schlesien auch Deutsche waren und lebten (obwohl er im vorhergehenden Satz indirekt zugab, dass hier Deutsche existierten, denn ”sie bekannten sich zum Polentum, um der Deportation nach Deutschland zu entgehen”). Aber er will das nicht wissen, will es nicht zur Kenntnis nehmen, obwohl es zu diesem Thema viele Publikationen gibt. Obendrein hat er ein paar Nachbarn (wovon er indem Buch Stimme schreibt) in derselben Straße - Deutsche.

Ein wahrlich verwunderlicher, merkwürdiger Gedankengang!

 

(Aus dem Buch: Legenden, Manipulation, Lügen von Ewald Stefan Pollok, zu erwerben in polnischen Buchandlungen oder unter der Tel-Nr. Pl- 077-4845146 oder D- 09745-930184)

 

 

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