Dr. Ewald Stefan Pollok - Polen, ein guter Nachbar?
Unlängst, im September des vergangenen Jahres veröffentlichten wir in unserer Zeitung einen Artikel von Herrn Ewald Stefan Pollok “Polnisch-Deutsche Aussöhnung”, in welchem der Autor Überlegungen anstellt, ob die polnische Seite wirklich eine Aussöhnung anstrebt und wenn ja, nach welchen Grundsätzen. Weitere Überlegungen zu dieser Thematik führt der Autor in diesem Artikel an.
In den letzten acht Jahren haben polnische Politiker vieles unternommen, um zum Thema ”Zentrum gegen die Vertreibung” das zu äussern, was sie als zweckmässig erachten. Das “Zentrum” war in Polen eines der drei Themen, das man aus der Schublade hervorholte, wenn man die Stimmung gegen Deutschland aufheizen wollen.
Von Zeit zu Zeit wird also eines der Probleme vor das öffentliche Forum gezerrt und die antideutsche Trommel geschlagen. Bei dieser Gelegenheit mussten Polen, die keine politischen Interessen hatten, sich kürzere oder längere boshafte Monologe der Politiker anhören: Die da oben sind von ihrer Unfehlbarkeit überzeugt, verübeln den Deutschen, dass sie so etwas wie das “Zentrum gegen Vertreibung” der Welt repräsentieren wollen.
Die polnischen Politiker erwägen nicht, dass dadurch die schwach keimende deutsch-polnische Versöhnung vernichtet wird. Sie erwägen auch nicht, dass die Deutschen den Polen oft nachgegeben und ihnen zugestimmt haben, weil sie sich schuldig an der politischen Tragödie des Krieges fühlen, obwohl nur die Großväter- und Vätergeneration daran beteiligt waren. Und was würde geschehen, wenn die Deutschen, die den Polen bisher wohlgesinnt waren, innen wegen der politischen Beleidigungen den Rücken kehren würden?
Da bliebe Polen, obwohl in Zentrum Europas gelegen, isoliert, denn dieser Staat ist schon mit Russland, Weißrußland, Tschechien, Deutschland und Litauen zerstritten. Man sollte nicht vergessen, dass Deutschland Polen in die NATO und in die Europäische Union geführt hat und dass Deutschland öfters Fehltritte mancher führenden polnischen Politiker auf europäischer Ebene wieder ausgliech. Es scheint, dass die Angelegenheit des “Zentrums” niemals zu einem positiven Ende geführt werden kann.
Polnische Politiker waren bisher überzeugt - ohne die Fakten zu berücksichtigen - dass die Deutschen die Polen unvorteilhaft darstellen wollen und die Untaten der polnischen Behörden entlarven werden. Sie können nicht zulassen, dass die “makellose” polnische Staatsräson mit christlicher Tradition mit Schmutz beworfen wird.
So war es bis jetzt. Plötzlich änderte sich diese Haltung, als Deutschland mit dem Geldsack lockte; die Instandsetzung der Westerplatte versprach und ein polnisches, historisches Museum in Berlin bauen wollte. Wie mit dem Zauberstab berührt verschwand nun von der Tagespolitik das Problem “Zentrum gegen Vertreibung”. Diejenigen, die in Richtung der Odergrenze spuckten, veränderten ihre Meinung. Sie sagten und schrieben: Warum dürfen die Deutschen das nicht? Das ist doch “unsere gemeinsame Geschichte”. Worum ging es also in den letzten acht Jahren? Um politische Angelegenheiten, um historische Mißverständnisse oder um das Geld? Wir sehen - unangenehm ist es mir darauf hinzuweisen - es ging schließlich nur ums Geld. Nicht um gutnachbarliche Beziehungen, sondern um möglichst viele Scheinargumente (Notenargumente).
Hat deshalb Polen, welches nach eigener Meinung, Hüter der Moral ist, das Recht, von den Deutschen eine Bezahlung zu verlangen, dass sie eine Gedenkstätte für die eigenen Angehörigen wollen, die frühere auf den jetzt polnischen Gebieten lebten, die Vertrieben, Gefoltert und getötet wurden. zu verlangen?
Es verbleiben noch zwei wichtige neuralgische Punkte: die Ostsee-Gasleitung und die Preußische Treuhand, wen sich Polen keine weitere Themen Probleme ausdenken und das ist fast sicher, das sie es tun werden.
Ich glaube, dass der Streit um die Gasleitung bald gelöst werden wird. Die deutsche Seite hat schon mehrfach vorgeschlagen, das sich Polen an die Ostseeleitung anschließt. Endlich wollen die polnischen Politiker dieses Angebot gnädig annehmen, obwohl vor Jahren immer gesagt wurde: “wir bekommen ja Gas aus Norwegen”. Beim Anschließen an die Ostseeleitung hätte Polen keine Möglichkeit gehabt Ausflüchte zu suchen und immer neue Forderungen zu stellen. Man wird die Deutschen dazu bringen, entsprechende Gelder an die Polen zu überweisen dafür dass sich Polen an die Leitung anschließt. Die langjährigen Anfeindungen wären bereinigt.
. Eine Transitleitung wäre für Polen lohnender weil diese eine Möglichkeit zu politischem Winkelzügen und Erpressungen böte. Wenn die Deutschen andere Meinungen vertreten würden, hätten die Pollen die Möglichkeit an dem Hahn zu drehen.
Worum geht es eigentlich bei der Ostsee-Gasleitung? Ausschließlich um Geld, um Geld das dann gezahlt wird, wenn die Leitung durch ein Transitland geführt wird. Es handelt sich dabei um grosse Summen und um die kämpft Polen.
Es passt nicht zu sagen, es handle sich um leeres Gerede, deshalb müssen verschiedene Scheinargumente dazu dienen, die Richtigkeit zu “dokumentieren”. Man sollte daran erinnern, dass durch Polen schon die Jamalische Gasleitung führt, an die Polen angeschlossen ist. Von dieser Gasleitung werden für Gelder der Europäischen Union in Polen gebaut: Abzweigungen nach Stettin (29,2 Mill. Euro), Niechorza (9,2 Mill. Euro), Gasmagazin Mogilno (4,6 Mill. Euro), Gashafen Swinemünde (120 Mill. Euro), Gasleitung von Swinemünde nach Stettin (18 Mill. Euro), Danzing (61,6 Mill. Euro), Gasmagazin im Kosowo bei Danzig (21 Mill. Euro), Gasleitung von Wloclawek in Richtung Gdingen (12,8 Mill. Euro), Breslau (47,9 Mill. Euro) Gasmagazin im Wierzchowice bei Breslau (49,5 Mill. Euro), eine Abzweigung von Piotrkow nach Twarog bei Kattowitz (21 Mill. Euro), Abzweigung von Gostynia nach Plonsk (12,8 Mill. Euro), dazu eine Energiebrücke Polen-Litauen (196,6 Mill. Euro) und eine Erdölleitung von Odessa nach Brody-Plock (150 Mill. Euro). Zusammen sind das 745,6 Mill. Euro.
Wie sollte man einem Nachbarn vertrauen, welcher die gute, konstruktive Nachbarschaft ablehnt und alles unternimmt, um mit vielen Nachbarn in Unfrieden zu leben. Es stellt sich so dar, dass Polen kein verlässlicher und angenehmer Partner ist. Drei Notizen aus der polnischen Presse zeigen dies: Präsident Lech Kaczynski sollte der Vermittler zwischen Lettland und Litauen in Grenzangelegenheiten sein. Das Treffen der Präsidenten von Lettland und Polen sollte eine halbe Stunde dauern. Als erster sprach L. Kaczynski. Zwanzig Minuten versuchte er zu überzeugen, dass Lettland Litauen im Grenzstreit nachgeben müsse.
Die Präsidentin Vike-Freiberg war verärgert. Nach zwanzig Minuten kam sie zu Wort und versuchte das Thema zu wechseln. “Herr Präsident, seit zwanzig Minuten sprechen Sie über lettisch-litauische Beziehungen. Vielleicht nutzen wir die verbleibenden zehn Minuten, um über polnisch-littauische Beziehungen zu sprechen?” schlug sie vor.
Lech Kaczynski verärgert: “Eine Präsidentin eines 1,5-Millionen-Staates wird nicht dem Präsidenten eines fast 40-Millionen-Landes die Gesprächsthemen aufzwingen.”
Nach diesen Worten verließ er den Raum.
Das zweite Beispiel war die Situation, die während des EG-Gipfels in Brüssel entstanden war, als es nicht möglich war mit Lech Kaczynski positive Verhandlungen zu führen. Damit die Gespräche nicht scheiterten und Polen von den Beratungen ausgeschlossen wurde, rief der französische Präsident, der luxemburgische Premier und die damalige Vorsitzende der EG Kanzlerin A. Merkel, aus einem Nebenzimmer den polnischen Premier Jaroslaw Kaczynski an. Mit ihm wurden die weiteren Verhandlungen geführt.
Aus der Presse erfahren wir weitere Entgleisungen: Der Vorfall ereignete sich in Kroatien nach dem Absturz des polnischen Militärflugzeuges CASA, bei dem mehrere Soldaten verstarben. Beim Abflug von einem Besuch in Zagreb verabschiedete sich der polnische Präsident von niemandem. Er übersah die am Flugplatz anwesenden Würdenträger. In einer vorher abgehaltenen Pressekonferenz gab er bekannt, man wiese nicht warum, Kroatien im Jahre 2011 in die EU aufgenommen wird, obwohl der Beitrittstermin noch gar nicht festgelegt wurde.
Wie soll Polen ernstgenommen werden? Wie soll man dem glauben, was in polnischen politischen Gremien ausgebrütet wird? Man muss fast Angst vor weiteren Überraschungen haben..