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Gute Nachbarn weichen offenen Fragen nicht aus

 

Dialog zwischen Bayern, Tschechien und den Sudetendeutschen in einem Europa der Werte gestalten

„Aufbauleistung der Heimatvertriebenen ist Vorbild und Ansporn für heute“

Bei seiner Rede auf dem Sudetendeutschen Tag in Augsburg am Pfingstsonntag hat sich Ministerpräsident Horst Seehofer zu einem gutnachbarschaftlichen Dialog zwischen Bayern, Tschechien und den Sudetendeutschen bekannt. Zugleich bekräftigte er, dass eine gute Nachbarschaft in Europa offenen Fragen nicht ausweichen darf. Seehofer: „Europa ist heute ein Kontinent des Friedens und der Sicherheit, der aus früheren Feinden Freunde und gute Nachbarn gemacht hat. Bayern und Tschechien wollen gute Nachbarn sein. Wir haben ein lebendiges und gutes Verhältnis, von der Wirtschaft bis zum kulturellen Austausch; von Kontakten zwischen Schulen bis zum Miteinander von Kommunen und Vereinen. Unsere Nachbarschaft soll noch enger werden. Und die Sudetendeutschen tragen dazu maßgeblich bei. Sie waren die ersten, die sich um nachhaltige Gespräche mit der tschechischen Gesellschaft bemüht haben. Diese Bemühungen tragen Früchte", so der Ministerpräsident.

Seehofer verwies zugleich auf die offenen Fragen im Verhältnis zu Tschechien. „Wir alle kennen die offenen Fragen im Verhältnis zu Tschechien. Sie stehen auf der Agenda und sie bleiben auf der Agenda, bis sie gelöst sind. Als gute Nachbarn weichen wir ihnen nicht aus. Tschechen ist von 1938 bis 1945 von Deutschen furchtbares Unrecht widerfahren. Aber auch das Gesetz von 1946, das Verbrechen an Deutschen straffrei stellte, und die Beneš-Dekrete zur kollektiven Vertreibung der Deutschen sind Unrecht und können nicht im Raum stehen bleiben. Kollektivschuld und kollektive Bestrafung können nicht Antwort auf vorangegangenes Unrecht sein. Europa ist eine Wertegemeinschaft, und wir beschädigen diese Wertegemeinschaft, wenn wir nicht Unrecht als Unrecht benennen. Darüber müssen wir mit unseren tschechischen Partnern in einem ehrlichen Dialog gemeinsam mit den Sudetendeutschen sprechen. Nur über das Gespräch können wir die offenen Fragen angehen und lösen", so der Ministerpräsident.

Seehofer bekräftigte seine Absicht, im nächsten Jahr Prag zu besuchen. Seehofer: „Wir werden die Sudetendeutschen bei diesem Besuch und seiner Vorbereitung ganz eng einbinden. Und ich stehe zur Aussage in meiner Regierungserklärung, dass ich zusammen mit Repräsentanten der Sudetendeutschen einen neuen Schritt auf unseren Nachbarn Tschechien zugehe".

Als unverzichtbar bezeichnete Seehofer, die Erinnerung an das Schicksal der Heimatvertriebenen auch für die Zukunft wach zu halten. „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft gestalten. Deshalb hat Bayern von Anfang an das Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin unterstützt. Und deshalb wollen wir in Bayern ein zentrales Sudetendeutsches Museum errichten", so Seehofer.

Der Ministerpräsident unterstrich dabei die Bedeutung der Sudetendeutschen beim Wiederaufbau Bayerns nach dem zweiten Weltkrieg: „Trotz schwierigster Ausgangsbedingungen haben die Sudetendeutschen nach 1945 in Bayern angepackt und sich eine neue Heimat geschaffen. Gemeinsam haben Heimatvertriebe und Heimatverbliebene aus einem Trümmerfeld ein friedliches, demokratisches und wirtschaftlich erfolgreiches Land erschaffen. Auf diese Gemeinschaftsleistung dürfen und sollen wir stolz sein. Diese Aufbauleistung ist Vorbild und Ansporn für uns heute, da wir eine nie dagewesene Wirtschafts- und Finanzkrise bewältigen müssen."

Seehofer hat beim diesjährigen Sudetendeutschen Tag zum ersten Mal als Schirmherr der Sudetendeutschen gesprochen. Der bayerische Ministerpräsident übernimmt traditionell dieses Amt. Seehofer. „Ich habe mit großem Ernst, mit Zuversicht, mit tiefer Überzeugung, aber auch mit Freude die Schirmherrschaft über die Sudetendeutschen übernommen. Ich weiß um die Verantwortung, die dieses Amt mit sich bringt. Auf mich können sich die Sudetendeutschen verlassen", so der Ministerpräsident.

 

 

 

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