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In Oppeln mordete man Schlesier

 

Gespräch mit Historikerin Frau Prof. Joanna Rostropowicz.

 Journalistin D. Wodecka-Lasota: Sie wußten als erste von Schlesiern, die im Oppelner Gefängnis ermordet wurden. Wann war das?

Prof. J.Rostropowicz: Darüber ich weiß seit 1970. Niemals aber gelang es mir diese Sache aufzuklären. Das politische Klima lies es nicht zu. Damals war ich für kurze Zeit Büroleiterin der Bezirkskommission für die Erforschung von Naziverbrechen. Ich prüfte Eintragungen in Sterbebücher am Standesamt. Diese betrafen hauptsächlich die Kriegsjahre. Nachdem Oppeln 1945 in russische Hand viel, wurden die Eintragungen fortgesetzt, nur jetzt in polnischer Sprache. Damals stieß ich auf erschreckende Anmerkungen aus den Jahren 1945-1947. Sie betrafen nicht nur Oppelner Stadtbürger, aber auch Dorfbewohnern aus der Umgebung.

Zur Einsichtnahme hatte ich auch das Gefägnisregister in dem sich auch bereits polnische Notizen befanden. Das, was ich dort ab Januar 1945 vorfand begleitet mich auf den heutigen Tag wie ein Alptraum.

Was hat sie erschüttert?

Die Anzahl von Namen. Und Angaben woher die Leute kamen, die Zeit der Einlieferung ins Gefängnis, und gleich in der nächsten Rubrik die Todesnotiz. Es war ersichtlich, dass zur selben Stunde mehrere Personen starben. Mir war es klar was mit ihnen passiert war, obwohl man als Todesursache Herzinfarkt oder Lungenentzündungangabe.

Ich sah auch Gerichtsakten betreffend Todeserklärung, und da fand ich Berichte von Zeugen, die vor Gericht aussagten, dass jemand vom Verhör in die Zelle zurückkehrte, auf die Bank herabsank und starb. Der Leichnam wurde der Familie nicht herausgeben, also versuchte man zu ermitteln ob tatsächlich jemand aus der Verwandtschaft zu Tode kam.

Wer ermordete sie? Die Sowjets oder Funktionäre des Sichercheitsamtes?

Auf den Akten betreffend Todeserklärung befanden sich Stempel des Amts der Öffentlichen Sicherheit.

Wem haben sie von Ihren Entdeckungen erzählt?

Es waren keine Zeiten, in denen man solches Wissen anderen anvertrauen konnte. Selbstverständlich war meine Forscherseele vorerst mit dem zufrieden gestellt, was ich da vorfand. Aber das war so schrecklich, dass als ich darüber meiner Familie erzählte, ich nur hörte” Ruhe, hör auf, wir wollen das nicht wissen”.

Dieses Wissen war unerwünscht. Die so genannte “Volksgewalt” war ausgerichtet solche Fakten geheim zu halten., Ich hatte meinen “Betreuer”, einen Offizier vom Sicherheitsdienst, der sich täglich in meinem Büro aufhielt. Ihn interessierte was ich lese, was ich vorfinde. Es ging ihm darum, dass ich bei Gott, keine Schriftstücke aus der Nachkriegszeit anfasste. Ich sollte mich lediglich auf die Naziverbrechen konzentrieren. Es gelang mir ihn in dieser Überzeugung zu erhalten, bis zudem Tag, als ich besonderes Pech hatte. Auf der Schreibmaschine schrieb ich Namen von Schlesiern um, die in diesem Gefängnis nach dem Krieg umkamen. In diesem Moment kam er herein. Als er die Liste sah, schlug er großen Krach. Er nachm. das Gefägnisregister und brachte es ins Gefängnis zurück. Abgeschrieben hatte ich nur einen Teil der Namen.

Begegneten sie irgendwann jemandem, dessen nahestehende Personen im Oppelner Gefängnis umkamen?

Nein. Sich auf eine solche Suche  zu begeben, war damals sehr gefährlich. Man konnte dabei mit dem Leben bezahlen. Ich bin in Odertal aufgewachsen und kann mich an den schrecklichen Terror und die tägliche Angst, ob meine Mutter aus der Arbeit zurückkommt. Da gibt es auch noch ungeklärte Morde an Schlesiern in den fünfziger Jahren.

Im Jahre 2003 erschien im “Lubowitzer Jahrbuch” ein Artikel zum Thema der Todesfälle in der Jagellonenstraße, welcher Dr. Andrzej Kurek zur Untersuchung dieser Sache animierte. Nach dieser Publikmachung meldete sich auch niemand.

Die Leute fürchten sich über dieses Thema zu sprechen. Nach den entsetzlichen Leiden, die die Schlesier über sich ergehen lassen mussten, haben sie endgültig genug von alldem und winken ab, wenn es um die Vergangenheit geht.

Aber diese Geschichte verlangt Aufklärung.

So denke ich auch, aber die Schlesier sind der Meinung, dass es in der Vergangenheit kein Klima zur Aufklärung dieser Frage gab und auch heute nicht gibt. Sie glauben nicht, dass dies möglich wäre. Und vor allem möchten sie die tragische Vergangenheit vergessen.

(Das Gespräch führte Dorota Wodecka-Lasota aus der “Opolska Gazeta Wyborcza”. Prof. Rostropowicz ist Wissenschaftlerin am Historischen Institut der Universität Oppeln und ist Chefredaktorin der “Lubowitzer Jahrbuschs”.



Kommentare zu diesem Artikel - Komentarze do artykułu



Anzeige: 1 - 3 von 3.

Hartmut Zurek
Dienstag, 26-08-08 18:21   E-Mail

Solche Berichte kommen Jahrzehnte zu spät. Wer an damals errinnert, wird von bestimmten Kreisen, als Störer der sogenannten deutsch-polnische Versöhnung angesehen.

Johann Dembski
Montag, 21-07-08 16:22   E-Mail

Nicht nur in Oppeln mordete die Militz in den 60-70, auch in vielen anderen Staedten waren schlesischen Opfern zu beklagen. Nicht selten waren es Studenten.

Erwin Michalik
Sonntag, 23-09-07 14:21   E-Mail

Gottes Mühlen mahlen
langsam aber sicher.

Endlich kommt die Wahrheit an das Tages Licht.

In heimatlicher Verbundenheit.

Erwin M.

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