Kommentar zur Schmiererei der zweisprachigen Ortstafeln in OS
In Umsetzung des Gesetzes über die Minderheiten wurden am 11. September 2008 in Radlau/Radłowie im Kreise Rosenberg /Olesno, zweisprachige Ortstafeln aufgestellt, die sogleich am 14. September 2008 durch Unbekannte überschmiert und beschädigt worden sind.
Wer gehofft hatte, dass das ehrbare Ziel, das dem Gesetz zu Grunde liegt, nämlich die Errichtung von Friedensbrücken zwischen den Völkern, der musste hier an diesem Beispiel abermals zur Kenntnis nehmen, wie tief weiterhin in Teilen der polnischen Gesellschaft Intoleranz und Rückständigkeit verwurzelt sind.
Steht tatsächlich Polens Mentalität rückständig gegenüber den zeitgemäßen, breit anerkannten Grundprinzipien der Völkerverständigung und wiegt sich beharrlich in der anachronistischen Denkweise des neunzehnten Jahrhunderts?
Europaweit stellen zweisprachige Ortsbeschilderungen keine Besonderheit dar. Man sieht sie im italienischen Südtirol – in italienischer und deutscher Sprache,
in der französischen Bretagne - französisch und bretonisch. Ebenso auf den Alandinseln Inseln – finnisch und schwedisch, in Belgien - flämisch und deutsch, in Deutschland – deutsch und sorbisch, in Litauen – in litauischer und polnischer Sprache, in Tschechien – tschechisch und polnisch u. ä. m.
Der Bürgermeister dieser Gemeinde, Włodzimierz Kierat, (ein Pole, kein Schlesier oder Deutscher!) erklärte dazu: „zunächst werden wir diesen Wandalenakt nicht beseitigen, mögen die Menschen daran erkennen, dass wir noch weit entfernt vom Toleranzverhalten stehen. Sollte das für die Anbringung der Ortstafeln zuständige Unternehmen feststellen, dass die Beseitigung der Schmierereien nicht machbar sein sollte, werden wir eine polizeiliche Anzeige einreichen.“
Europa darf wiederholt die polnische Gesellschaft als anachronistisch, rückständig und xenophobisch etikettieren.
BESCHÄMEND
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Samstag, 15-11-08 05:01
Herr Rebitzky, Sie haben in vielem Recht was Sie sagen. Aber dass die Polen viel weiter sind in Sachen Europa als manche Deutsche, das halt ich für etwas gewagt.
Man muss leider wirklich sagen, dass die Deutschen ihre Verbrechen eingestehen, und die beiden Vertreibungsländern Polen und Tschechien das nicht tun.
Dies soll auch kein "Schuld"-Vorwurf an Polen sein, ich denke viele werden mir zustimmen wenn ich sage: das, was passiert ist 1945, ist schlimm genug. Aber das eigentlich Schlimmere besteht darin, dass damit nicht wahrheitsgemäß, offen und ehrlich umgegangen wird. Ich denke, alle sind sich einig - auch Deutsche - dass die Naziverbrechen sehr schlimm waren , und unentschuldbar. Aber wir müssen uns langsam von der Vorstellung lösen, dass sie die einzigen Verbrechen des 20. Jahrhunderts waren.
Doch ich denke, dass Freundschaft zwischen Polen und Deutschen möglich ist, und auch kommen wird.
Und dass die Schilder überschmiert wurden:Das ist zwar unschön, aber ich bitte Sie: lassen Sie sich davon nicht beeindrucken! Es zeigt eher die Schwäche derjenigen, die es nötig haben zu solchen Mitteln zu greifen. Die zweisprachigen Ortsschilder sind ein enormer Erfolg! Man mag sie beschmieren, man mag sie sogar ausreissen oder zerstören - wir werden am nächsten Tag ein Neues hinstellen! Niemand kann Euch das nehmen, hört ihr? Niemand!
Ja, ich bin für Frieden zwischen Deutschen und Polen und allen Europäern - viel ist erreicht, und mehr wird folgen.
Pozdrowienie!
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Donnerstag, 13-11-08 21:37
E-Mail
First of all I apologize for writing in English. I assume that the participants of this German speaking discussion do not read Polish and I hope that they may be able to read English. My German is between very basic to non-existent. Using it along with the on-line translators I managed to read the posts and find them very encouraging in both their tone and content.
My goal for engaging in discussions on this site is to bridge and eliminate misunderstandings and enmity between Poles and Germans. One way to do this is by getting to know each other and by building mutual trust. Some interlocutors from the past have expressed pre-conceived, negative ideas about either nation. This originates from the difficult history. The baggage of history heavily weighs on their attitudes. Some of them however are willing to risk adopting good will and to learn more about each other, to discover sometimes difficult truths or let the bygones be bygones. Others' approach is to dig in their trenches and fight, right or wrong. Realistically we will never achieve a state of universal consensus and harmony but we must try. I agree with Uwe Rebitzky that we should travel more between Poland and Germany and speak with each other. I have been to Germany many times, both east and west, before and after the unification. I plan to learn German to better understand the country and its people. So far my experiences in Germany are very mixed but mostly good just like any other country.
One more thing. I was born in Poland but I have now lived in USA for almost 30 years. I know that Poles look up to the USA much to the annoyance of some Europeans including some Germans. There are many reasons for this but I want to remind Germans that they once, not too long ago, looked up to America as well. Again, there are many reasons for this. One of them may be that USA has very strong German roots – estimated 17% of the population in this very mixed country is of German descent (the largest single ethnic group). Only about 3% have Polish roots. Many of my friends here are German - some recent immigrants like I, some born here. Some of them, especially those well over 60 years old say that they came here because of the German fascination with America shortly after the war.
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Samstag, 18-10-08 13:28
E-Mail
Hallo liebe polnischen und deutschen Leser.
Gute Bemühungen um den Aufbau einer guten Nachbar- und Partnerschaft werden leider auf beiden Seite torpediert. Ich wollte mit den Polen, die jetzt in meiner schlesischen Heimat wohnen, eine Brücke für die Zukunft bauen und einen Neustart wagen. Ein Gedenkstein mit folgender Inschrift: "Deutsche und Polen haben in der Vergangenheit viel Schuld auf sich geladen und möchten in Zukunft partnerschaftlich und in Frieden leben". Dieser Text wurde vom polnischen Pfarrer abgelehnt, da er der Meinung ist, dass Polen keine Schuld auf sich geldaden haben. Ich war bereit, alle Kosten zu tragen, habe mich aber bei dieser Argumentation zurück gezogen und das Projekt nicht weiter verfolgt. Es gibt schon einige Gedenksteine guten Willens, aber es kommt halt immer auf die Partner an. Nur meine ich nicht, dass die Polen weiter die Deutschen nur als Täter und sich nur als Opfer sehen dürfen. Das ist keine Basis für ein friedliches Zusammenleben in dem vereinten Europa. Die Vertriebenen haben schon lange auf Gewalt verzichtet und die überwiegende Mehrheit auch auf Besitzansprüche. Die Zeit wäre nach meiner Meinung reif, dass die offizielle polnische Regierung sich dazu bekennt, dass die Vertreibung und die Wegnahme der Immobilien und des ganzen Eigentums schon damals keine rechtliche Grundlage hatte und nur aus vielleicht berechtigtem Hasss gegen alles Deutsche und die Deutschen entstand, weil im deutschen Namen den Polen unsagbares Leid zugefügt wurde. Wenigstens nach sechzig Jahren sollten die Polen den Mut haben zu bekennen, dass sie bei der Behandlung der Deutschen nach dem zweiten Weltkrieg sich nicht von christlicher Nächstenliebe leiten ließen. Es spricht nicht von menschlicher Größe, wenn der Anteil an eigener Schuld von den Polen einfach geleugnet wird. Die nachfolgendn Generationen werden hoffentlich ehrlicher miteinander umgehen. Herzliche Grüße allen Wohlmeinenden auf beiden Seiten. Horst Jacobowsky
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Mittwoch, 15-10-08 13:12
E-Mail
Sehr geehrter Herr Moslar,
ich maße mir nicht an zu beurteilen was ein "Durchschnittspole" denkt, das kann nur eine repräsentative Befragung annähernd ergründen, ich kann nur von meinen nicht wenigen Erfahrungen im Rahmen meiner Besuche in Polen eine persönliche Bewertung treffen. Ihre Einflußgrößen teile ich auch, aber ich gehe auch davon aus, dass Sie keine Befragung persönlich ausgeführt haben, sondern von Veröffentlichungen und natürlich auch Ihrer persönlichen Einschätzung ausgehen so wie ich auch.
Mich wundert nicht das die Polen freundlich gegenüber Polen gesinnt sind, sondern es erfreut mich sogar! Dieses mag auch durch Vorteile durch den EU-Beitritt unterstützt werden, nur frage ich Sie was ist daran verwunderlich oder sogar negativ? Die EU dient dazu allen Europäern ein Leben in Frieden und Wohlstand zu ermöglichen. Das bedingt auch die finanzielle Untertützung von wirtschaftlich schwächeren Regionen.
Ich gehe davon aus, dass Sie es nicht gut finden das es in Deutschland noch Vorbehalte gegenüber Polen gibt. Ich finde es auch passender zu sagen, dass es bei manchen keine Vorbehalte sind, sondern Vorurteile. Die meisten Deutschen waren noch nie in Polen und trotzdem haben viele ein fest geprägtes Bild. Wenn man mit diesen dann darüber diskutiert, empfehle ich erst einmal einen persönlichen Besuch in Polen. Dann relativiert sich vieles schnell.
An dem Kommentar von Frau Berger stört mich nur manche Begrifflichkeit und mich interessiert brennend wie oft sie schon in Polen war?
Do widzenia/Cześć
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Freitag, 10-10-08 21:33
E-Mail
"Die Polen sind viel weiter in ihren Gedanken an einer gemeinsamen europäischen Zukunft als manche Deutsche."...
schreiben Sie, Herr Rebitzky.
Dabei begehen Sie einen Fehler. Verallgemeinung einerseits und Individualisierung anderseits. (Alle) Polen sind Europäer, während man dies nur manchen Deutschen bescheinigen kann, so lese ich das.
Da bin ich zwar entgegengesetzter Meinung, aber werde natürlich nicht über Zahlen streiten.
Sie bescheinigen Frau Berger eine "absolut falsche" Gesichtsweise, obwohl in ihrer Darstellung einges Überlegenswertes ist.
Sie begründen Ihre Thesen mit dem einen oder anderen Kontakt zu Polen, besser, zu einigen polnischen Bürgern. Ich glaube kaum, daß Sie die, u.a. durch 45 Jahre kommunistischer Herrschaft geprägte Mentalität eines Durchschnittspolen richtig einschätzen können. Da spielt noch vieles mit: seine Geschichte, sein Nationalstolz, die im Unterbewußtsein vorhandene Demütigung durch den größeren Nachbarn und die Nachwehen des Krieges.
Haben Sie die Stimmung in Polen beobachtet und analysiert - als es um den EU-Beitritt ging? Da kamen all die Vorbehalte zur Sprache, welche heute - aus Ihrer Sicht - den Deutschen angelastet werden...
Und daß heute schon immer mehr Polen der EU gegenüber freundlich gesinnt sind? Wundert Sie das, wenn durch die EU Milliarden ins Land fließen? Die dann aber (in manchen Fällen) nicht der, durch "den Polen" so nahen, Europaidee zugute kommen, sondern den eigentlich mehr geliebten USA?
Es ist gut, daß es diesen durch Sie beschriebenen Trend der Annäherung wenigstens im Ansatz gibt - so wie in Deutschland noch manche Vorbehalte gegenüber Polen.
Wo doch mancher Deutscher sich womöglich vergegenwärtigt, wer 60 Jahre nach dem Krieg, immer wieder den Polen entgegenkommt, ihnen in Anerkennung damaliger Zeiten schon viele Leistungen erbracht hat und heute letztendlich den Löwenanteil der EU-Gelder bereit stellt, welche Polen bekommt.
Glückauf, KM
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Freitag, 10-10-08 09:38
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Sehr geehrte Frau Berger,
vorweg ich glaube Ihre Sichtweise ist absolut falsch. Grundsätzlich ist erst einmal zu sagen das es natürlich bei einigen Polen Vorurteile gegenüber Deutschen gibt, aber ich glaube das mehr Deutsche Vorurteile über Polen haben als umgekehrt. Wer selber mal nach Polen gefahren ist und dieses im Freundes- und Bekanntenkreis erzählt hat wird dieses "live" erlebt haben. Meine Erfahrung bei Besuchen in Polen ist, dass die jungen Polen aber auch viele ältere Polen vollkommen problemlos mit Deutschen umgehen. Es wie immer im Leben eine Frage wie man gegenseitig mit einander umgeht. Den Begriff "deutschen Grund und Boden" finde ich unpassend, weil die Ergebnisse des Krieges für beide Völker äußert bitter und schmerzhaft waren und auch sehr viele Polen Ihren "polnischen Grund und Boden" verloren haben. Eine Angst bei großen Teilen der polnischen Bevölkerung vor den Deutschen die "ihr" Eigentum zurück wollen konnte ich bei meinen Gesprächen nicht erfahren. Die Polen sind viel weiter in ihren Gedanken an einer gemeinsamen europäischen Zukunft als manche Deutsche.
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Freitag, 03-10-08 17:34
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So begrüßenswert die Aufstellung deutscher Schilder in einigen oberschlesischen Gemeinden auch ist, bezweifele ich, daß Polen je zu einer guten Nachbarschaft mit Deutschland fähig ist: Über Generationen sind die Polen von Haß und Neid auf die Deutschen geprägt. Schließlich fühlen sie unterschwellig, daß sie auf deutschem Grund und Boden leben und haben sicher Angst, daß die Deutschen eines Tages ihr Eigentum zurückfordern könnten.
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