Leser schreibt über Polloks Artikel Verifikation
Der Artikel enthält sehr viele Erlebnisse und berichtet von tragischen Schicksalen aus der schlimmsten Periode der Nachkriegszeit, ein Meer von Fakten (fast Ozean!) in welches ich meinen „Allerwertesten“ nicht eintauchen möchte, da ich ja die Fakten sowieso nicht überprüfen kann. Man kann alles für bare Münze nehmen oder nicht daran glauben, das ist das Schöne, wenn man kein Profi ist, welcher immer nach Quellen fragen muss (mehr oder weniger verseuchten). Einige „Perlen“ (Zitate der kommunistischen Prominenten) habe ich mir herausgepickt, und die Erfahrungen meiner Familie eingeflochten.
Malczewski, Mitglied der Kommission : ”Nicht verifiziert wurden nur jene, die keine ursprünglichen polnischen Elemente vorweisen konnten und eine deutsche Psyche besaßen (!?). Wenn dagegen die Elemente erfassbar waren (!?), qualifizierte man die Antragsteller in die Gruppe der Polen.” Starosta opolski: ”Ein besonderes Problem sind die ehemaligen Mitglieder der Nazipartei NSDAP, besonders aber ihre Familien und die weitere Verwandtschaft, die oft eindeutig polnischer Herkunft sind.”
Arka Bożek, der politische schlesische Aktivist auf polnischer Seite, war der Meinung, man solle gewöhnliche Parteigenossen verifizieren.
Meine Mutter hatte wahrscheinlich keine Schwierigkeiten mit der „Sittenkommission“ – ich denke da an die Erfindung aus der Zeit des Kaisers Franz Josef – meine Geschwister lernten zur Not das Vaterunser auf polnisch, ich war zu klein und uninteressant für die polnischen Behörden und wurde vor keine Kommission zitiert. „Zur Strafe“ musste ich nur sofort nach den Sommerferien 1945 in die polnische Schule wo ich aus gutem Grund in eine niedrige Klasse eingestuft wurde (kurz vor 1945 war ich in der Sexta im Gymnasium). Nach einigen Jahren brauchte ich für etwas (wahrscheinlich im Lyzeum?) die ominöse „Provisorische Bestätigung der Polnischen Nationalität“ und es wurde mir ermöglicht 25 Zloty von meinem Taschengeld zu verschwenden. Jahre später, als ich meine neue Muttersprache schon besser kannte, habe ich das Kleingedruckte gelesen - und auch verstanden! Wie perfide die polnischen Behörden es mit uns meinten, geht aus dem letzen Satz hervor. Die Übersetzung sieht etwa so aus: “Diese Bescheinigung hat provisorischen Charakter und kann in jedem Moment widerrufen werden“. Ich war also ethnischer Pole (Nationalität bestätigt) und konnte im x-beliebigen Moment wieder als deutscher Staatsangehöriger Kriegsentschädigung zahlen wie mein Vater. Und das Alles für 25 Zloty! Ein paar Kugeln Eis hätte ich mir dafür kaufen können! Der polnische Staat hätte aber keinen großen Profit mit Prozenten von meinem Taschengeld machen können, meine Angst hielt sich deshalb in Grenzen!
Mein Vater konnte bestimmt „ursprüngliche polnische Elemente vorweisen“ „welche einfach zu erfassen waren“ – z. B. die polnische Fibel, aus welcher er als Kind zur Jahrhundertwende in Selbstbedienung polnisch lesen und schreiben lernte. Er wurde aber von der Kommission negativ bewertet - die „deutsche Psyche“ hat man wahrscheinlich daran erkannt, dass er sowohl polnisch sprechen, lesen und schreiben konnte – als einziger hiesiger Einwohner einer mittelgroßen Stadt. Der Vertreter der ehemaligen polnischen Aufständischen – ein Mitglied der Kommission sprach zwar „po śląsku“, aber das war auch alles was er mit Polentum gemeinsam hatte – er wurde nur als Figurant der neuen Machthaber gebraucht.
Es ist möglich, dass die Mitgliedschaft in der NSDAP den Ausschlag gegeben hat und nicht die „deutsche Psyche“ oder das Fehlen von „ursprünglichen polnischen Elementen“. Mein Vater hatte das Pech, dass er seinem Freund eine Bürgschaft unterzeichnet hat, dieser Freund ging bankrott und mein Vater musste also seine Schulden bezahlen. Der “Freund“ und der zweite Bürge hatten vorsichtshalber ihren Besitz den Familien überschrieben und mein Vater stand allein im Regen. „Zufällig“ hatte mein Vater – als guter Katholik - aber schon 7 Kinder in die Welt gesetzt, das achte war unterwegs, und konnte sie nicht ernähren – dies führte zu einem Nervenzusammenbruch, welcher der Familie den Rest gab. Meine Mutter ging zum Partei-Bureau und schrieb meinen Vater in die Partei ein, und mit finanzieller Hilfe der deutschen Behörden dank Befürwortung der Partei konnten wir überleben. Nachdem mein Vater wieder fähig war die Familie selbst mit Elle und Maß zu ernähren – d. h. mit Schneidern, sagte ihm meine Mutter was sie getan hat und er stand zu seinem (d. h. ihrem) Wort und blieb in der Partei. Man kann also zumindest annehmen, dass er zu dieser Zeit kein super-überzeugter Nazi war (normalerweise wählte er die CD), Nazi wurde er nur „Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe“ wie der Dichter es so schön ausgedrückt hat. Es kann natürlich jetzt jeder behaupten, dass er nur ein Mitläufer war und kein Fanatiker, aber alle Einwohner (auch die hiesigen Kommissionsmitglieder) kannten meinen Vater sehr gut (er war jahrelang Bürgermeister unserer Ortschaft, welche später in die Stadt eingegliedert wurde) und wussten woran sie sind – trotzdem wurde er negativ beurteilt – bestimmend war die Meinung des „Kulturträgers“ aus dem Osten – des polnischen Vorsitzenden der Kommission.
Stanislaw Bieniasz schrieb (Monatszeitschrift ŚLĄSK 1996, Nr.6) zum Thema der Vertreibung der Deutschen aus Schlesien: ”Oft war ein gut erhaltener Hof, auf den ein Milizionär oder jemand vom Sicherheitsdienst ein Auge geworfen hatte, Grund zur Aussiedlung der Eigentümer unter dem Vorwand der »Zugehörigkeit zum deutschen Volk«. Diese Methode wurde sogar noch in den siebziger Jahren praktiziert, besonders im Oppelner Land (...) A. Zawadzki: »wiederholen sich immer wieder Fälle, dass man die Deutschen nicht dort sucht, wo sie sich tatsächlich befinden, sondern dort, wo es die schöneren Gehöfte oder Wohnungen gibt.«
Ein konkretes Beispiel aus meiner Umgebung bestätigt diese Worte. Es gab bei uns eine Familie – wohl die einzige - wo zu Hause bis 1945 nur polnisch gesprochen wurde, weil die Großmutter kein Wort Deutsch verstand. Der verantwortliche Polizist wusste davon, hat aber keine Konsequenzen daraus gezogen. Diese Familie hatte aber ein schönes Haus, welches einem sogenannten „Repatriierten“ ins Auge stach. Kurz darauf wurde die Familie Słaboń ausgesiedelt (ein schöner deutscher Name – die „deutsche Psyche“ war bestimmt in Ordnung) – Richtung russische Besatzungszone (später DDR). Hoffentlich hat die Oma aufs Alter Deutsch gelernt und das Polnische aus der Psyche verdrängt.
Unser Haus war ziemlich alt und uninteressant für Kulturträger aus dem Osten, wir konnten also bleiben wie die verifizierten (in Deutschland würde man sagen „entnazifizierten“) Schlesier. Der einzige Unterschied war finanzieller Natur, mein Vater musste als deutscher Staatsangehöriger Kriegsentschädigung zahlen – jahrelang. Sonst haben wir die Verifizierung ohne großem Schaden hinter uns gebracht. Von eventuellen „Loyalitätserklärungen“ höre ich jetzt zum ersten Mal oder habe davon total vergessen.
Dr. Danuta Berlinska, Soziologin am Soziologischen Institut, sagte in einem Interview für die Trybuna Opolska 18 über die Faktoren aus, welche entschieden, dass die Schlesier keine Chancen hatten, sich mit der polnischen nationalen Kultur vertraut zu machen. Diese Soziologin war mir schon bekannt anhand eines anderen Artikels, wo ich ihre professionelle Methode und politischen Mut bei Untersuchungen von „moral-politischen“ Problemen der Oppelner Oberschlesier schätzen gelernt habe. Es scheint mir nur ein kleiner Fehler bei Pollok zu sein, welcher Dr Berlińska im Soziologischen Institut wirken sieht. Viele Jahre wohnte ich in Oppeln, habe nie von so einem Institut gehört und dachte immer, dass sie im Schlesischen Institut angestellt war, ich kann mich aber auch irren. Vieles von dem was sie schreibt kann ich durch eigene Erfahrungen bestätigen. Aus dem langen Zitat habe ich einige Sätze herausgenommen, welche ich nicht akzeptieren konnte: „Trotz wirtschaftlicher Konkurrenz z. B. gab es in Schlesien keine gravierenden Konflikte zwischen Einheimischen und polnischen Repatriierten“.
Die gab es leider und das aus verschiedenen „guten“ Gründen. Wie sollten sich die ehemaligen polnischen Aufständischen und deren Nachkommen fühlen, als ihnen ein neuer Hausherr aus dem Osten auf die Wirtschaft gesetzt wurde, welchem sie praktisch die Füße küssen mussten um nicht vernichtet zu werden (zumindest ausgesiedelt)??? Ganz von allein wuchs der Hass und Rachegelüste, welche aber nicht realisiert werden konnten, da die Einheimischen praktisch nichts zu vermelden hatten. Da, wo ich meine Laufbahn als Volksschullehrer begann, hatte jede Familie einige Zeit einen „Herrn“ auf dem Hof, welchem sie ausgeliefert war. Man nannte diese Epoche offiziell so nett „Zeit der Fehler und Überschreitungen“ (okres błędów i wypaczeń). Das Dumme an der Sache war die Unsicherheit der polnischen Behörden, welche am Liebsten alle Bewohner ausgesiedelt hätten, aber immer in der Außenpolitik auf das moralische und historische Recht auf diese Gebiete pochten anhand der Präsenz der polnischen Bevölkerung, welche 700 Jahre Germanisierung standhaft überlebt hat. Es wäre also unpolitisch gewesen ratzekahle Aussiedelungen durchzuführen. Nach kurzem Überlegen wurden den „Herren“ aus dem Osten andere Höfe zugeteilt (in Dörfern wo alle Einheimischen schon ausgesiedelt waren) und aus dem früher wahrhaft polnisch gesinnten Teil von Schlesien verschwanden die „Neuen“ es blieben nur Lehrer, welche man benötigte, einheimische Lehrer mit polnischen Kenntnissen waren Mangelware. Ein Zufallsprodukt dieser Politik war unter anderem, dass zwei Nachbardörfer noch heute zwar homogen besiedelt sind (entweder Hiesige“ oder „Ossies“) aber eine Integration der Bevölkerung illusorisch war und auch blieb. Ich besuchte meine Kollegen „im Amt“ in vielen Dörfern und weiß was ich sage.
Was die Leute über Polen und diese Politik dachten – und wahrscheinlich bis heute nicht vergessen haben – kann ich nicht schreiben(„das ist nicht mein Bier“) – gehört habe ich genug. Es half mir zu verstehen als ein Junge am Tanzabend sagte: “Ich trinke lieber deutsches Urin, als polnische Limonade“, oder ein Mädchen: “Wenn ich könnte, würde ich alle Polen mit meinen Holzpantoffeln erschlagen“ und es war die Tochter eines ehemaligen Aufständischen, welcher auch im Plebiszit für Polen optiert hatte. So sah die „Heimkehr“ Schlesiens zu „Mütterchen Polen“ wahrscheinlich in vielen Ortschaften aus. Pollok hat als Historiker wesentlich größere Möglichkeiten (und die Pflicht) Fakten zu sammeln, ich basiere nur auf eigenen Erfahrungen, man sieht aber, dass alles zu dem passt, was er schrieb. Natürlich ist das kein wissenschaftlicher Beweis, zeigt aber den Trend.
„Madame“ Berlińska schreibt über die unqualifizierten Dorfschullehrer: „Sie unterdrückten den oberschlesischen Dialekt und schikanierten die Schüler, welche ihn sprachen.“
Ich muss eigentlich sagen, dass ich persönlich in Dorfschulen diesen Trend nicht beobachtet habe, weder in meiner Schule, noch in mir bekannten Nachbardörfern, wo die meisten Lehrer keine Einheimischen waren – ich war praktisch im Umkreis der Einzige. Die Dorfbewohner hatten eher mit mir Schwierigkeiten bei der Verständigung, weil ich noch nicht „po śląsku“ sprechen konnte, aber ich hatte immer ein Talent für Fremdsprachen und lernte schnell. Wie es anderswo ausgesehen hat, kann ich nicht beurteilen, Dr Berlińska hatte wohl guten Grund gehabt, das zu behaupten, da es ja gegen die offizielle Propaganda betreffend die Beziehungen zwischen „alten“ und „neuen“ Oberschlesiern sprach. Kein Vogel sch... usw ins eigene Nest – nur wenn er muss!
Leider musste ich im Lyzeum in Gross-Strehlitz diese Eigenart „bewundern“ und das lange nach der „Überschreitungsperiode“. Mein Neffe hatte keine Chance bei der Polnischlehrerin wegen seinem oberschlesischen Akzent („mir wachsen Haare auf meiner Hand, wenn Du das Abitur bestehst“ - so wurde er sehr effektiv zum Lernen ermuntert) und da wir dieses unangenehme biologische Phänomen nicht mal einem Feinde wünschten, musste der Neffe seine weitere Schullaufbahn in einer Schule für Erwachsene in Oppeln machen, wo meine Frau das Sagen hatte, wie man schlesische Kinder betreuen sollte und er bestand die Reifeprüfung in Polnisch mit Prädikat „Gut“ trotz seinem Akzent, welcher wohl das Schriftliche nicht wesentlich beeinflusst hat?!.
Außerdem spüren sie das stete Absinken der Lebensqualität, im Vergleich zu deutschen Zeiten, sehr. Die Einwohner erinnern sich sehr wohl, wie ihr Dorf vor dem Krieg ausgesehen hat.
Das Problem der niedrigen Lebensqualität, welches von Dr Berlińska erwähnt wurde, hat auch mich betroffen. Als „hoch“-qualifizierter Lehrer verdiente ich brutto 450 Zloty, nach Abzug der Steuern 444 Zloty 64 Groschen, was nicht hin und nicht hehr langte bei meinem Junggesellenhaushalt. Die Preise waren mit den heutigen vergleichbar. Angezogen haben mich meine Brüder mit Deputatkleiderstücken der polnischen Bahn wie Joppe (zweimal zu groß für mich) und Stiefeln, sogenannte „saperki“ also keine Offiziers-Glanzstücke, nur den Hut kaufte ich mir vom Gehalt (ich bin aber nicht mehr hundertprozentig sicher ob es nicht vielleicht doch ein Geschenk meines Schwagers war). Deshalb wunderte ich mich auch nicht, als mir ein Dorfbewohner sagte; „Teraz rechtór ma kiepsko, ale przed wojną rechtór toooo był pan!“ Ich glaube, dass eine Übersetzung nicht nötig ist – ich fühlte mich auch genau so wie ich verdiente. Das Dorf war von „der Welt“ weit entfernt, nur zweimal am Tag Busverbindung mit Oppeln und Cosel, also erwarb ich ein altes Vorkriegsfahrrad (Vollballon) mit geflickten Reifen, welches immer so schön hupp, hupp machte, wenn eine der Flickstellen unten ankam (es waren zwei oder drei). Wie hätte man da auch behaupten können, dass auch in Polen „der Rechtór ein Pan sei“? Den Bauernsöhnen ging es wesentlich besser, sie hatten Verwandte in Deutschland und radelten durch die Gegend auf wunderbaren Rädern (Diamant oder Möwe). Als ich nach Jahren mir ein neues Rad kaufte – auch ein Stück sofort reif für ein technisches Museum („Ukraina“, ohne Licht, Handbremse usw.), da fuhren meine Freunde schon auf Motorrädern. Den weiteren Werdegang konnte ich nicht verfolgen, da ich den Wohnort wechselte – wahrscheinlich haben sie jetzt eigene Flugzeuge oder Hubschrauber und ich nur meinen alten Hyundai. Ich habe den Eindruck, dass ich mit meiner Extrapolation vielleicht doch etwas zu weit gegangen bin. Es ist auch möglich, das sie mit einfacheren Fahrzeugen (schöne eigene Autos oder Busse) schon längst im Westen sind und da ihre Brötchen verdienen.
Diese Möglichkeit ist nicht von der Hand zu weisen, obwohl ich keine genauen Migrationsraten kenne. Später arbeitete ich in einem anderen Dorf , nicht weit von Oppeln, und viele, viele Jahre danach bekam ich eine Einladung zu einem Klassentreffen, welches von den in Deutschland wohnenden ehemaligen Schülern finanziert wurde. Es war eine große Mehrheit, wenig Heimattreue waren dabei.
Es war auch die Zeit der Lebensmittelkarten. Als Dorfbewohner standen mir keine Buttermarken zu, nach dem Motto der Behörde - „Bäume in den Wald tragen?“ Am Lande gibt’s doch Butter im Überfluss! Denkste! Zwei Jahre lang sah ich nur die scheußliche Margarine – ohne Marken (oder auf meine?). Meine Kuh existierte nur virtuell, obwohl mir ein kleines Stück Land zustand als Schulleiter. Die Dorfbewohner schämten sich mir Butter teuer (zum Marktpreis) zu verkaufen, billiger wollten sie nicht, lieber fuhren sie zum Markt nach Krappitz und mir wurde gesagt, dass leider keine Butter da sei, obwohl ich gern den Marktpreis gezahlt hätte. Ich kann es den Leuten nicht verdenken, dass sie keinen allzu großen Respekt vor so einem Hungerleider hatten, da sie immer Vergleiche mit dem deutschen Schulleiter zogen. Vom deutschen Schulleiter hatte ich nur die große Dienstwohnung, in welcher ich ein Zimmer bewohnte, die anderen Zimmer als Abstellkammern oder zum Tischtennis Spielen benutzte. Im Grunde genommen, haben die Eltern meiner Schützlinge mich aber akzeptiert und hatten Vertrauen zu mir und deshalb schütteten sie ab und zu ihr Herz aus und ich erfuhr Einzelheiten über die wundersame „Heimkehr“ Oberschlesiens zu “Mütterchen Polen“ auf dem Lande. Als Stadtbewohner hatte ich einen anderen „Leidensweg“. Meine Jugend war also ziemlich dürftig, etwas Positives war aber doch da - wir glaubten, dass es langsam aber stets bergauf gehen wird. Diese Überzeugung half meiner Generation die schlimmsten Zeiten durchzuhalten – die heutige Jugend hat leider diese Chance nicht, denn es geht laufend bergab und das nicht nur in Schlesien.
Herr Marek gehört zur Redaktion der Vierteljahresschrift Kwartalnik Opolski, welche bereits mehrere Artikel gedruckt hat, die viel Wahres über die Nachkriegszeit beinhalten. Prof. Marek schreibt: ”Die Durchführung der Verifikation der polnischen Bevölkerung nach der für viele mit tragischen Folgen verbundenen Nazizeit war eine Schandtat, als von den drei der damaligen schlesischen Generationen die älteste nur polnisch sprach und die jüngste nur deutsch.”
Ich kann nur Herrn Marek zustimmen, dass die ganze Verifizierungsfarce eine Schandtat war, auch mit den Sprachkenntnissen der verschiedenen Generationen hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich kann das aber nur durch Extrapolation behaupten, da ich keinen Opa und keine Oma lebend angetroffen habe als ich das Licht der Welt erblickte, bei den Słabońs stimmte es aber haargenau, die Kinder sprachen Deutsch, an die Eltern kann ich mich nicht erinnern, aber die Oma war - wie sie war – „leicht“ polnisch angehaucht. (Euer Leser GOLLY)