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Museum der Aufständischen - zum Zweiten

Von: Ewald Stefan Pollok

Vor ein paar Wochen schrieb ich einen Artikel zum Thema – „Ein Museum der schlesischen Aufständischen?“ in welchem ich meine Eindrücke und die meiner Begleitpersonen beschrieb [zu lesen bei SILESIA –unter dem Titel - „Ein Museum der schlesischen Aufständischen”

Darauf erhielt die Redaktion einen Brief vom neuen Leiter des Museums, Herrn Witold Iwaszkiewicz. Ausschnitte dieses Schreibens veröffentlichen wir auf polnisch in SILESIA unter dem Titel – „Muzeum Powstańców wyjaśnia” (Das Museum der Aufständischen erklärt). Wir stellten nur Fragmente in die SILESIA, weil das Schreiben 8 Seiten lang ist. Der Ton des ganzen Textes ist ziemlich seltsam. Er enthält außer konfusen Erklärungen, welche der Leitung eines historischen Museums nicht anstehen, nur Beschuldigungen gegen den Autor aber keine konkreten Vorschläge zur Verbesserung der Ausstellung.

Schon allein die Erklärung des neuen Chefs des Museums, dass das was ich dargestellt habe, im „Goebbelschen Stil“ geschrieben sei, spricht für sich selbst.

Im Schreiben an die Redaktion fehlt ein fachliches, historisches Verhalten gegenüber dem geschriebenen Wort, ich würde sagen, nur Wortgeplänkel. Es ist schwer mit jemandem zu diskutieren, welcher die Schuld nur dem Autor zuschreibt, weil er so böse war und keine Lobeshymnen über das Museum schrieb, denn im Museum ist natürlich alles o.k. Das ganze Schreiben zeugt nur von Dilettantismus, aber kein Versuch zur Erklärung des Wesens der Dinge ist da.

Das „Museum der Aufständischen“ am St. Annaberg ist eine historische Institution, sollte also redlich das Problem angehen und den Besuchern eine konkrete Geschichte dieses Ortes anbieten. Hier müssten unbestrittene Daten, Zahlen, Fakten und Erklärungen dargestellt sein, welche aber sowohl im Museum wie auch im Schreiben fehlen. Eine Entschuldigung, dass irgendjemand, irgendwann schlecht auf der Tastatur getippt habe und daher die „seltsamen“ Zahlen kommen ist nicht akzeptabel. Nicht nur das - seit der Veröffentlichung des Artikels vergingen sechs Monate und die Ungereimtheiten oder Lügen wurden nicht korrigiert! Wie soll ich in dem Zusammenhang die Worte verstehen „nichts erstärkt den Vorwurf des gezielten Vervielfachen von aufständischen Unwahrheiten“ – ein Zitat aus dem Brief. Dieser Vorwurf bleibt aktuell, denn die Unwahrheiten wurden nicht geändert. Als ich Ende April wieder das Museum besuchte, habe ich festgestellt, dass die neue Leitung einen Teil der Ausstellungssäle etwas verändert hat, einige kontroverse Texte und Fotos wurden herausgenommen, z. B. über den Kadetten Karol Chodkiewicz, weil sie nicht der Wahrheit entsprachen. Unter seinem Foto hat man (handgeschrieben), den Todesort von „bei Gogolin“, nach meiner Suggestion, auf „Oleszka“ geändert (nebenbei bemerkt in diesem Ort befindet sich eine Gedenktafel, welche an den Ort seines Todes erinnert), unter dem hängendem Foto liegt in einem Glasschaukasten die Photographie mit dem Text vom Grabstein „gefallen bei Oleszka in Oberschlesien“. Niemand hat bis jetzt bemerkt, dass er an zwei verschiedenen Orten gefallen ist.

Man entfernte den Text „Die Lemberger Kadetten im III. Schlesischen Aufstand“, aus welchem man entnehmen konnte, dass der Unteroffizier Chodkiewicz und seine zwei Freunde bei Lichynia (Lichtenforst) gefallen sind. Ein Mensch und drei Orte wo er gefallen ist? Wie kann man einem Museum Glauben schenken, in welchem die Informationen nicht mit Fakten übereinstimmen?

Es blieben weiter Fehler, über welche ich schrieb. Meine Überlegung geht weiter, hat man es bewusst so gelassen um die Besucher zu belügen, oder auch deshalb, weil sie in den Sälen sind, wo nichts geändert wurde, oder auch deshalb, weil die Museumsleitung nicht weiß, welche Angaben falsch sind, oder man nicht weiß, wo man korrekte Angaben finden kann? Aus dem Schreiben geht hervor, dass man überhaupt Schwierigkeiten mit der Feststellung hat um was es eigentlich geht, denn wir lesen: „Wenn der Autor genau hingeschaut hätte und sich nicht durch Verblendung leiten würde, ein bisschen guten Willen zeigte, hätte er gesehen, dass das nur ein Fehler der Person war, welche den Text getippt hat: Man sieht mit bloßem Auge, dass während des Tippen auf dem Computer jemandem eine „neun“ und das „Komma“ „aufgefressen“ wurden“.

Der erwähnte Text befindet sich aber auf einer 3 Meter langen Schärpe, welche von der Decke fast bis auf die Erde herabhängt, und die Angaben (Zahlen) sind darauf gedruckt. Ich frage also noch einmal: „Wäre es nicht besser wenn man im Museum den guten Willen zeigte und die verlogenen Ziffern änderte“?

Wenn es um die Ergebnisse des Plebiszits geht, da weiß jeder, dass sie zusammen 100 % ergeben müssen. Ein Teil optierte für Polen, der Andere für Deutschland, aber die Endzahl muss 100 Prozent ausmachen. Im Museum werden verschiedene Prozentsätze dargestellt. Wenn man die Ergebnisse in Deutsch anschaut, dann optierten für Polen 40,3% und 57,0% für Deutschland, d. h. zusammengezählt gibt das die Summe 97,3%.

Wenn man sich nur etwas Mühe gegeben hätte, konnte man aus Büchern über das Plebiszit entnehmen, wie wahrhaftig gewählt wurde, d. h. 59,6% für Deutschland und 40,4% für Polen. Hier geht es nicht darum, wie Herr Iwaszkiewicz schreibt „die angegebenen Zahlen stellen die Ergebnisse des Plebiszits für Polen in ungünstigerem Licht dar“. Mich verwundert, dass die Museumsleitung nicht verstehen kann, dass es hier nicht darum geht ob das Resultat günstig oder nicht günstig für Polen ist, sondern dass es um historische Fakten geht. Wozu mit etwas manipulieren, wenn wahre Daten verfügbar sind? Und dass man hier manipuliert zeigt der Fakt, dass nach über einem halben Jahr dieses nicht geändert wurde.

Es hätte genügt in Bücher zu schauen. Zum Beispiel:

- Jan Wyględa "Traugut" - "Plebiscyt i powstania śląskie" S. 116 - 59,6 i 40,4 %.

- "Powstanie i plebiscyt z perspektywy 60-lecia, Michał Lis - Plebiscyt górnośląski S. 185 - 59,4 i 40,39 =40,4;

- Dariusz Jerczynski - "Śląski ruch narodowy", S. 147 - 59,6 i 40,4 %.

- A. Hein - "Górny Śląsk - kraina dotknięta krzyżem", 59.6 i 40,4 %.

- Ewald Stefan Pollok - "Śląskie tragedie", S. 238 - 59,6 i 40,4

- Reinhold Vetter - "Schlesien", S. 43 - 59,6 i 40,4

- Dariusz Jerczyński - "Historia narodu śląskiego", S. 176 - 59,6 i 40,4

- Holger Breit - "Die Deutschen in Oberschlesien", S. 42 - 59.6 i 40,4

- Ewald Stefan Pollok - "Legendy, manipulacje, kłamstwa" S. 16 - 59,6 i 40,4

- Wielka Encyklopedia PWN Band 8, S. 730 - 59,6 i 40,4%.

Die "Encyklopedia Powstań Śląskich" gab falsche Prozente an und die Leitung des Oppelner Museums, denn St. Annaberg ist eine Filiale von Oppeln, schrieb sie ab ohne die Korrektheit zu überprüfen, nach dem Motto - “was diese Enzyklopädie schreibt muss auch stimmen“. Es zeigte sich aber, dass die Redakteure Schwierigkeiten beim Rechnen hatten, denn 479.365 Stimmen für Polen aus der Gesamtheit 1.186.758 von gültig abgegebenen Stimmen ergibt 40,39 – abgerundet 40,4 und nicht wie in der Enzyklopädie 40,3 und auf deutscher Seite zählte man 707.393 Stimmen, von 1.186.758 also angeblich 59,4% und es müsste 59,61% sein, abgerundet 59,6%. Herr Iwaszkiewicz war so freundlich und wendete sich mit einer Frage an mich: „Ich frage also, wer und zu welchem Zweck manipuliert hier mit Fakten?“

No eben, wer?

Ich weiß nicht wie oft ich mir die zwei Mannequins angeschaut habe, welche in zwei verschiedenen Sälen stehen. Einer wurde etwas verschoben, der Zweite hatte die Mütze phantasievoll schief auf dem Kopf, aber weiter gibt es keine Auskunft, wen diese Figuren darstellen. Wie ich schon früher schrieb fragten meine Gäste, welche die Geschichte der Aufstände nicht kennen (aus Frankreich, Deutschland und Schlesien), wer das sei. Die Erklärung von Herrn Iwaszkiewicz, dass: „Obwohl man zwar einige Zweifel haben könnte, ob die Präsentation der offiziell, anhand von Befehlen der Militärobrigkeit anerkannten Uniformen des Verbandes der Schlesischen Aufständischen (ab 1945 Verband der Veteranen der Schlesischen Aufstände) in dieser Exposition begründet war, weiß doch jeder, welcher sich an nicht zu weit liegende Zeiten erinnert, als die noch lebenden Veteranen der Schlesischen Aufstände Gäste auf allen staatlichen Festlichkeiten solche Uniformen getragen haben, und dies immer mit den Aufständischen assoziiert war“.

Eine wahrhaftig Salomonische Lösung, aber weshalb befindet sich dort kein kleines Kärtchen mit großen Buchstaben, dass diese Uniform erst nach den Aufständen entworfen wurde? Nicht alle Menschen bewunderten oder nahmen Anteil an kommunistischen Zusammentreiben der Bevölkerung und sahen wie jemand angezogen war. Das Museum sollte dies den Besuchern erklären. So ganz nebenbei, ich nahm Anteil an einer Feier vor dem „Denkmal des Aufständischen“ in Deschowitz (Odertal), wo auch in so einer Uniform ein – vom Ansager als Aufständischer vorgestellter Mann - auftrat, dessen Alter nach meiner Schätzung darauf schließen ließ, dass er wohl kaum an Kämpfen hat teilnehmen können. Als er vor´s Mikrofon trat, wurde alles klar. Er erklärte, dass er zwar kein ehemaliger Insurgent sei, aber den aufständischen Kindergarten besucht habe. Kein Kommentar!

Ich überlege, weshalb der Museumsleiter sich eine Antwort erlaubt, welche einige Tausende lesen und es ist klar was sie über dieses Museum denken werden. Ich wiederhole und bitte in die Literatur über die Aufstände zu schauen um festzustellen, dass die Aufständischen in Zivilkleidung kämpften, einige mit militärähnlichen Überhängen (was Herr Iwaszkiewicz auf Fotos sehen kann), und ein Teil trat in polnischen Uniformen auf, denn sie wurden von der regulären polnischen Armee beurlaubt, um an den Aufständen teilnehmen zu können oder wurden ganz simpel zum Aufstand abgeordnet. Aus meinen Untersuchungen geht hervor, dass im Aufstand über 800 Offiziere, Unterfähnriche, Unteroffiziere und Kadetten, auch 7000 Soldaten der aktiven polnischen Streitkräfte teilnahmen, wovon auch Prof. M. Lis, aus der Oppelner Universität, geschrieben hat. Aber davon können wir im Museum nichts sehen, und Herr Iwaszkiewicz erwähnt diese Tatsache mit keinem Wort.

Ganz hanebüchen ist die Erklärung, dass der Aufstand trotz Verbot durch Warschau zur bestimmten Zeit ausgebrochen ist. Herr Iwaszkiewicz kennt wohl das telegrafische Gespräch vom 1.05.1921 nicht, zwischen dem Premier Witos und Korfanty, geführt von Sosnowiec, in welchem beschlossen wurde, dass Korfanty pro forma von der aktuellen Politik ausgeschlossen wird und nur er selbst für den Ausbruch Schuld trägt; Warschau wird entsprechend mit Geld, Lebensmitteln und Waffen helfen, aber auf der internationalen Arena sich die Hände waschen und sagen – wir haben es verboten! Zusätzlich verwunderte mich die Behauptung von Herrn Iwaszkiewicz, dass Schlesien während dem Plebiszit und der Aufstände nicht zu Deutschland gehörte. Ein sehr seltsamer Hinblick auf diese Zeiten. Es wäre angebracht in Bücher zu schauen, es genügen polnische, wo genau geschrieben steht, dass Schlesien zu Deutschland gehörte. Soll es ein neuer Blick auf die Geschichte sein? Und Herr Iwaszkiewicz behauptet, dass er den Besuchern die Probleme der Aufstände genau erklärt.

Ich schrieb auch, dass man in einem Saal das „Panorama des Kampfes bei St. Annaberg“ sehen kann, welches aber keinen Kampf darstellt! Auf einigen Quadratmetern sehen wir keinen einzigen Aufständischen oder seine Gegner, nur wahllos hingeworfene wirtschaftliche Geräte, Gießkannen, ein Pferdehalfter, ein altes verrostetes Fahrrad...“, darauf war Herr Iwaszkiewicz so freundlich und schrieb an die Redaktion: „Ich schlage vor nach Warschau zu fahren, das „Museum des Aufstands“ zu besuchen und festzustellen, wie die neuesten Tendenzen im internationalen Ausstellungswesen aussehen“.

Ich weiß nicht, ob das „Panorama des Warschauer Aufstandes“ mir die Welttendenz zeigen wird – für mich ist Warschau nicht der Nabel der Welt. Ich schlage vor das Museum der Schlacht Napoleons bei Waterloo, im deutschen Bad Frankenhausen, im österreichischen Salzburg, in Wolgograd – das Museum der Schlacht bei Stalingrad, das Borodino-Museum, das Panorama im Moskauer Museum, wo die verlorene Schlacht Napoleons dargestellt wird, oder andere Museen zu besuchen, und dann können wir über Tendenzen im Museumswesen der Welt diskutieren.

Auf alle Vorwürfe von Herrn Iwaszkiewicz möchte ich nicht antworten, weil ich die Leser nicht zu Tode langweilen will, außerdem sind einige seiner Aussagen vollkommen sinnlos.

Herr Iwaszkiewicz schrieb netterweise, dass die durch ihn betreuten Besuchergruppen gut informiert werden... Ich glaube nicht daran, denn wie kann man Besuchern erklären wenn, wie man in seinem Brief sieht, sich da nur Ungereimtheiten befinden. Erklärt Herr Iwaszkiewicz wirklich jeder Gruppe, dass die Zahlen falsch sind? Das glaube ich kaum!

Am Ende stellte ich fest, dass die Zeitungsausschnitte nicht geändert wurden. Weiter hängen in den Tableaus Zeitungen, links oder rechts beschnitten und sind immer noch weiter unleserlich, obwohl er im Brief versprach es zu richten. Es blieben die falschen Bezeichnungen der Flora und Fauna Exponate auf Latein (und polnisch überhaupt nicht beschriftet). Herrn Iwaszkiewicz möchte ich nicht mal versuchen zu erklären was im schlesischen Aufstand das Wort „Einziehung” bedeutete, denn es wäre für ihn schwer zu verstehen, dass jemand ins Haus kam und mit Gewalt Männer zum Kampf zwang. Davon kann man in Büchern der Herren: Henryk Sporoń, Ewald Stefan Pollok und Guido Huetze lesen, denn bei Anderen wäre es schwer zu finden, obwohl es der Mühe wert wäre, diese Sache war und ist immer noch tabu!

Zur Erklärung von Herrn Iwaszkiewicz, dass im Museum die andere Seite, d.h. die Deutsche, (die Presse zeigte sich hoch erfreut darüber, dass in dieser Ausstellung auch die andere Seite gezeigt wurde) dargestellt sei, möchte ich nicht eingehen. Was soll ich Herrn Iwaszkiewicz antworten auf sein: „Herr Pollok hat mit Absicht die deutschen Flugblätter aus der Zeit des Plebiszits nicht bemerkt“. Ein paar speziell und tendenziös ausgewählte Flugblätter stellen keinen Standpunkt der anderen Seite dar. Auf diesem Niveau ist es schwer Gespräche zu führen.

 

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