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Oberschlesien heute

 

Eine „Germanisierung“ sei es nicht, was hier stattfinden würde. Davor fürchten sich nämlich die Polen in der schlesischen Woiwodschaft Oppeln. Die neuen zweisprachigen Ortsschilder würden vielmehr aus „Verpflichtung gegenüber den Menschen, die hier Ihre Wurzeln haben“, errichtet. Deutsche Menschen mit deutschen Wurzeln. Der Idealismus, den der polnische Bürgermeister Oppelns mit dieser Aussage bezeugen will, folgt außerdem einer gesetzlichen Bestimmung von 2005, Minderheiten in Polen betreffend. Nachdem 26 von 71 Gemeinden des Oppelner Landes mehr als 20 Prozent deutsche Bevölkerung haben, sind die deutschen Ortsnamen auf den Straßenschildern gesetzlich vorgeschrieben. Hier im Südwesten lebt die größte Gruppe Volksdeutscher in Polen. Nach Angaben der Verbände der deutschen Minderheiten sind es 300.000, die sich erst nach der Wende organisieren konnten.

In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg trieb Warschau Oberschlesien ökonomisch und ökologisch bis vor den Abgrund. Ende der 40er-Jahre hatte die polnisch Regierung die in Oberschlesien geförderte Kohle als Druckmittel eingesetzt, um die Anerkennung der „Oder-Neiße-Friedensgrenze“ zu erpressen. Würde Ost-Berlin diese verweigern, drohte Polen mit einem Lieferungsstopp, was für die vom Westen abgetrennten Mitteldeutschen den Erfrierungstod bedeutet hätte. Zu diesem Zeitpunkt waren die Deutschen in Oberschlesien schon seit drei Jahrzehnten Opfer polnischer Chauvinisten und Imperialisten gewesen.

Noch bevor das Diktat von Versailles ratifiziert ist, dringen polnische Freischärler im August 1919 in Oberschlesien ein mit der Absicht, das Land zu annektieren. Deutschen Heimatschutzverbänden gelingt es, den Angriff abzuwehren. Ein Jahr später besetzten westalliierte Truppen unter dem propolnischen General Le Rond aus Frankreich das Gebiet. Am 20. März 1921 bekennt sich eine sehr deutliche Mehrheit (717.000 Oberschlesier, entspricht ungefähr 60 Prozent) in einer Volksabstimmung trotz polnischen Terrors und französischer Willkür zum Deutschen Reich. Am 2. Mai fallen polnische bewaffnete in Oberschlesien ein, um das Land zu rauben. Deutscher Selbstschutz, verstärkt von Freiwilligen aus ganz Deutschland, leistet erfolgreich Widerstand. Den Höhepunkt findet der deutsche Abwehrkampf in der Erstürmung des von Polen besetzten Annabergs am 21. Mai 1921.

Im Oktober 1921 entscheidet der Oberste Rat der Westalliierten unter Missachtung des Abstimmungsergebnisses, dass der an Bodenschätzen und Industrieanlagen reichste Teil Oberschlesiens Polen zuerkannt wird. Deutschland, nach Versailles entmachtet, ist zu Gegenwehr nicht fähig. 1922 unterzeichnen Polen und Deutschland in Genf eine Konvention zur Wahrung der Rechte der Volksdeutschen in Oberschlesien. Diese Übereinkunft aber wurde von Polen in den nächsten 17 Jahren ständig gebrochen.

Kein Politiker der Weimarer Republik war bereit, auf Oberschlesien zu verzichten. 1932/33 arbeitete der polnische Generalstab sogar für die Warschauer Regierung einen Plan zum Überfall auf das Deutsche Reich aus. Umso verwunderter war die Weltöffentlichkeit, als die Regierung Hitler 1934 ein Nichtangriffsabkommen abschloss. Außerdem erklärte Berlin nunmehr seine Bereitschaft zum Verzicht auf geraubte Gebiete.

Nach dem deutschen Sieg 1939 über Polen wurde die Teilung Schlesiens aufgehoben. 1945 drangen Sowjettruppen nach Oberschlesien vor. Massiver anti-deutscher Terror setzte nur ein. In polnischen Fanatikern fand die Rote Armee willige Handlanger. Massaker an der deutschen Zivilbevölkerung fandet statt, die Deutschen, die nicht geflüchtet, vertrieben oder ermordet waren, wurden einer extremen Polonisierung ausgesetzt. So wurde zum Beispiel der Gebrauch der deutschen Sprache, selbst im Gottesdienst, verboten. Sogar deutsche Grabsteine fielen der Vernichtung anheim. Trotzdem hielten Hunderttausende Deutsche an ihrem Volkstum fest, während Warschau jahrzehntelang behauptete, es würde keine deutsche Minderheit in Polen geben, also den Vollzug der Endlösung rühmte.

Bei den ersten halbwegs freien Wahlen im polnischen Machtbereich, im Mai 1990, schafften mehrere Hundert deutsche Kandidaten den Einzug in die oberschlesischen Kommunalparlamente. In zahlreichen Städten stimmten die Wähler für eine deutsche Mehrheit, im Bezirk Oppeln erhielten deutsche Kandidaten zwei Drittel der Stimmen, in manchen Gemeinden noch mehr Prozent. Viele Polen in Oberschlesien würden lieber in deutschen Verhältnissen als unter polnischen Bedingungen leben.

 

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