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Dr. Ewald Stefan Pollok - Deutsch-polnische Versöhnung?

 

Am 1. September jährte sich der Anfang des zweiten, tragischen Weltkrieges zum 68. Mal. Dieses allerschrecklichsten der schrecklichen Kriege, in dem schätzungsweise 50 Millionen Menschen ihr Leben verloren.

Die Situation im Nachkriegseuropa fing sich in den späten vierziger und fünfziger Jahren mit großen Schwierigkeiten an zu normalisieren und stabilisieren. Es brauchte viel Zeit und Geduld. Die durch Deutschland unterjochten Länder hatten ihr Leid nicht vergessen. Das menschliche Gedächtnis bewahrte die Erinnerungen an verlorene Verwandte und Bekannte, doch das Leben mußte in seinem Rhythmus weiter gehen.

Die westlichen Regierungen kamen zur Überzeugung, daß man in Europa nicht leben kann, ohne die Bundesrepublik wahrzunehmen. Umso mehr deswegen, weil Deutschland den Weg des Friedens und der Demokratie ausgewählt hatte. Nur manchmal hörte man einzelne, der Vergangenheit angehörige Stimmen. Diese aber wurden konsequent stumm geschaltet.

Als erste haben die Franzosen ihre Hand gereicht. Über den Weg kleiner Zugeständnisse fingen die „Erzfeinde“ an, die gemeinsame Zukunft mit Deutschland zu bauen. Nach einigen Jahren waren die positiven Ergebnisse dieser Bemühungen sichtbar. Auch in anderen westlichen Ländern wurden Änderungen in der Denkweise bemerkbar. Nach Jahren hatten die ehemaligen Feinde schon gemeinsame Organisationen, Vereinigungen und Körperschaften, was dazu führte, daß es heute keine grundsätzlichen Meinungsunterschiede zwischen ihnen und Deutschland gibt.

Die geschichtliche Erinnerung der Völker ist geblieben, und so sollte es auch sein. Aber zur Vergangenheit gehören Anfeindungen gegenüber Deutschland. Gemeinsam wurden die Europäische Union und das Nordatlantische Verteidigungsbündnis ins Leben berufen. Und Deutschland ist Mitglied in diesen Organisationen. Es kommt vor, daß die westlichen Partner unterschiedlicher Meinung sind, doch niemals ist es so, daß man mit Sachen aus der Vergangenheit vor fast 70 Jahren argumentiert. Der Westen lebt in der Gegenwart und schaut in die Zukunft.

Nur die Regierungen der Länder des alten kommunistischen Blockes haben sich in Zeiten des kalten Krieges, zwecks Ablenkung der Bevölkerung von politischen und hausgemachten wirtschaftlichen Schwierigkeiten, immer wieder auf die Kriegszeiten berufen. Man überschlug sich in immer neuen Aktionen gegen diesen Staat.

Interessant, daß immer dann, wenn im eigenen Land etwas schief ging, unterstrich man die negativen Ereignisse der Vergangenheit umso eifriger und sah Deutschland als das größte Übel. Das dauerte bis ins Jahr 1989, in dem das kommunistische Lager plötzlich – auch dank polnischen Wirkens – zu existieren aufhörte. Die Chance auf eine Verbesserung des polnisch-deutschen Verhältnisses war gegeben.

Die Ungarn waren als erste an einer Normalisierung interessiert. Noch als der Kommunismus herrschte, öffneten sie für DDR-Flüchtlinge ihre Grenzen. Das war eine menschliche Geste, eine Geste welche ihr Verständnis für das Drama eines anderen Volkes, auch des deutschen, bewies, und sie die Gegenwart von der Vergangenheit trennen können.

Die Situation zwischen Polen und Deutschland war sehr belastet. Die während des Krieges durch Deutschland unterdrückten Polen waren ein schwieriger Partner bei einer Verständigung oder gar Versöhnung. Die 1950 in Deutschland beschlossene Charta der Vertriebenen beinhaltet den Verzicht auf Rache oder Vergeltung und spricht von der Schaffung eines vereinigten Europas. 1965 haben die polnischen Bischöfe in einem für beide Seiten wichtigen Brief an die deutschen Bischöfe die allseits bekannte Worte formuliert: „Wir vergeben und bitten um Vergebung“. Es sah so aus, als würde es jetzt langsam aber systematisch, in kleinen Schritten, zu einer Änderung des gegenseitigen Verhältnisses in Richtung einer Versöhnung kommen, welche für beide Staaten gleich notwendig ist. Man kann nicht in dauerndem Haß leben.

Deutschland hat alles für die Verständigung mit Polen getan. Deutschland war Polens Fürsprecher beim Eintritt in das Nordatlantische Verteidigungsbündnis, später die Eropäische Union. Das deutsche Volk half Polens Einwohnern. In den schwierigen Zeiten, in welchen in den Geschäften nichts außer Essig angeboten werden konnte, hat der deutsche Bundeskazler Helmut Schmidt, am 18. Dezember 1981, fünf Tage nach Ausrufung des Kriegsrechts in Polen, im Bundestag gesagt: „Ich stehe mit ganzem Herzen auf der Seite der Arbeiter. Gleichzeitig habe ich zu privaten Hilfssendungen aufgerufen; tatsächlich sind dann bis Ende des Jahres 1981 zwei Millionen westdeutsche Hilfspakete nach Polen gegangen ...." Die deutsche Post beförderte sie frei, ohne einen Pfennig für den Transport zu verlangen. Tausende Lkws transportierten Lebensmittel, Medikamente und Artikel des täglichen Gebrauches. Die Deutschen halfen mit Millionen D-Mark und Euro bei der Restaurierung und Ausstattung von Krankenhäusern.

Dann der Kniefall von Willy Brandt im Jahre 1970 in Warschau – als Geste der Entschuldigung. Die zu Ministerpräsident Mazowiecki durch Helmut Kohl ausgestreckte Hand der Versöhnung in Kreisau. Daselbst auch die Umarmung des Protestanten Mazowiecki und Katholiken Kohl während des Gottesdienstes. Um Verzeihung baten Bundespräsident Walter Scheel, Bundespräsident Roman Herzog, Bundespräsident Johannes Rau und Bundespräsident Horst Köhler auf der Westerplatte. Bundeskanzler Gerhard Schröder tat dies bei den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag des Warschauer Aufstandes. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel begab sich sogar zu einem Besuch auf die Halbinsel Hel um damit das Verhältnis mit Polen zu verbessern. Trotzdem war der polnische Europaabgeordnete so „zuvorkommend“, daß er Merkel mit Hitler verglich.

Prof. Wladyslaw Bartoszewski sagte nach den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag des Warschauer Aufstandes: „Deutschland hat alles getan um seine Schuld zu sühnen“.

In Deutschland wohnt ein neues Volk. Menschen, welche nach dem Krieg geboren wurden, welche niemals etwas mit Hitler und dem Nationalsozialismus zu tun hatten, welche ihre Hände den Polen entgegen gestreckt haben. Tausende deutsch-polnische Paare haben eine Ehe geschlossen. Viele Städte in Polen haben ihre Partnerstädte in Deutschland. Deutsche Firmen sind in Polen angesiedelt und geben polnischen Menschen Arbeit. Polen arbeiten in Deutschland. Die Jugend beider Länder lernt sich kennen, freundschaftliche Kontakte werden geknüpft. Polnische und deutsche Meinungsforschungsinstitute bezeugen, daß bei einem Großteil der Bevölkerung beider Staaten der Haß nicht mehr vorhanden ist.

Deutsche Kriegsteilnehmer des 2. Weltkrieges sind heute mindestens 79 Jahre alt (wenn sie 1945 mit 17 Jahren einberufen wurden). Und die, welche 1932 für Hitler votiert haben (es waren genau 38,6 % der Wahlberechtigten), sind heute mindestens 96 Jahre alt. Warum also versuchen wir weiterhin die Kriegs- und Nachkriegsgenerationen mit dem zu belasten, was vor ihrer Geburt geschah?

Der Haß der nach dem Krieg geborenen Politiker und anderer Bürger ist leicht zu erklären: Er wurde ihnen in kommunistischen Schulen eingeprägt und durch die Medien fixiert. Wir wissen, daß das ein gewolltes Ergebnis war.

Da drückt sich schon die Frage auf: Will denn Polen die Versöhnung? Es scheint nicht so, denn die augenblickliche Situation ist bequem. Immer wenn irgendwelche Probleme auftauchen, kann man ein deutsches Kaninchen aus dem Hut ziehen und schon ist die öffentliche Meinung vom Problem abgelenkt und befaßt sich mit den bösen Deutschen.

Wenn der polnischen Regierung an einer Versöhnung gelegen sein sollte, würde sie klipp und klar sagen, was sie sich von deutscher Seite wünscht um diese Versöhnung Realität werden zu lassen.

Wieder einmal steht Polen vor Wahlen, bei denen deutsche Angelegenheiten einen wesentlichen Wert haben werden. Die nicht ferne Vergangenheit hat gezeigt, daß man Wahlen so gewinnen kann.

Die ausgestreckte Hand polnischer Politiker könnte ein Zeichen für den Willen einer Versöhnung sein. Ich zweifle aber, daß uns diese Geste erreicht.



Kommentare zu diesem Artikel - Komentarze do artykułu



Anzeige: 1 - 2 von 2.

Hela W
Freitag, 22-08-08 21:28   E-Mail

Nie istnieje zadne przebaczenie. za takie okrucienstwa nie mozna przebaczyc. Musieli by przebaczyc ci zamordowani,
i Ci ograbieni z dzecinstwa, mlodosci, sieroty duchowe tez
Mozna znalezc inne slowa
dialogu i jeszcze raz potepic sprawcow wojny
szczegolnie tych,ktorzy nie poniesli kary,bo teraz to sie msci w polityce.
Mozemy sie razem kolegowac piwo wypic,
ale zbrodni wojennych
nigdy sie nie przebaczy
bo tego nawet nie mozna
pojac,ze ludzie byli zdolni do takich okrucienstw,dlatego chca
to zagluszyc swoje sumienia,tego sie nigdy nie zapomni.Powinni sie tym zajac psychiatrzy i psycholodzy...taka jest prawda....

Alois Bude
Mittwoch, 31-10-07 09:43   E-Mail

Sehr geehrter Landsmann Dr. Pollok!
Die deutsch-polnische Aussöhnung ist schwieriger als es die deutsch-französische Aussöhnung war. Das liegt daran, dass Frankreich keine Deutschen vertrieben hat und es hat im Jahre 1955 einer Volksabstimmung im Saarland zugestimmt, so dass dieser Teil Deutschlands zum Mutrerland zurückkehren konnte. Polen hat eine solche Volsabstimmung verweigert und erschwert noch heute die Heimkehr rückkehrwilliger Schlesier, Pommern und Ostpreußen. Und im Übrigen:
Solange die polnischen Politiker hartnäckig darauf zu bestehen, „dass jegliche deutsche Ansprüche keine gesetzliche Grundlage haben...“, wie z.B. der Spitzenpolitiker der Bürgerplattform Bronislaw Komorowski sich in einem Interview mit der Zeitung „Dziennik“ laut Presseschau des polnischen Rundfunks vom 24.10.2007 geäussert hat, kann man die Probleme nicht aus der Welt schaffen. Denn dass Ansprüche deutscher Privatpersonen zur Zeit „keine gesetzliche Grundlage in Polen haben“ ist ja bekannt. Aber es gelten die völkerrechtlichen Normen, resultierend aus der Europäischen Menschenrechtskonvention u.a. Eine Anspruchsgrundlage auf dieser Basis in Polen zu schaffen, ist Aufgabe des polnischen Gesetzgebers. Es ist nicht vergessen, dass das zur Amtszeit des ehem. Polnischen Staatspräsidenten Kwasniewski das vom Sejm beschlossene Restitutionsgesetz von Kwasniewski verworfen worden war, weil dieses Gesetz nicht den europäischen Normen (Gleichheitsgrundsatz) entsprach und wahrscheinlich vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg gelandet wäre. Diese Tatsache war - so weit ich informiert bin - einer der Hauptgründe dafür, dass vor ca. einem Jahr 22 vertriebene deutsche Grundeigentümer, vertreten durch die „Preußische Treuhand“, wegen fortdauernder Diskriminierung u.a. den EGMR in Straßburg angerufen haben.

Die neue polnische Regierung wäre daher gut beraten, von sich aus auf die von den völkerrechtswidrigen Vermögenskonfiskationen betroffenen deutschen Beschwerdeführer zu zugehen und nicht abzuwarten, wie das Straßburger Gericht entscheidet. Es wäre denkbar, dass die neue polnische Regierung die rückkehrwilligen Deutschen dazu einlädt, zurückzukehren und ihnen (mit Hilfe auch der deutschen Regierung) bei der Wiedereingliederung in ihre alten Heimat wohlwollend zur Seite steht. Mit einer solchen Geste des Guten Willens, könnte das polnisch-deutsche Verhältnis spürbar entkrampft werden im Interesse des Friedens in Europa.
Wenn man jedoch weiterhin an alten nachbarschaftsfeindlichen Nationalismen festhält, dann haben Frieden, Recht und Gerechtigkeit allerdings keine Chance!

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Alois Bude, Frankenthal.

Siehe hierzu auch: „Pół kroku kanclerza”, Tygodnik Powszechny Nr. 32 vom 8. August 2004

 
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