?
 
Titelbild
 
 
  Suche   

 
   
 
Startseite / Artikel Aktuell Detailansicht
 

Prof. Jan T. Gross - "Strach" (Die Angst)

 

Die Judenverfolgung in Polen während und nach dem II. Weltkrieg

 (Auszüge aus dem Buch "Strach" (Die Angst"), welches in den USA und Polen erschien. Der Verfasser zeigt das Nachkriegsleben von Juden und deren Pogrome in Polen.)

Unverzüglich nach der Befreiung, konstatierten die lokalen Partisanen erstaunt, daß die Familie Wyrzykowski selbst über die gesamte Kriegzeit erfolgreich Juden versteckt hielten. So kamen sie nun, um diese zu morden. Als jedoch die Familie Wyrzykowski es ablehnte, die geheimen Unterkünfte der Juden preiszugeben, wurde Frau Wyrzykowska dermaßen zusammengeschlagen, „daß an ihrem Körper keine einzige Stelle war, die nicht blau geschlagen worden wäre“. Sie schrieen: „Ihr jüdischen Knechte, ihr habt Juden versteckt, obwohl sie Jesus gekreuzigt haben“. Danach waren die Wyrzykowskis gezwungen schleunigst von ihren Familienhof zu fliehen.

Gegen Ende Oktober 1942 wohnten in Sandomierz noch 5200 Juden. Die Razzia in der Stadt dauerte etwa zwei Wochen. Am ersten Tage zerrte die polnische Polizei mit Hilfe von Wachmännern und Hauswarten um die 400 versteckte Juden aus den Häusern. 200 von ihnen wurden sofort ermordet. Drei Tage nach dieser Aktion sind die restlichen Juden, die sich noch in Schlupfunterkünften befanden, von der polnischen Bevölkerung preisgegeben und sofort erschossen worden.

Den Bewohnern unseres Dorfes war bekannt, das ich jüdische Kinder verberge, so begannen Schikanierungen und Drohungen zur Auslieferung der Kinder an die Gestapo. Die Bewohner verlangten, daß wir die Kinder von dieser Welt wegschaffen müssen, und ersannen einen Plan, die Kinder in einer Scheune unterzubringen, um ihnen nachts mit Äxten die Köpfchen abzuhacken.

In der Krakauer Synagoge, an der ul. Miodowa 27, wurden Gottesdienste gehalten. Sobald diese begannen, versammelte sich ein Gesindel, ein Abschaum der Gesellschaft und Halbwüchsige, die die Synagoge angriffen. Begleitet wurden diese öffentlichen Gewaltakte mit Geschrei, Schimpfworten, Beleidigungen und Gelächter. Solche Attacken wiederholten sich jeden Freitag, wobei der Rabbiner, während er am Altar stand und Gebete verrichtete, bereits zwei Mal mit Steinen getroffen worden ist.

In Krakau fanden am 11. August 1945 Ausschreitungen (Pogrome) statt, die keine Überraschung sein dürften. Unter den Angreifern befanden sich Soldaten und Milizionäre. Inmitten fünfundzwanzig an den Ausschreitungen beteiligten Angeklagten, die wegen Beteiligung verurteilt wurden, befanden sich fünf Soldaten und sechs Milizionäre. Kleine jüdische Geschäfte in der Umgebung und ihre Wohnungen wurden von den Angreifern ausgeraubt und viele Juden aus der Nachbarschaft mißhandelt.

Am 12. Juni 1945 kam es in Rzeszów zu antijüdischen Ausschreitungen (Pogrom). Eine mit ihrem Kind flüchtende Jüdin wurde im Gebäude der Tarnauer Stasi erschossen.

Die Bahnschutzpolizei zerrte durch Rzeszow reisende Juden aus den Waggons, und sogar polnische Bürger mit angeblich semitischem Äußeren. Die Bevölkerung half bei Verhaftungen von Juden.“
Am Tag darauf hat eine Gruppe von Juden die Stadt mit zwei Lastwagen der Roten Armee verlassen. Ein sowjetischer Offizier brachte sie 50 Kilometer in Richtung tschechoslowakischer Grenze und gab ihnen den Rat, aus Polen zu flüchten, denn hier erwartet sie nichts Gutes.

Seit dem Einmarsch der Roten Armee in die Umgebung der Rzeschower Woiwodschaft waren wir zehn Monate lang Zeugen von Beschimpfungen durch Milizionäre, die lautstark zu Juden riefen »Haben Euch die Deutschen nicht ausgerottet, so werden wir euch ausrotten«.
So zum Beispiel, Lucjan Dobroszycki, der Zahlen immer penibel behandelte, oder Józef Adelson, beide sprechen von zweieinhalb Tausend nach dem Krieg getöteter Juden. Obwohl wir die genaue Zahl der ermordeten Juden nicht mehr feststellen werden können, so – in Anbetracht des brutalen Umgangs während der Umsiedlung der Deutschen oder auch der ukrainischen Bevölkerung, die mehrere Hunderttausende das Leben kostete – drückt sich die Tragik dieses Verbrechens nicht so sehr mit der Anzahl der Toten, als in der Tatsache, daß diese Opfer Menschen waren, die eben den größten Schicksalsschlag in Polens Geschichte überlebt hatten.

Einer, der sehr wahrscheinlich blutigsten Morde, geschah nachts am 2. Mai 1946 in der Umgebung von Krościenko. Nachdem dort ein in Richtung Grenze fahrender Bus mit sechsundzwanzig anwesenden Juden angehalten wurde sind danach elf Personen durch die Bande „Ogień“ ermordet und sieben verwundet worden. Lediglich acht Personen konnten fliehen.

Am 5. Februar 1946 wurde die Stadt Parczew von einem Kommando der WiN überfallen. Es galt „die dort wohnenden Juden zu zerschlagen“ und bei dieser Gelegenheit „sich an den jüdischen Geschäften zu bereichern“. Während dieses Überfalls kamen Juden zu Tode. Darüber hat man in der Lubliner Woiwodschaft- Parteizentrale in Erfahrung bringen können, daß „fast alle jüdische Wohnungen ausgeraubt wurden und das Raubgut mit Autos und Pferdewagen fortgeschafft worden ist“. Die entsprechenden Winke zu den jüdischen Lokalen gab den Angreifern die heimische Bevölkerung.

Frau Alina Cała, die in der Umgebung von Podlasie ethnographische Nachforschungen betrieben hat, schreibt 1984 schockiert über Aussagen ihrer Gesprächspartner, daß „selbst jene, die die deutschen Verfolgungen scharf verurteilten, haben die Nachkriegsmorde nachsichtig eingeschätzt oder sie sogar gerechtfertigt“.

Antisemitische Gewalttaten sind in der amtlichen Korrespondenz, bezüglich der Sicherheit im Lande, nicht zugegen. „Von den kleineren Ausschreitungen sollte die Ermordung von fünf Personen jüdischer Nationalität bemerkt werden“ – stellte der Woiwode aus Kielce in seinem Report vom Februar 1946 fest.

Der Schneider Elias Magid berichtete: „Als ich einmal nach Międzyrzecze fuhr, begannen drei fremde Männer ein Gespräch mit mir. Aus meinem Akzent haben sie erkannt, daß ich Jude bin. Während der Zug sich in voller Fahrt befand, sagten sie, daß ich in Miedzyrzecze nicht ankommen werde, weil ich Jude bin. Noch bevor ich antworten konnte, schlugen sie mich mit einem eisernen Gegenstand auf den Kopf und warfen mich Bewußtlosen aus dem fahrenden Zug. Ich geriet unter die Räder, kam aber wie durch ein Wunder nicht um, verlor jedoch beide Beine. Neun Monate lag ich im Krankenhaus, jetzt bin ich ein Krüppel.“

Ein Jude ist überall gefährdet. Ein Jude darf beim Friseur nicht eintreten, nicht ins Restaurant, darf sich nicht auf der Straße zeigen.“ Lesen wir in einem Dokument vom 6. August 1946.

Im Ort Kszczonow unweit des lubliner Chełm, führten Polen oft Straßenrazzien auf Zwangsarbeiter durch und zwar ausschließlich auf Juden.

Mitte Mai 1945, in Ostrowiec „äußerten Beamte, daß in Beziehung auf Juden deutsches Recht gilt“ … als Juden geschlagen wurden stellten die Milizionäre fest: »ihr dürft ihn schlagen, wenn ich es nicht sehe«.

Während der deutschen Besatzungszeit war das Plündern des Eigentums ermordeter Juden eine allgemeine Erscheinung. In Erwartung der bevorstehenden Verfrachtung von Juden Mitte April 1942 in Szczebrzeszyn „kam eine Vielzahl von Pferdewagen aus dem Dorf angefahren, die fast den ganzen Tag über warteten bis man denn die Plünderung beginnen wird können“ – notierte Zygmunt Klukowski. „Aus verschiedenen Richtungen erreichen uns Nachrichten über skandalöses Verhalten eines Teiles der polnischen Bevölkerung, über Plünderungen von leer stehenden jüdischen Wohnungen“.

Im Ort Radziłów erfuhr eine Frau (Klimaszewska), „daß Godlewski über die nachjüdischen Wohnungen verfügt“. Somit begab sie sich zu ihm, damit er ihrer Familie eine davon zuteilt. Nachdem ich gesagt habe, daß Herr Godlewski selbst davon vier Wohnungen besitzt und ich keine, antwortete er mir: »das geht Sie ein Scheißdreck an, mein Bruder soll aus Russland kommen, da muß er ein Haus haben«. Als ich weiterhin darauf bestanden habe eine Wohnung zu bekommen, antwortete er mir: »Als es galt die Juden zu liquidieren, war niemand da, und jetzt verlangt ihr eine Wohnung«. „Daraufhin – wie ein Historiker des IPN (Institut des Nationalen Gedenkens) schreibt, reagierte die Schwiegermutter widerborstig: »eine Wohnung will man mir nicht geben, aber den Enkel meines Józef Ekstowicz hat man hingeschickt, die Scheunen mit Petroleum zu begießen«. Ekstowicz kroch mitsamt einem Kollegen aufs Dach einer Scheune in Radziłów, in der zuvor mehrere Hundert Juden eingesperrt worden waren, begossen es mit Petroleum und zündeten es an.

Ab sofort wurden Anzeichen eines Wohlstandes gefährlich, denn sie weckten Verdacht, daß solch eine Person womöglich Juden verbirgt und daraus Profite zieht; gemäß der Regel: „ist klar, wer Geld hat, der versteckt Juden“. Das aber trug die Gefahr von Erpressung und Denunziantentum.

Schließlich soll hier noch eine letzte Form von Aneignung jüdischen Eigentums durch die polnische Bevölkerung erwähnt werden, und zwar Raub von Leichen und Asche der Ermordeten. Dies geschah in sehr großem Maßstab auf Richtstätten, auf Halden menschlicher Asche in Treblinka wie in Bełżec. Darüber hinaus auch auf jüdischen Friedhöfen und an solchen Stellen, wo nach Beendigung des Krieges Massengräber der Ermordeten geöffnet worden sind.

Vor einem Haus in Rabka, in dem jüdische Waisenkinder untergebracht waren, stand ein mit einer MP ausgerüstete Milizionär Wache. Es gab einen Überfall. Ein Kind erzählt: ich war in Rabka, dort hat man nachts auf uns geschossen.

In Kielce kam es zu einem verheerenden Pogrom. Vor dem Haus befand sich eine große Menschenmasse. Hinzu kam Militär und Miliz angefahren. Einer der Juden sagt aus: „Nachdem das Militär zum Platz angekommen war, atmeten wir, in der Überzeugung, daß dies unsere Rettung sei, erleichtert auf – erzählt Chil Alpert, der sich dazumal im Innern des Hauses befand. „Doch nun begann eine Schießerei, aber nicht gegen die Angreifer, sondern auf uns! Die Soldaten schossen in unsere Fenster. Ich hebe nur das hervor, was ich mit eigenen Augen gesehen habe. Im Innern des Hauses in Kielce, Planty 7, mordete das Militär die Juden. Anfangs schossen die Soldaten in den Kibbuz durch die Tür hindurch, danach drangen sie ins Innere, schossen auf die Menschen und warfen die Opfer unter die draußen versammelte Menschenmenge, die sie zugrunde richtete“.

Unter den über einhundert vor Ort am gleichen Tage inhaftierten Gewalttätern waren vierunddreißig Soldaten und Offiziere der Polnischen Armee sowie sechs Soldaten einer Sicherheitseinheit (KBW). Eine Zeugin sagte während des Prozesses am 10. Juli aus: Ich habe gehört, wie einer der Soldaten sich so ausdrückte: »Wozu habt ihr sie hierher gebracht (in eine Kaserne), ausrotten sollte man sie «. Auf eine Bemerkung eines anderen Soldaten, daß sich dort Kinder befinden, antwortete ihm der Erste: »Wißt ihr nicht, was man mit Kindern macht? An die Beine packen, auseinander ziehen und zerreißen“. Die Prozessakten gegen die Militärs sind 1989 vernichtet worden.

In einem anderen Stadtteil, ist einem gewissen Pardoła von der Radomska Straße Schlimmes passiert. Eine Horde von zwanzig Angreifern, meinte diesen Pardoła als Juden erkannt zu haben und begannen ihn mit Knüppeln zu belegen. Nach kurzer Schlägerei haben sie ihn doch als Polen erkannt und ihn dann gehen lassen. Ein Zeuge dieser Szene, Sałaj, berichtet, daß sich diese Bande danach in Richtung zur Planty Str. bewegte, unterwegs einen Juden getroffen, diesen zunächst mit Steinen auf den Kopf geschlagen, und als dieser, wohl bewußtlos, zu Boden fiel, hat man ihn umgebracht“.

Anhand Quellen ist bestätigt, daß während der Ausschreitungen verwundete Juden danach in den Krankenhäusern schikaniert worden waren. Ein Angehöriger der Miliz, Antoniewicz, wurde gerichtlich verurteilt, weil er beim Transport von Verwundeten diese öffentlich erniedrigt, belogen und einem verwundeten im Krankenhaus Geld gestohlen hat.

Die grausame Judenverfolgung weitete sich wie Strohfeuer sofort in der Stadt Kielce und auf die Umgebung aus, „kleine Gruppen von Zivilisten waren unterwegs, auf der Suche nach Juden kontrollierten sie Personalien der Passanten“.

Ein Zeitungsreporter beobachtete wie kurz nach den blutigen Exzessen, eine Menschenmenge am Fluß Silnica, einen jungen Juden, der von der Menge bedrängt bereits mitten im Wasser stand, mit Steinen bewarf. Ich kann mich gut erinnern, er war mit Weste und weißem Hemd bekleidet. Mit gesenktem Kopf, schon stark blutend stand er da, während ihn die Menschenmenge mit Steinen bewarf, er stand mitten im Fluß, bewegte und jammerte nicht. Die Menge warf die Steine fast teilnahmslos und der Rest stand rundherum und schaute, ob er schon umfällt oder nicht.

Ein Bericht des Amtes für Staatssicherheit von Kielce vom 31. Juli 1946 stellt fest, das zum Zeitpunkt des Pogroms am Haus an der Plantystraße 7 „sich eine Menschenmasse von etwa viertausend Personen versammelte“.

Milizionär Mazur, auf die Frage des Richters, warum er ein neben seiner Mutter liegendes Kind erschossen hatte, antwortete: “die Mutter war ohnehin schon tot, sicherlich hätte das Kind geweint“.

Im Laufe der nächsten fünfzehn Minuten war der Berichterstatter Zeuge, wie man aus einem, aus Tschenstochau angekommenen Zug, Menschen rausgezerrt und sie auf dem Bahnhof ermordet hatte. „Unter meinen Augen schlugen sie eine alte Jüdin tot, es gelang ihr noch ins Getreidefeld wegzulaufen, doch dort hat man sie gefangen und daraufhin gesteinigt“. Er sah, als ein junger Mann während der Flucht auf dem Bahnsteig zu Boden fiel, und „der Bahnbedienstete ihn mit einem Stück Eisenschiene den Kopf zerschlug“. Er sah, wie „Soldaten aus dem Zug heraus auf Juden schossen“.

Auf dem Bahnhof begann man aus anfahrendem Zug Menschen heraus zu stoßen. Widerstand leistende wurden mit Gewalt rausgezerrt und sofort ermordet. Die Tötung verlief dergestalt, daß man die hilflos Flüchtenden solange mit Steinen bewarf, bis sie zu Boden fielen. Danach hat man sie mit eisernen Bremsklötzen erschlagen. Als ich und Ingenieur Elżanowski das sahen, stürzten wir uns in diese Richtung und schrieen: „Leute, was macht ihr denn da, fürchtet ihr euch nicht vor Gott?“ … In diesem Augenblick wurde auch es für uns gefährlich. Die Menge bedrohten uns ebenfalls zu steinigen, sie schrieen: „ihr jüdischen Knechte, uns haben die Juden die Kinder ermordet und ihr nehmt sie jetzt in Schutz?“

Meine Lage verschlimmerte sich noch weiter, nachdem ein junger, bereits blutend auf dem Boden liegender Mann sah, daß ich ihm behilflich sein will, meine Knie mit seinen Händen umklammerte. Die Schergen stürzten sich aber auf ihn, zogen ihn zu Zweit an den Beinen, so daß ich selbst ins Wanken geraten bin. Der am Boden blutende Jude umklammerte immer noch meine Beine, doch kurz darauf verließen ihn die Kräfte und ich fühlte, daß er mich los ließ. Danach zogen ihn die Schergen ein paar Schritte zur Seite und ein dritter junger Bursche kniete neben dem Juden nieder und schlug ihn mit einem eisernen Bremsklotz gegen den Kopf zu Tode.

Während dieser Totschlägerei konnte man auf dem Bahnhof keine Hilfe erwarten. Ich sah Personen in Uniformen und auch Militärs, mit über die Schulter gehangenen Karabinern, welche mit Bremsklötzen den auf dem Boden liegenden Juden die Köpfe zerschlugen. Einer von diesen, der einen umgehangenen Karabiner hatte, tat sich besonders grausam hervor. Prüfend ging er von einem zum anderen der zu Boden geschlagenen Menschen und sich über sie beugend, horchte er nun ob das Opfer noch welche Lebenszeichen von sich gibt. In einem Fall schrie er laut auf: „Dieser hier atmet noch!“ Wonach er das Ergebnis des Mordes mit einem Bremsklotz verbesserte. Auf diesem Bahnhof habe ich sieben Leichen gezählt.

In Pieszków ist ähnliches passiert. Nach der Einfahrt eines aus Breslau kommenden Zuges in den Bahnhof, blieb zur gleichen Zeit auf dem gegenüberliegenden Gleis ein Zug aus Kielce stehen. Ein Gerücht machte die Runde, Juden hätten in Kielce zehn Kinder ermordet. Unverzüglich riefen sich Passagiere des Breslauer Zuges zusammen um „Juden zu schlagen“. Einer sagte aus: „Aus den Waggons wurden nun Juden herausgezerrt und zu Tode geschlagen … gemeinsam mit meinem Schwager haben wir gesehen, wie ein Mann eine Jüdin getrampelt und mit Steinen zu Tode geschlagen hat.

Ein anderer Passagier, den Bożena Szaynok zitiert, berichtet, daß auf dem Bahnhof In Pieszków „die Abfahrt eines Zuges absichtlich durch den diensthabenden Bahnbeamten verzögert wurde, um den Schergen das Abfangen möglichst vieler Juden zu ermöglichen“. Über die absichtlich verzögerte Abfahrt des Zuges wurden ebenfalls Leser der Zeitschrift „Kuźnica“ vom 29. Juli 1946 informiert.

Ähnliche Exzesse – Herauszerren von jüdischen Passagieren aus Waggons und ihre Ermordung– wiederholten sich auch auf den Bahnhöfen in Szczukowskie Górki und Kielce Herbskie.

In einer von den Woiwodschafts-Parteikomitees PPS und PPR während einer Versammlung am 7. Juli beschlossenen Resolution ist festgehalten: „massenhafte Beteiligung der Pfadfinderjugend am Tage des Pogroms“. Nach einer Mitteilung eines Jüdischen Organs (CKŻP), wurden an diesem Tage auf Bahnhöfen und in Zügen annähernd dreißig Juden ermordet.    (Übersetzung Anton Kulla)



Kommentare zu diesem Artikel - Komentarze do artykułu



Anzeige: 1 - 1 von 1.

Richard Nowosielski
Samstag, 01-03-08 15:31   E-Mail

Langsam kommt die Wahrheit an die Öffentlichkeit raus - wie das in Polen ist. So lange doch in Polen Selbstkritik (Catarsis) nicht ausgeübt ist wird es immer zu Problemen kommen.
Richard Nowosielski

 
redakcja@silesia-schlesien.com | redaktion@silesia-schlesien.com | Impressum
© copyright 2004-2005 by silesia-schlesien.com

Besuchen Sie auch:
[Weinfässer als Regentonnen, Springbrunnen und Gartendekorationen]