Prof. Jan Tomasz Gross - Nachbarn
Fast sechs Jahrzehnte lang spielte dass Massaker von Jedwabne (einer ostpolnischen Ortschaft nahe Bialystok) eine zentrale Rolle in der antideutschen Propaganda. Der Vorwurf, die Deutschen hätten dort am 10. Juli 1941 nach dem Einmarsch der Wehrmacht 1600 Juden grausam ermordet - die meisten in einer Scheune lebendigen Leibes verbrannt - fand auch reichlich Eingang in Medien der Bundesrepublik 2000 veröffentlichte der polnisch-jüdisch, an der Universität von New York lehrende Professor Jab Tomasz Gross zunächst auf Polnisch, dann auf Englisch, 2001 schließlich auf Deutsch unter dem Titel Nachbarn. Der Mord an den Juden von Jedwabne das Ergebnis seiner intensiven Nachforschungen: Das Verbrechen war in Wahrheit von fanatischen antisemitischen Polen verübt worden, die sich an den Juden rächen wollten, weil sie diese kollektiv für bolschewistischen Terror verantwortlich machten. Als auch das amtliche polnische "Institut des Nationalen Gedenkes" (Instytut Pamieci Narodowej) Gross`Ermittlungen bestätigten musste und trotz aller Anstrengungen eine Beteiligung der Wehrmacht an der Untat nicht zu konstruieren vermochte, wurde eine die Deutschen anklagende Inschrift auf dem Denkmal von Jedwabne entfernt. Der polnische Kardinal Glemp aber äußerte, die Morde an Unschuldigen in Jedwabne würden "unseren Schmerz genauso hervorrufen wie die Morde unter Nachbarn in Palästina".