Deutsch-polnische Ortsschilder aufgestellt
Erstmals in der Nachkriegszeit führt eine Ortschaft in Polen neben ihrer polnischen Bezeichnung auch ihren alten deutschen Namen.
Im Dorf Lubowitz (Lubowice) bei Ratibor (Raciborz) in Oberschlesien wurden am Donnerstag de, 4. September 2008 deutsch-polnische Ortsschilder aufgestellt. In dem 370-Seelen-Dorf, dem Geburtsort des deutschen Dichters Joseph von Eichendorf (1788-1857), bekennt sich die große Mehrheit der Einwohner zu ihren deutschen Wurzeln. Polen sei ein demokratischer Rechtsstaat, der die Rechte der nationalen Minderheiten anerkenne, sagte der deutschstämmige Gemeindevorsteher Aloiz Pietruszka. Er wolle, das Lubowitz zu einem Symbol des friedlichen Zusammenleben von Polen und Deutschen werde. Es sei “keine große Sache”, hier sei nur der alte Name hergestellt worden, betonte Landrat Adam Hajduk. Der Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Christoph Bergner, schrieb in einem Brief an die Veranstalter, dies entspreche dem “Geist der Offenheit und Toleranz im vereinten Europa”.
Das polnische Parlament hatte in einem 2005 verabschiedeten Gesetz die Rechte den Minderheiten erweitert. Danach können in Gemeinden mit einem Minderheitenanteil von mindestens 20 Prozent die Regionalsprachen als amtliche Hilfssprache eingeführt werden. Möglich sind ferner zweisprachige Ortsschilder. Dem Beispiel Lubowitz will ein Dutzend weiterer oberschlesischer Gemeinden folgen.
Am 11.o9. wurden Ortsschilder in Radlau im Krs. Rosenberg aufgestellt, die man aber inzwischen schon beschmiert hatte.