Dr Ewald Stefan Pollok - Das Nachkriegsauschwitz voller Geheimnisse.
Der Artikel von Dr. Adam Cyra: „Die Geheimnisse von Auschwitz“ hat mich überrascht. Eigentlich war es nicht der Artikel selbst, sondern die in ihm enthaltenen merkwürdigen Behauptungen. Vermutlich will er damit weiterhin verhindern, daß die Wahrheit über polnische Nachkriegslager in das Bewußtsein der polnischen Gesellschaft gelangt und diese nicht die unrühmliche Rolle der Volksrepublik, ihre aktive Mithilfe bei der Inhaftierung von Menschen im Lager Auschwitz, kennenlernt.
Am 27. Januar 1945 betraten sowjetische Truppen das Lager und retteten den Rest der dort durch die Deutschen festgehaltenen Menschen. Und es schien so, als ob die menschliche Tragödie, welche hier über einige Jahre gedauert hat, ihr Ende gefunden hat. Niemand wäre damals auf den Gedanken gekommen, daß sich jemand findet der diesen Platz des Grauens, des Todes hundertausender Personen, zum zweiten Mal zum Platz der Marter und Qual macht.
Nach der Befreiung des Lagers Auschwitz-Birkenau bestand es ab Februar 1945 weiter, nur wurde es diesmal durch den russischen NKWD und den polnischen Sicherheitsdienst geleitet. Häftlinge waren Personen aus Schlesien und eine betimmte Anzahl österreichischer und ukrainischer Bürger wie auch Personen aus Polen welche außerhalb Schlesiens gewohnt haben. Viele der dort Inhaftierten haben den Tod gefunden.
Weil zu diesem Thema keine Untersuchungen geführt werden, ist die genaue Anzahl der Gefangenen schwer zu bestimmen. Auch deswegen, weil die polnische Seite weder an den Untersuchungen noch an der Wahrheitsverbreitung innerhalb Europas interessiert ist. Mehr noch, als der bekannte Prof. Bartoszewski nach der Veröffentlichung unseres Artikels die Aussage: „Wie kann man das Leid tausender und den Tod einiger hunderter Personen so behandeln wie den Mord von Millionen im Rahmen einer geplanten Staatspolitik?“ machte, hat ihm die Mehrheit mit Sicherheit zugestimmt. Wir nicht! Denn wir behaupten, daß solche Aussagen der Nährboden für weitere Geschichtsverdrehungen sind. Wir meinen, daß die Nachkriegsmörder aufgezeigt und das Gedenken an alle Opfer des Lagers Auschwitz, der Kriegs- und der Nachkriegsopfer, aufrecht erhalten und keine Aufteilung auf bessere und schlechtere stattfinden sollte.
Ich denke, daß Prof. Bartoszewski über das Gesagte nicht nachgedacht hat. Denn die Gesellschaft zu einer kranken These zu überzeugen: „daß der Tod hunderter oder das Festhalten einiger tausender Zivilpersonen, Opfer polnischer Nachkriegslager unwichtig ist“, kann nur einer kranken Vorstellung oder nationalistischen Überzeugungen entspringen. Sind wir in einem christlich geprägten Staat schon so tief gefallen, daß der Tod Hunderter oder gar Tausender nicht bemerkt wird oder nicht bemerkt werden soll? Sind die, welche weniger getötet haben, schuldlos? Krank wäre eine Gesellschaft, die in solcher Weise denkt.
Die Politiker behaupten stur, daß es im Nachkriegsauschwitz kein durch Polen geführtes Lager gab. Auch die Historiker versuchen nicht, diese Sache wissenschaftlich zu lösen. Aber vielleicht haben sie keinen Zugang zu entsprechenden Akten???
Die Unterstellung, daß wir uns nur deswegen gegen die Namensänderung des Lagers Auschwitz auf „Ehemaliges nazideutsches Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau“ stellen, weil dort nach dem Krieg zwei Frauen vergewaltigt und ein Mann, Josef Jancza verstarb, kann doch nicht ernst genommen werden. Die Angelegenheit um Josef Jancza ist schon so (nicht nur in Polen) bekannt, daß wir sie hier ruhen lassen.
Es braucht schon viel Mut, um aus meinem Artikel nur zwei vergewaltigte Frauen und einen Todesfall herauszulesen. Entweder hat H. Dr. Cyra den Artikel so unaufmerksam gelesen und nicht bemerkt, daß da die Rede von 41 Toten aus nur einem Dorf Alzen (Halcnow), jetzt eingemeindet in Bielitz-Biala (Bielsko-Biala), war. Aber er war so zuvorkommend um zu schreiben, daß während des Krieges in Auschwitz rund eineinhalb Millionen Menschen umkamen und verfehlt auch hier die Wahrheit. Ich zitiere aus der Arbeit von H. Dr. Piper aus dem Museum Auschwitz, erschienen in Buchform und nachzulesen in polnischen Enzyklopädien:
In Auschwitz zu Tode kamen (in der Zahl enthalten sind die Ermordeten und die wegen Hunger, Altersschwäche, Krankheiten und Epidemien Verstorbenen) 1.100.000 Häftlinge, davon 975.000 Juden, 75.000 Polen, 20.000 Roma, 15.000 sowjetische Gefangene und 15.000 anderer Nationalitäten.
Jeder von ihnen, das ist einer zu viel. Doch unanständig ist es noch weitere Hunderttausende hinzuzufügen.
Jeder Leser unserer Zeitung "Silesia-Schlesien-Śląsk" (und es sind über 80.000 pro Nummer - und das in 84 Ländern) konnte in meinem Artikel: "Ein Sturm in den polnischen Medien! " nachlesen, daß aus nur einem kleinen Dorf 41 Tote nachweisbar sind. Nur aus dem Dorf Alzen, weil jegliche polnische Angaben zu im Nachkriegslager Auschwitz Verstorbenen fehlen, und über Nachkriegslager wird in Polen nicht geforscht.
H. Dr. Cyra gibt in seinem Schreiben an, daß auf dem Standesamt Auschwitz 144 Todesfälle im Lager Auschwitz, nicht verbunden mit Auschwitz-Birkenau, dokumentiert wurden, haupsächlich von Personen aus der Umgebung Bielitz-Biala. Dabei gibt es nur ein kleines „aber“. Da wird z.B. auf seiner Liste J. Jancza als außerhalb Auschwitz-Birkenau gestorben aufgeführt. In Wirklichkeit aber ist er dort gestorben, was aus seiner Sterbeurkunde, ausgestellt durch das Standesamt Auschwitz, eindeutig hervorgeht. Als sich in den nächsten Tagen Angehörige weiterer Verstorbener um Sterbeurkunden meldeten, wurden ihnen auf Anordnung einer „wichtigen Person“ diese Dokumente nur mit dem Sterbeort „Auschwitz“ ausgehändigt.
Außerdem starben im Arbeitslager Auschwitz 4 Personen. Wie H. Cyra schreibt, wurde dieses Lager bisher nicht lokalisiert. Und wie soll man sich nicht wundern, daß man nach 62 Jahren noch nicht weiß, wo dieses Lager war? Man kann sicher behaupten, daß niemandem daran gelegen ist diese Stelle wiederzufinden. Wenn es ein deutsches Lager gewesen wäre, hätte man es schon längst gefunden. Da es aber ein polnisches war – warum sollte man es da suchen und eigene Verbrechen ans Tageslicht holen?
Ich habe den Anhang zum Artikel von Dr. Cyra, also die Liste, durchgesehen und festgestellt, daß in ihr die Namen von 25 in Auschwitz verstorbenen Personen aus Alzen (Halcnow) fehlen. Wenn wir jetzt zu der Liste des Standesamtes mit 148 Personen, diese fehlenden 25 hinzufügen, wissen wir, das in Auschwitz 173 Personen gestorben sind. D.h. im Augenblick wissen wir von 173 Personen, welche in diesem Lager ihr Leben verloren. Also dachten wir nicht nur an 2 vergewaltigte Frauen und einen verstorbenen H. J. Jancza. Wenn es uns gestattet wäre, die Bücher des Museums und die des Standesamtes durchzuschauen würden wahrscheinlich weitere Opfer ermittelt.
Aber wie viele Opfer gab es wirklich? Man weiß, daß in anderen Lagern in Polen nicht immer alle Inhaftierten registriert wurden. War es in Auschwitz anders? Schon die Tatsache, daß sich das Standesamt um 25 Opfer „geirrt“ hat, zeigt die Notwendigkeit einer vorsichtigen Zurkenntnisnahme dieser Daten, keinesfalls dürfen sie als endgültig angesehen werden. Schade, daß niemand während der vergangenen 60 Jahre das Bedürfnis einer Untersuchung des Nachkriegsarchiws verspürt hat. Aber vielleicht durfte man das nicht tun?
Als ich im Zuge der Vorbereitungen zu einem neuen Buch in verschiedenen Unterlagen stöberte, traf ich auf eine Liste von 600 Personen, welche in verschiedenen Nachkriegslagern inhaftiert waren, davon 25 in Auschwitz. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt und ich konnte auch nicht feststellen, ob diese Menschen überlebt haben.
Die Liste dieser Personen hänge ich am Ende des Artikels an.
Es ist verständlich, daß die polnische Seite nicht zugeben will, daß man auch nach dem Krieg in Auschwitz Menschen einsperrte, daß sie gequält wurden und starben, denn es würde Polen in einem schlechten Licht darstellen. Schon in meinem Buch "Śląskie tragedie" (Schlesische Tragödien) schrieb ich: „Das Nachkriegsauschwitz ist die Moral Polens“
. Seit Kriegsende sind über 60 Jahre vergangen und man sollte nicht immer nur verlangen, daß die Deutschen, die Ukrainer oder die Russen sich zu dem den Polen zugefügten Leid bekennen, sondern es wäre gut, wenn auch die polnische Seite Untersuchungen führen und das aufzeigen würde, was sich nach dem Krieg auf ihrem Territorium ereignet hat. Schade, daß hier der gute Wille fehlt die schwierigen Angelegenheiten der Nachkriegszeit, in welcher öfters aus niedrigsten Beweggründen gemordet wurde, zu einem ehrenhaften Ende zu führen.
Zwischenzeitlich weiß man zwar in Europa schon etwas über die Vorkommnisse der Nachkriegszeit auf polnischem Gebiet. Ihre Bestätigung würde Polen international in einem günstigeren Licht darstellen – doch hier wird weiterhin verbohrt an der Verbreitung all dessen gearbeitet, was die Polen erlitten - aber selbst nichts Schlechtes getan haben.
Das polnische Parlament (sejm) geht sogar noch weiter und beschloß den § 52a, nach welchem jeder verurteilt werden kann, der schlecht über Polen spricht. Nur ist es für manche Menschen schwierig zu verstehen, was „schlecht“ und was „Wahrheit“ nach polnischem Verständnis bedeutet.
Etwas erinnert das an die Türken und ihren Schwierigkeiten mit der Bekenntnis zum Völkermord an den Armeniern nach dem I. Weltkrieg. Dort gebraucht man auch einen Paragraphen anhand dessen man Menschen wegsperren kann, welche über dieses Thema sprechen und die Türkei so in einem schlechten Licht darstellen.
Der Sohn des H. Jancza und eine Gruppe ihm Gleichgesinnter und auch Betroffener sucht seit 2001 nach einer Einigung mit maßgeblichen Stellen in Sachen eines Denkmals oder einer zweisprachigen Tafel an einer entsprechend würdigen und sichtbaren Stelle in Auschwitz, welche das Martyrium und den Tod unschuldiger Zivilpersonen im Nachkriegslager Auschwitz-Birkenau dem Vergessen entreißt, die unter den dort herrschenden grauenhaften und unmenschlichen Bedingungen ermordet wurden. Er wandte sich in dieser Angelegenheit an den Schlesischen Woiwoden, den Präsidenten und den Rat der Stadt Auschwitz, an den Rat der Woiwodschaft Kattowitz, das Ministerium für Kultur und Nationales Erbe, an den Sprecher für Bürgerechte und den Ministerpräsidenten der Republik und auch deren Präsidenten (14.5.2007).
Die Angelegenheit rund um das Nachkriegsauschwitz und den dort verstorbenen Josef Jancza und anderer Personen wird von Zeit zu Zeit in der polnischen Presse behandelt, doch die Verantwortlichen, welche der Sache ein Ende bereiten könnten – schweigen. Obwohl aus dem Ministerium für Kultur und Nationales Erbe ein Schreiben mit dem Datum 12. April 2007 ankam, in dem man u.a. lesen kann: „...das Lager Auschwitz-Birkenau ...funktionierte von Februar 1945 bis April 1946, eigentlich bis April 1947 ... wurde eröffnet durch die Kreisbehörde des Amtes für Sicherheit in Biala, in Strukturen des Ministeriums für öffentliche Sicherheit und war dem Zentralarbeitslager in Jaworzno untergeordnet. Im Lager wurden nicht nur Oberschlesier oder Bewohner der Niederbeskiden deutscher Herkunft festgehalten, sondern auch Polen, Deutsche, Österreicher und Volksdeutsche.“ - Diese Worte erinnern an in unserer Internetzeitung veröffentlichte Artikel. Wir danken.
Weiter lesen wir: „In dieser Situation sollte das Konzept des Gedenkens an die Opfer des Arbeitslagers in Auschwitz gut durchdacht werden. Denn unabhängig von dem Leid der Häftlinge des Arbeitslagers 1945 – 1947, ist Auschwitz ein ewiges Symbol für den durch Hitlers III. Reich verübten Völkermord. Wir möchten auch hinzufügen, das eine dem üblichen Standard entsprechende Gedenktafel für die Vorfälle in Auschwitz nach 1944 nicht nur die Opfer deutscher Herkunft ehren sollte, sondern alle welche im Auschwitzer Arbeitslager gefangen waren.
der mit dieser Angelegenheit konfrontierte Rat zum Schutz des Gedenkens an Kampf und Martyrium hat sich skeptisch zu einer positiven Beurteilung dieser Angelegenheit ausgesprochen.“
Hier noch die Liste von in Auschwitz inhaftierten Personen, deren Schicksal noch nicht geklärt wurde:
Kaleta Rudolf - geb. 2.VII.1918 - 3.Mai.1945 nach Auschwitz - hat sich keiner materiellen oder moralischen Handlung schuldig gemacht, welche die Polen in Skoczow geschädigt hätte.
Czaja Leon - Zebrzydow1ice 86 - 1.IV.1933v – Auschwitz
Kopel Wilhelm geb. 13.X.1917 Zebrzydowice - 19.04.1945 nach Auschwitz – hat den Polen während des Krieges keinen Schaden zugefügt
Starzyczny Josef - geb. 30.12.1921 Krasna Kreis Teschen - 22.5.1945 nach Auschwitz – arbeitete beim deutschen Militär
Szpaczek Emil - geb. 1.VIII.1905, wohnhaft. Kamienica 360 - 4.3.1945 nach Auschwitz
Libiec (oder Cibiec?) Paweł 6.VI.1889, wohnhaft. Kamienica 364 - 10.03.1945 Auschwitz
Zypocz Andrzej - geb. 2.X.1892 wohnhaft. Kamienica- 18.4. nach Auschwitz
Bielawski Bartłomiej - 9.V.1895 zam Kamienica 102 - 15.3.1945 nach Auschwitz
Stachut Jan - 29.VIII.1886 wohnhaft. Kamienica 171- 10.03.1945 nach Auschwitz
Wieja Paweł - 17.XII.1902 - wohnhaft. Kamienica 91 - 19.02.1945 nach Auschwitz
Murcza Oswald - 4.V.1907 - wohnhaft. Kamienica 299 - 2.03.1945 nach Auschwitz
König Adolf - 25..IX.1915 - 19.03.1945 nach Auschwitz
Hasner Karol -8X.1899 - wohnhaft. Czechowice Dziedzice - 22.02.1945 Auschwitz
SwińczykTeofil - 6.12.1924 wohnhaft. Pietrowicko 47 - 11.04.1945 nach Auschwitz-Brzezinka.
Bylok Karol - 27.VIII.1904 wohnhaft. Rudzica 11a - 17.04.1945 nach Auschwitz - hat keinen politischen Organisationen anghört und den Polen nicht geschadet - Gemeindeamt Rudzica 9.08.45
Hajer Erwin - 28.III.1926 wohnhaft. Rudzica 49 - 11.4.1945 nach Auschwitz-Brzezika Gemeindeamt Rudzica 9.08.1945, keine Organisationszugehörigkeit – wie oben
Majer Erwin 28.III.1916, zam Rudzica, 8.02.1945 nach Auschwitz
Walach Adam -18.IX.1899 - zam Roztropice 51, 9.04.1945 Auschwitz-Brzezinka – hat sich während des Krieges vorbildlich verhalten
Huta Pwel - 17.XII.1892 - wohnhaft. Roztropice 60 - 9.04.1945 nach Auschwitz -Brzezinka, Gemeindeamt Roztropice
Piszczalka Karol 17.IV.1902 - wohnhaft Roztropice 20, 9.04.1945 nach Auschwitz-Brzezinka
Zahradnik Ludwig 10.V.1928 - wohnhaft. Roztropice 69, 14.04.1945 Auschwitz-Brzezinka
Piszczatka Franciszek 27.11.1897, wohnhaft. Świętoszówka 29, 12.04.1945 nach Wadowice, später nach Auschwitz
k Wiktor 13.II.1902, wohnhaft. Jasienica 302, 4.04.1945 Oświęcimia
Zarczyk Karol 30..IX.1903, wohnhaft. Jasienica 325, 11.04.1945 nach Auschwitz
Kohut Ludwik 21.II.1927; wohnhaft. Bronów 117; 25.03.45 nach Auschwitz
Marek Paweł - Skoczów -23.VI.1907 - Auschwitz